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Der neue Liebling in der Nationalmannschaft: Müller und "Miro" in einer Person: Warum Timo Werner Trainer, Fans und Mitspieler begeistert

Von Beim Sieg gegen Norwegen avanciert Timo Werner zum Senkrechtstarter im DFB-Sturm. Bundestrainer Joachim Löw lobt seinen "brutalen Zug zum Tor".
Zwei, die sich mögen: Die DFB-Stürmer Mario Gomez und Timo Werner Foto: Uwe Anspach (dpa) Zwei, die sich mögen: Die DFB-Stürmer Mario Gomez und Timo Werner
Stuttgart. 

Schon vor dem ersten seiner beiden Tore skandierte das Publikum: „Timo Werner“. Ein völlig neues Gefühl für den Senkrechtstarter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der von den eigenen Landsleuten geschmähte und beleidigte Mittelstürmer wurde auf einmal von den Zuschauern als Liebling gefeiert. Die offenen Arme und die lauten Gesänge, mit denen die 54 000 Fans den verlorenen VfB-Sohn willkommen hießen, passten zu „dieser wunderschönen Geschichte heute Abend“, wie Joachim Löw schwärmte, zur 6:0-Fußball-Gala gegen Norwegen in der Stuttgarter Arena.

„Wir haben erlebt, wie schön Fußball sein kann“, sagte der Bundestrainer begeistert, drei Tage nach der „Pöbel-Schande“ von Prag. Timo Werner kommentierte auf seine introvertierte, ja fast schüchterne Art den herzlichen Empfang und die überschwänglichen Ovationen. „Man spielt besser, wenn man von den eigenen Fans bejubelt als ausgepfiffen wird.“ Als er nach 66 Minuten gegen einen anderen früheren Mittelstürmer des VfB, Mario Gomez, ausgewechselt wurde, standen die Zuschauer auf und applaudierten. Löw drückte Timo wie einen Sohn inniglich an die Brust. Wie hatte der Bundestrainer leidenschaftlich gegen die Anfeindungen gekämpft, ja fast Vergebung eingefordert, nur weil der blonde Schwabe mal einen Fehler gemacht habe, für den er aber eingestanden sei. Die Schwalbe beim Spiel gegen Schalke im vergangenen Dezember hatten ihn zum Buhmann der Bundesliga gestempelt.

Es sei schon komisch gewesen, sagte Werner zur außerhalb Leipzigs ungewohnten Sympathiewelle. Er habe keine Erwartungen gehabt, wie er empfangen werden würde. „Ich wollte nur ein gutes Spiel machen in meiner Heimat.“ Werner wurde vor 21 Jahren in Bad Cannstatt geboren, also nur einen Katzensprung vom Stadion entfernt, und ist beim VfB groß geworden, bis er nach dessen Abstieg vor einem Jahr beim RB Leipzig eine weitere Bleibe in der Bundesliga fand. Es freue ihn doppelt, dass er mit seinen beiden Toren den Fans etwas habe zurückgeben können.

Es waren die Treffer fünf und sechs in nur acht Länderspielen, der Doppelschlag in der 21. und 40. Minute, seine Art, wie eine „echte Neun“ aufzutrumpfen, die an eine Mischung aus Gerd Müller und Miroslav Klose erinnerten. Den Ball nach Zuspiel von Kroos über Müller kaltschnäuzig einzuschieben, das war reaktionsschnelle, zielsichere „Bomber-Art“. Nach einer Flanke, abermals von Müller, einen Kopf höher zu springen als Elabdellousi und den Ball lehrbuchmäßig mit der Stirn ins Tour zu drücken, war „Miro-Stil“.

Der neue Torjäger der Nation vereint viele Fähigkeiten der beiden erfolgreichsten Stürmer der Nationalmannschaft: Lauern, Instinkt, Reaktion, Kaltschnäuzigkeit, Treffsicherheit (Gerd Müller), Schnelligkeit, Spritzigkeit, Laufwege, Kopfballstärke (Klose). Timo Werner ist jetzt schon komplett. Wer könnte das besser beurteilen als der Bundestrainer? „Sein extrem in die Tiefe Gehen, das ist es, was dem Gegner extrem wehtut, was schwer zu verteidigen ist. Er hat einen brutalen Zug zum Tor. Und Schnelligkeit. Was er für Wege macht, ist schon klasse.“ Und Löw zählte weiter auf: „Der Zug, immer an vorderster Stelle zu sein, zeichnet ihn aus. Timo läuft ständig quer und steil. Das ist für unser, heute brillantes, Kombinationsspiel sehr gut. Da kann man Bälle auch wieder hinter die Abwehr spielen. Ich hoffe, dass er das beibehält.“

Mario Gomez (32), der schon hinter Klose anstehen musste, hat nun Timo Werner vor sich. Anders als in der Vergangenheit akzeptiert der athletische Stürmer, den ein sehenswertes Flugkopfballtor zum 6:0 launig stimmte, seine Rolle als zweite Wahl. „Ich habe dem Trainer gesagt, ich bin da, wenn er mich braucht. Ich bin völlig okay mit der Rolle. Timo ist ein super Junge. Ich will mich mit ihm auch gar nicht vergleichen. Wenn er uns zum Weltmeister schießt, bin ich happy.“

Am Freitag spielt Timo Werner mit RB Leipzig beim HSV. Nach Stuttgart sollte Werner in Hamburg ein neues Kapitel im Bundesliga-Alltag aufschlagen können: weniger Pfiffe, mehr Respekt für den neuen Star im deutschen Sturm.

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