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26 Sekunden bis zur Mondlandung: Nach siebenmonatiger Vorbereitung scheitert die Jagd auf die Zwei-Stunden-Marke knapp

Das Rennen unter „Laborbedingungen“ endete mit der besten je erzielten Zeit auf der Marathon-Distanz. Die Konkurrenz ist beeindruckt. Ein schaler Nachgeschmack bleibt.
Das Ende einer ebenso umstrittenen wie beeindruckenden Rekordjagd: Eliud Kipchoge läuft auf der Formel-1-Strecke in Monza ins Ziel. Foto: Luca Bruno (AP) Das Ende einer ebenso umstrittenen wie beeindruckenden Rekordjagd: Eliud Kipchoge läuft auf der Formel-1-Strecke in Monza ins Ziel.
Monza. 

Eliud Kipchoge holte alles aus seinem perfekt auf diesen Tag hin präparierten Körper heraus, die Schrittmacher brüllten den Olympiasieger ins Ziel – doch letztlich fehlten 26 Sekunden zur Mondlandung: Der beste Langstreckenläufer der Welt ist beim ebenso spektakulären wie umstrittenen Vorhaben, als Erster einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen, knapp gescheitert. Im Morgengrauen lag Kipchoge auf dem Formel-1-Kurs im italienischen Monza nach 42,195 Kilometer bei 2:00:25 Stunden. Eine Zeit, die die Fachwelt staunen lässt.

„Ich war total auf diese zwei Stunden fixiert. Auf den letzten Kilometern bin ich ein wenig abgefallen“, sagte der 32 Jahre alte Kipchoge, wollte aber dennoch festhalten: „Das hier ist historisch. Es war eine gute Reise, es waren sieben Monate voller Hingabe.“

Immerhin: Der Kenianer lag klar unter dem Weltrekord seines Landsmannes Dennis Kimetto (2:02:57), als er am Samstagmorgen um genau 7:45:25 Uhr die Ziellinie überquerte – als neue Bestmarke geht Kipchoges Lauf wegen der Umstände nicht in die Rekordlisten ein. Nicht alles entsprach den Regeln des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF – was Nike von vornherein einkalkuliert hatte.

2:51 Minuten pro Kilometer

Für Sportartikel-Gigant Nike, der das Projekt „Breaking2“ als riesiges PR-Vehikel benutzt und geschätzte 30 Millionen Euro investiert hatte, war es durchaus eine Schlappe: Die Macher aus Beaverton/Oregon hatten nie einen Zweifel daran gelassen, dass es nur um diese magische Zwei-Stunden-Marke ging.

Mit riesigem Getöse hatten sie zuvor für ihr Projekt getrommelt, einige Stunden nach Renn-Ende teilte sich Konzern-Boss Mark Parker mit reichlich Pathos mit. „Ich habe die Magie von Gold-Schuhen und schnellen Anzügen gesehen. Aber ich habe noch nie etwas Vergleichbares wie heute gesehen“, schwärmte Parker in einer Nike-Mitteilung: „Es ist ein Moment der globalen Inspiration, die jeden Athleten in jeder Gemeinschaft ermutigt, die Grenzen seines Potenzials zu durchbrechen.“ Es folgte der Verweis auf die Kauf-Version des für Kipchoge entwickelten Schuhs.

Die prominenten Augenzeugen an der abgeschirmten Formel-1-Strecke in Monza, auf der Kipchoge und Co. im Windschatten eines Führungsfahrzeugs mit wechselnden Pacemakern eine 2,4 Kilometer lange Runde 17,5 mal absolvierten, gaben sich beeindruckt. „Wahrhaft inspirierend“, nannte Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe Kipchoges Lauf. Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius meinte: „Das war unglaublich, der Wahnsinn.“

Eliud Kipchoge zeigte, was derzeit menschenmöglich ist, trotz des verpassten großen Ziels bewegte er sich in schwindelerregenden Dimensionen: Knapp 2:51 Minuten benötigte er für einen Kilometer – mehr als 42-mal in Folge. Die 100 Meter rannte er in 17,5 Sekunden – und das 422-mal nacheinander.

Allerdings geschah all das unter „Laborbedingungen“ – ein Wort, das angesichts der langen Dopinghistorie der Leichtathletik und der Debatte über die mögliche Tilgung zweifelhafter Weltrekorde durchaus Schmerzen verursacht. Seit Herbst wurden Kipchoge sowie seine beiden Mitstreiter Lelisa Desisa und Zersenay Tadese von einem ganzen Heer an Wissenschaftlern betreut, die nichts dem Zufall überließen.

Thermometer im Körper

Unter anderem schluckten die Laufstars Thermometer in Tablettengröße, um die ideale Körpertemperatur zu ermitteln, jegliche Störfaktoren im Rennen wurden mit allen Mitteln ausgeschaltet. Die drei Läufer trugen aerodynamische Tapes auf den Waden, sie wurden von sechs Tempomachern unterstützt, die in jeder Runde wechselten und in einer Pfeilformation rannten.

Zudem bot die Anzeigetafel mit der Zeitmessung auf einem vorausfahrenden Elektroauto zusätzlichen Windschatten. Dass den Läufern die Getränke gereicht wurden und sie nicht an Verpflegungsständen danach greifen mussten, ist ebenfalls nicht regelkonform.

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