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Handball-WM in Frankreich: Nationalspieler Steffen Fäth aus Frankfurt: Warmlaufen für den Coup

Von Der 26 Jahre alte Rückraumspieler Steffen Fäth will nach dem EM-Sieg 2016 auch in Frankreich mit dem deutschen Nationalteam ganz oben stehen. Begonnen hat seine Karriere in Frankfurt. Und bald wird er zumindest wieder in der Nähe spielen.
Streckt sich für den Erfolg: die deutsche Nummer 23, Steffen Fäth. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Streckt sich für den Erfolg: die deutsche Nummer 23, Steffen Fäth.
Kassel. 

Die beiden kleinen Jungen am Spielfeldrand buhlten um Aufmerksamkeit. Immer wieder reckten sie das selbst gemachte Schild mit dem Namen ihres Vereins, des VfL Goldstein, in die Höhe und riefen mit zunehmend heiseren Stimmen den Namen des Nationalspielers, der dort einst seine Handballkarriere begann. Doch Steffen Fäth ließ sich nicht ablenken, der 26 Jahre alte Rückraumspieler lief sich warm für den letzten Test der deutschen Nationalmannschaft vor der Abreise zur Weltmeisterschaft.

Harald Joisten
Kommentar Sport Plötzlich WM-Mitfavorit

Die Vorzeichen haben sich geändert. Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gehören die deutschen Handballer nicht mehr zu den unterschätzten Außenseitern.

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Dabei nahm der Rechtshänder beim klaren Sieg gegen Österreich immer mehr Fahrt auf, präsentierte sich als famoser Passgeber und gehörte am Ende mit vier Toren zu den erfolgreichsten Schützen in der Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Die Abwehr stand super, der Angriff lief auch schon viel besser als noch gegen Rumänien. Jetzt können wir alle mit gutem Gefühl nach Frankreich fahren“, resümierte Fäth nach dem gelungenen Auftritt am Montagabend in Kassel.

Schon bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Polen, wo die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) den Titel holte, und beim Gewinn der olympischen Bronzemedaille war der Frankfurter dabei gewesen. Erfolge, die ihn und seine Mitstreiter hungrig gemacht haben. „Ich hoffe, dass ich ein gutes WM-Turnier spiele“, sagte Fäth vor der Abfahrt am Mittwoch zum ersten Spielort nach Rouen. Aber am meisten wünsche er sich, dass „das gesamte Team am Ende so hoch steht wie bei der EM“.

Eine komplizierte Formulierung für das, worauf alle es abgesehen haben: den ersehnten Finalsieg am 29. Januar in Paris. Bis dahin bleibt Fäth noch etwas Zeit, sich weiter in Form zu spielen. Denn in seinem Bundesligaverein, den Füchsen Berlin, zu denen er im Sommer nach sechs Jahren bei der HSG Wetzlar gewechselt war, hatte sich der frühere Wallauer wochenlang schwer getan. Nach seinem furiosen Saisonauftakt beim Weltpokal in Doha, wo er kurz vor Schluss mit einem Treffer das Finale gegen Paris zugunsten seines den Clubtitel damit verteidigenden Teams drehte, war er nicht in Schwung geblieben. Der Neuzugang wirkte gehemmt und wurde nicht wie gewohnt zur Konstanten in der Formation.

Mittlerweile hat sich der Knoten aber gelöst, sind die privaten Gründe für ihn benannt. Die Risikoschwangerschaft seiner Frau, die mit der glücklichen Geburt von Tochter Lara im November endete, zudem ein schwerer Krankheitsfall in der Familie hatten Fäth zu schaffen gemacht. Seinem damit verbundenen Anliegen, bald wieder zu seinen Eltern in den Großraum Frankfurt zurückzukehren, sind die Füchse nachgekommen: Zur Saison 2018/19 wechselt der Hesse zum deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen. „Für mich ist klar, dass ich erst meinen Vertrag in Berlin erfülle“, sagt der Sportler. Dass der Schwede Kim Ekdahl du Rietz, dessen Position er in Mannheim annehmen soll, jetzt schon ein Jahr früher seine Karriere beenden und auf Weltreise gehen will, habe er gelesen, doch es ändere nichts an seinen Plänen. „Daher mache ich mir darüber keine Gedanken.“

Keine Ablenkung

Jetzt steht aber sowieso erst einmal das Messen mit der internationalen Konkurrenz im Vordergrund. „Es gibt viele gute Mannschaften bei dieser WM“, betont Fäth. Entsprechend gehe es zuerst darum, gut durch die Vorrunde zu kommen. „Dann sehen wir weiter. Aber in K.o.-Spielen entscheidet oft die Tagesform.“

Umso wichtiger ist es, sich nicht von Nebengeräuschen ablenken zu lassen. Dass etwa Bundestrainer Dagur Sigurdsson sein Engagement beim DHB nach dem Turnier beenden wird, „habe ich momentan überhaupt nicht im Kopf“. Und auch die Diskussionen um die Übertragungsrechte beschäftigen Fäth nicht weiter. „Natürlich ist es blöd, dass die Spiele nicht in der ARD, dem ZDF oder bei Sky zu sehen sind. Aber es ist, wie es ist. Und wenigstens kann man die WM im Stream gucken.“

So können Felix und Mika, die beiden jungen Fans aus der Heimat, ihrem Lieblingsspieler, der seit 2010 das Nationaltrikot trägt, aus der Ferne zusehen, wie er bei der Medaillenjagd heißläuft. Und sich dabei erneut heiser brüllen, ohne dass er sie hört.

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