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Frankfurt Skyliners: Neues Onlineteam hat erste offizielle Spiele bestritten

Von Der e-Sport boomt. Vor allem junge Leute verbringen zu Hause oder bei Freunden viel Zeit mit Computerspielen. Zudem schauen sie anderen Menschen gerne beim Videospielen zu – wenn diese das besonders gut können. Beim Basketballclub Frankfurt Skyliners hat nun das erste offizielle e-Sport-Spiel stattgefunden.
Während Destiny J. Bazemore (von links) und Daniel Ragusa auf der Geschäftsstelle online Basketball spielten, kommentierte Skyliners-Sprecher Thomas Nawrath die Live-Übertragung im Internet. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Während Destiny J. Bazemore (von links) und Daniel Ragusa auf der Geschäftsstelle online Basketball spielten, kommentierte Skyliners-Sprecher Thomas Nawrath die Live-Übertragung im Internet.
Frankfurt. 

Daniel Ragusa sitzt auf einer Couch in der Geschäftsstelle der Fraport Skyliners und hält ein Gamepad in der Hand. Er trägt Kopfhörer und schaut gebannt in einen Monitor. Gleich beginnt das erste offizielle e-Sport-Spiel eines professionellen Basketball-Clubs in Deutschland. Es ist ein durchaus historischer Moment. Und der Start gelingt: Ragusa, der in dem Videospiel unter dem Spielernamen „Shirolakuro“ auftritt, gewinnt mit seiner neuen Frankfurter Mannschaft gegen ein Team namens „Kushbuster“ mit 91:44.

Daniel Ragusa tritt im Onlineteam der Skyliners als Centerspieler mit dem Namen „Shirolakuro“ auf. Bild-Zoom Foto: Jan Huebner (Jan Huebner)
Daniel Ragusa tritt im Onlineteam der Skyliners als Centerspieler mit dem Namen „Shirolakuro“ auf.

Was provisorisch wirkt in diesem Moment, als Ragusa in der Geschäftsstelle im Nordwestzentrum auf einen kleinen Bildschirm auf einem Beistellschrank blickt, könnte der Anfang einer neuen Epoche sein. Die e-Sport-Szene wächst weltweit seit Jahren rasant und lockt bei Turnieren mitunter Zehntausende Zuschauer in die Hallen – speziell in Asien. Erste Profis sollen Millionengagen verdient haben. Nach Einschätzung von Experten wird die Zahl der Spieler weltweit bis 2020 von derzeit rund zwei Milliarden auf dann etwa drei Milliarden ansteigen.

„Computerspiele werden auf lange Sicht die mit Abstand größte Entertainment-Form der Welt – und e-Sport damit die größte Sportart des Planeten“, sagt Ralf Reichert, der Geschäftsführer der Electronic Sports League (ESL), der weltweit führenden Plattform für Computerspiel-Meisterschaften.

Kein Wunder, dass immer mehr Sportarten und traditionelle Vereine auf den Markt drängen. Denn hier lassen sich vor allem junge Leute erreichen. Im Fußball haben unter anderen die Bundesligisten Schalke 04, VfL Wolfsburg und RB Leipzig eigene e-Sport-Teams gegründet, international sind Clubs wie Manchester City, Paris Saint German und Besiktas Istanbul dabei. Sie treten im Videospiel Fifa an, das auf diversen Konsolen und auf dem PC gespielt werden kann.

Im Basketball kommt der Markt langsam ins Rollen. Der Frankfurter Bundesligist ist der Vorreiter in Deutschland. Er tritt unter dem Namen „Fraport Skyliners e-Sport“ auf der Sony Playstation 4 im Videospiel „NBA 2K18“ (Modus: ProAm) an. Die Gegner werden per Zufallsgenerator ausgewählt – und zum Start gab es nun zwei Siege. „Wir wollen in die Top 100“, sagt Skyliners-Sprecher Thomas Nawrath. Noch ein weiter Weg.

Denn das Online-Game hat durchaus Parallelen zum „wirklichen“ Basketball. Die fünf Positionen werden von Spielmacher bis Center klassisch besetzt. Das Skyliners-Team wendet im Angriff sogar ein Spielsystem der „echten“ Bundesliga-Mannschaft an. Taktik spielt eine große Rolle. In der Verteidigung wechseln die Frankfurter schon zwischen Zonen- und Manndeckung. Das haben sich die e-Sportler im Training angeeignet.

Der Frankfurt Kader besteht aktuell aus neun Spielern. Der Jüngste ist 23 Jahre alt, der älteste Mitte 30. Sie alle spielen privat auch „richtigen“ Basketball. Zu einer Profikarriere hat es jedoch nicht gereicht. Nun greifen sie im Videospiel an und haben sich dort einen eigenen virtuellen Spieler („Avatar“) erschaffen. Körperliche Merkmale wie Größe, Gewicht und Haarfarbe sind frei wählbar. Ragusa, im wirklichen Leben 1,75 Meter groß, tritt im E-Sport-Team als 2,21 Meter langer Center auf. Dominik „NoXiousForLiFe“ Beckhaus hat sich eine Körpergröße von 1,94 Meter verpasst – er ist der Spielmacher.

Speziell in Asien füllen e-Sport-Turniere große Hallen
Fachverband gegründet Der DOSB rätselt: Ist e-Sport tatsächlich Sport?

Am Sonntag hat sich in Frankfurt der e-Sport-Bund Deutschland gegründet. Der ESBD hofft auf eine baldige Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Doch der deutsche Dachverband ist noch uneins, wie er verfahren soll.

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Durch Training besser

Auf den Trikots der Frankfurter steht nicht nur der Original-Vereinsname, sondern auch echte Sponsoren. Alles soll so real wie möglich aussehen. Auf dem Hallenboden steht „Fraport Arena“ – fast wie in der echten Halle in Unterliederbach.

Wenn das Spiel läuft, werden die fünf Skyliners-Avatare auf dem Feld demnach von fünf Menschen wie Ragusa und Beckhaus gesteuert. Sie müssen nicht alle im selben Raum sitzen. Bei der Eröffnung waren nur Ragusa sowie Destiny „Bigeazy1312“ J. Bazemore in die Geschäftsstelle gekommen. Die restlichen Akteure loggten sich über das Internet in das Spiel ein – von zu Hause, oder wo auch immer sie sich gerade befanden. Benötigt wird nur eine Playstation, WLAN und ein Monitor. Über ein Headset kommunizierten sie miteinander – und lobten sich nach guten Würfen.

Wer in dem Onlinegame ganz neu anfängt, hat als Spieler zunächst kein hohes Leistungsniveau. Das erste Spiel-Level ist die Amateur-Division. Durch viel Training wird der Avatar besser. Es folgt die Pro-Kategorie und an der Spitze das Elite-Level mit den Leistungsstufen 1 (niedrigste) bis 7 (höchste). Die Skyliners schwanken derzeit bei Elite zwischen 1 und 2.

Bei Heimspielen der „echten“ Bundesliga-Mannschaft soll es künftig für Zuschauer Gelegenheit geben, an Gaming-Stationen gegen Ragusa und Co. anzutreten. Das e-Team, das sich privat schon länger kennt, war von den Skyliners „gecastet“ worden. Ragusa und Co. wurden durch freundschaftliche Beziehungen ausgewählt. Wer weiß, wohin sie die Reise noch führen wird.

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