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Tour de France: Peter Sagan rammt Mark Cavendish ins Krankenhaus

Von Radsport-Rüpel Peter Sagan bat nach seiner brutalen Attacke demütig um Entschuldigung, doch die Jury kannte keine Gnade. Um 18.58 Uhr schloss die Rennleitung den slowakischen Weltmeister von der 104. Tour de France aus – die Höchststrafe für einen ekligen Ellbogen-Rammstoß gegen den Briten Mark Cavendish im Massensprint von Vittel.
Hier rammt Peter Sagan seinen Kollegen Mark Cavendish (links) kurz vor dem Ziel in die Bande. Foto: JEFF PACHOUD (AFP) Hier rammt Peter Sagan seinen Kollegen Mark Cavendish (links) kurz vor dem Ziel in die Bande.
Vittel. 

Die Tour de France 2017 hat ihren Skandal. Nein, kein Doping, sondern grob unsportliches Verhalten führten zum Ausschluss des Doppelweltmeisters Peter Sagan. Ab 18:55 Uhr mussten alle Artikel über des Chaos-Finale der vierten Etappe in Vittel neu geschrieben werden. Da verkündete Medien-Direktor Philippe Marien im Sudre im Salle de Presse die Entscheidung der UCI-Jury gemäß der Regularien des Radsport-Weltverbandes. Sagan hatte mit einem Ellenbogen-Check Mark Cavendish gegen die Bande gerammt und schwer zu Fall gebracht. „Wir haben uns entschieden, Peter Sagan von der Tour de France 2017 zu disqualifizieren. Er hat auf den letzten Metern des Sprints Kollegen ernsthaft gefährdet“, teilte Marien mit.

Aldag legte Protest ein

Zunächst war der schillernde Kapitän des deutschen Teams BORA-hansgrohe vom zweiten Platz hinter dem französischen Meister Meister Arnoud Demare mit 30 Sekunden bestraft und auf den 115. Platz versetzt worden. Außerdem wurden dem Slowaken in der Grüne-Trikot-Wertung 80 Punkten abgezogen. Alexander Kristoff, der Sieger des Rennens am 1. Mai in Frankfurt, und Andre Greipel rückten auf den zweiten und dritten Platz auf.

Nur unter Schmerzen erreicht John Degenkolb das Ziel. Bild-Zoom Foto: Vincent Kalut (imago sportfotodienst)
Nur unter Schmerzen erreicht John Degenkolb das Ziel.

Rolf Aldag aber, dem sportlichen Leiter des südafrikanischen Teams Dimension Data, war diese Maßnahme noch nicht genug. Er sprach von einer „klaren Tätlichkeit“ gegen seinen Sprintstar und hatte bei der Jury Sagans Ausschluss beantragt. Und diesem Antrag wurde stattgegeben. Was für ein Keulenschlag für das deutsche Team BORA-hansgrohe, das am Vortag noch euphorisch seinen ersten Tour-Etappensieg dank der Willens- und Spurtkraft seines Superstars gefeiert hatte.

Sagan entschuldigte sich zwar später: „Ich habe nicht bemerkt, dass Mark hinter mir war. Er raste sehr schnell heran. Ich hatte keine Zeit, nach links zu ziehen und auszuweichen. Es tut mir leid.“ André Greipel nahm die Entschuldigung allerdings nicht an, sondern empörte sich über Sagans rüde Fahrweise. „Er hätte mich zum zweiten Mal fast umgebracht. Da fährt ein Typ im Weltmeister-Trikot, der meint, er könne sich alles erlauben.“

Opfer der Sagan-Attacke wurde auch John Degenkolb. Frisch geduscht, aber mit gequältem Lächeln stieg er aus dem schwarzen Bus seines Teams Trek-Segafredo. „Ich muss zum Röntgen“, teilte er nach seinem Horror-Crash dem wartenden deutschen Medien-Pulk mit. Aber der Oberurseler ist Profi genug, dennoch kurz zu schildern, was etwa 150 Meter vor dem Ziel passiert war. Ein Chaos-Sprint. Wie es ihm gehe? „Ja, den Umständen entsprechend“, sagte Degenkolb. „Ich bin ziemlich schwer gefallen. Ich habe nur noch gesehen, wie Cav (Cavendish) vor mir lag und ich versuchte, noch irgendwie über ihn zu kommen. Ich bin auch gesprungen, was mir eigentlich auch gelungen ist. Die Landung war dann nicht so glimpflich. Ich bin auf dem Vorderrad gelandet und dann über den Lenker gestürzt. Das war das Problem. Jetzt muss ich zum Check-up.“

Der harte Hund

Es sah schon schlimm aus, wie Degenkolb vor Schmerzen gekrümmt an der Bande lag. Aber der harte Hund – man denke nur an seinen schrecklichen Trainingsunfall zu Beginn der letzten Saison – stand allein wieder auf, rollte mit schmerzverzerrtem Gesicht und aufgescheuerter rechter Körperhälfte übers Ziel und zum Mannschaftsbus. Während Cavendish mit Verdacht auf Schulterbruch ins Krankenhaus gebracht wurde, ergab die Röntgenuntersuchung bei Degenkolb kein negatives Bild. „Es ist zum Glück nichts gebrochen“, berichtete Degenkolb, „ich probiere es morgen, dann schauen wir weiter. Aber es kommen jetzt harte Tage.“ Auf seine Hilfe wird der Kapitän Alberto Contador heute bei der ersten Bergankunft in den Vogesen verzichten müssen.

Beim ersten Massensturz hinter der 2000-Meter-Marke erwischte es auch Geraint Thomas, der aber dennoch das Gelbe Trikot behielt.

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