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Steueraffäre Uli Hoeneß: Pro und contra Uli Hoeneß

Die Steueraffäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist Gesprächsthema Nummer eins. Die NNP hat gestern einige Fußball- und Finanzexperten aus der Regionnach ihrer Meinung dazu gefragt.
Uli Hoeneß hat Medien mit juristischen Schritten gedroht. Foto: dpa Uli Hoeneß hat Medien mit juristischen Schritten gedroht. Foto: dpa
Limburg-Weilburg. 

Michael Stefovic, Vorsitzender des Bayern-München-Fanclubs „Bayern Kings“ Selters, war zwar nach eigenem Bekunden erstaunt, als er von der Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten erfuhr. „Im zweiten Step aber sehe ich diese Angelegenheit als sein Privatding an, das er selbst aus dem Weg räumen muss. Mit dem sportlichen Bereich beim FC Bayern hat das nichts zu tun. Daher interessiert mich diese Sache auch wirklich nicht so sehr, zumal ich noch keine Meldung gelesen habe, nach der die Gelder aus seiner Metzgerei oder gar von Bayern München kommen.“ Stefovic interessiert in erster Linie der Verein. „Jede Firma wäre froh, solch einen Manager zu haben.“ Einen Rücktritt als Bayern-Präsident empfiehlt Stefovic Hoeneß auf keinen Fall. „Diese Privatsache und seine Tätigkeit beim FC Bayern sind zwei verschiedene paar Stiefel. Ein Rücktritt wäre sehr schade. Was Uli Hoeneß in den vergangenen 40 Jahren für diesen Verein geleistet hat, wird nie wieder jemand leisten.“

Der Vorsitzende des Sportkreises Limburg-Weilburg und Referent für Sportstättenbau im Hessischen Innenministerium, Hermann Klaus, reagierte gegenüber der NNP mit drei Worten auf die Veröffentlichungen: „Verblüfft, enttäuscht, fassungslos.“ Da es sich in dieser Angelegenheit aber um ein schwebendes Verfahren handele, wolle er Uli Hoeneß auch nicht vorverurteilen. „Ob er Präsident des FC Bayern München bleiben soll, das muss seine alleinige Entscheidung sein. Ich gehe davon aus, dass er sich dazu in seiner gewohnt direkten Art äußern wird. Viele, die nun rufen, ’Kreuzigt ihn’, haben sich zuvor in seinem Umfeld gesonnt, und möglicherweise hat der eine oder andere aus diesem Kreis auch nicht alles korrekt versteuert.“

 

Brutalst möglich aufklären

 

Der Limburger Vermögensverwalter Max Stillger, als Fußball- wie Finanzexperte in der Region ein Begriff, äußert sich vorsichtig zu der Affäre. „Das ist ein schwebendes Verfahren. Es ist zu früh, um ein Urteil zu fällen. Denn wir kennen ja noch gar nicht die Dimensionen, um die es geht“, sagt der Fußballfan, der Hoeneß auch schon persönlich getroffen hat. „Er war immer ein absolutes Vorbild für mich und eine der fähigsten Manager in der deutschen Wirtschaft.“ In dessen Haut möchte er aber derzeit nicht stecken. „Hoeneß hat immer ohne Ende ausgeteilt. Jetzt muss er auch einstecken können“, sagt Stillger. Von einer Vorverurteilung der Fußball-Ikone hält Stillger allerdings nichts. Und man dürfe nicht vergessen, für wie viel Steueraufkommen Hoeneß bereits gesorgt und wie viel er in der Vergangenheit gespendet habe. Trotzdem ist Stillger klar: „Das ,Denkmal Hoeneß‘ hat Kratzer abbekommen. Ob der Sockel umstürzt, werden wir erst noch sehen.“ Stillgers Rat an den Bayern-Boss: „Brutalst mögliche Aufklärung!“

 

Unverzeihlich

 

Der Limburger Rechtsanwalt Dr. Peter Rosbach ist Experte in Sachen Steuerrecht. Da er den Fall Hoeneß nur aus den Medien kennt, möchte er ihn nicht beurteilen. Merkwürdig findet er jedoch, dass es bei dem Bayern-Präsidenten nach der Selbstanzeige eine Hausdurchsuchung gegeben haben soll. „Das kann einerseits heißen, dass die Staatsanwaltschaft der Selbstanzeige nicht ganz traut“, erklärt Rosbach. „Andererseits könnte es sich um eine Alibi-Untersuchung handeln, um jeden weiteren Vorwurf zu entkräften.“ Für Rosbach zeigt sich hier einmal mehr „die ganze Facette der menschlichen Psyche“. „Ich finde das sehr enttäuschend“, sagt der Jurist. Steuererziehung sei gerade für einen Moralapostel wie Hoeneß unverzeihlich. „Wenn er glaubwürdig bleiben will, muss er zurücktreten.“

Dirk Martin, Unternehmer aus Bad Camberg und großer Bayern-München-Fan, besucht heute Abend das Champions-League-Halbfinale in der Allianz-Arena. „Vielleicht sollte ich zu Uli Hoeneß gehen und ihn nach seinem Konzept zur Steueroptimierung fragen“, meint er scherzhaft. Eigentlich ist Martin aber gar nicht zum Lachen zumute.

 

Sein Lebenswerk ist mehr

 

„Ich habe Uli Hoeneß immer bewundert, weil er Klartext geredet hat“, sagt der Chef der „pmcs.helpline“-Software-Gruppe. „Aber als moralische Instanz wird er künftig nicht mehr auftreten können.“ Denn für den Bad Camberger ist klar: „Wenn Hoeneß massiv gegen die Steuerehrlichkeit verstoßen hat, dann wird sein Image stark leiden. Dennoch hält Martin Rücktrittsforderungen gegen den Bayern-Präsidenten für überzogen. „Hoeneß hat einen Fehler gemacht. Aber daran kann man nicht sein gesamtes Lebenswerk festmachen.“

Dem Präsidenten des Fußball-Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar, Rainer Druck, tut Uli Hoeneß sogar leid. „Ich schätze ihn sehr, zudem gibt es viele Hoeneß’ - wenn Sie wissen, was ich meine“, so Druck. Von einem Rücktritt als Präsident des FC Bayern München geht sein Amtskollege aus der Fürstenstadt nicht aus. „Dafür ist er in diesem Verein zu wichtig. Die Zeit heilt alle Wunden, auch in diesem Fall.“

(jk,jub)
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