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Doping-Skandal: Russland ist bei Olympia 2018 der Höchststrafe entgangen

Der frühere russische Sportminister Witali Mutko wird für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen.
Die Sportgroßmacht Russland bröckelt – bei den Spielen in Pyeongchang soll sie kaum in Erscheinung treten. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Die Sportgroßmacht Russland bröckelt – bei den Spielen in Pyeongchang soll sie kaum in Erscheinung treten.
Lausanne. 

Allen Betrügereien zum Trotz ist Russland ein historischer Komplett-Ausschluss für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang erspart geblieben. Stattdessen darf die Sportgroßmacht unbelastete Athleten unter neutraler Flagge in Südkorea an den Start schicken. Das entschied die 14-köpfige Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter Vorsitz von Präsident Thomas Bach am Dienstag auf der mit Spannung erwarteten Sitzung in Lausanne und verzichtete damit 66 Tage vor dem Beginn der Spiele in Südkorea auf die Höchststrafe für Russland im Zuge des ungeheuerlichen Dopingskandals von Sotschi 2014. In weiteren Maßnahmen wurde das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) für die Winterspiele gesperrt. In Südkorea dürfen damit nur unbelastete russische Athleten „unter strikten Konditionen“ teilnehmen. Sie werden unter olympischer Flagge starten.

Nur unter olympischem Bann: Witali Mutko. Bild-Zoom Foto: Pavel Golovkin (AP)
Nur unter olympischem Bann: Witali Mutko.

Der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fußball-Verbandes und WM-Organisationschef ist, wurde als eine Schlüsselfigur im Doping-Skandal für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen. ROC-Präsident Alexander Schukow wurde zudem als IOC-Mitglied suspendiert.

Alfons Hörmann sprach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes nach der IOC-Entscheidung von einem „historischen Tag für den Weltsport und den deutschen Sport“. Ähnlich sah es Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur: „Die Entscheidung stellt einen Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe dar: Doping wird nicht toleriert.“

Wut und Enttäuschung herrschte dagegen in Russland. „Diese Entscheidung kann und sollte man anfechten, denn sie bestimmt über das Schicksal einer ganzen Generation von Sportlern und Trainern“, sagte Curling-Verbandschef Dmitri Swischtschew. Die staatlichen Fernsehsender in Russland wollen die Winterspiele nicht übertragen.

Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können. Trotz der erdrückenden Beweislage konnten sich Bach, der als Freund von Russlands Staatschef Wladimir Putin gilt, und seine Kollegen nicht zu einem Komplett-Ausschluss durchringen. Schon vor den Sommerspielen in Rio hatte das IOC – im Gegensatz zum Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) – Russland von einer drastischen Strafe verschont. Damals hatte das IOC die Verantwortung auf die Verbände übertragen, die eine Einzelfallprüfung der jeweiligen Sportler durchführen sollten. Viele Verbände waren damit überfordert und ließen die Athleten en bloc starten. IOC-Präsident Bach muss sich seitdem immer wieder anhören, er persönlich habe nicht genug Härte gegen Russland gezeigt.

Nun also die etwas verschärfte Maßnahme des IOC, russische Athleten nur unter neutraler Flagge starten zu lassen. „Alle sauberen Athleten werden unter streng definierten Bedingungen teilnehmen dürfen. Sie können in Pyeongchang eine Brücke bauen“, ergänzte Bach.

Russland leugnet

Putin hatte für diesen Fall vor einigen Wochen von einer Demütigung gesprochen und mit einem Boykott gedroht, in den vergangenen Tagen waren diesbezüglich aber moderatere Töne aus Moskau zu vernehmen. „Wir sind gegen eine Einschränkung der Rechte unserer Sportler“, hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag noch betont. Ein staatlich gelenktes Dopingsystem wurde in Russland aber weiter vehement geleugnet.

Das Nationale Olympische Komitee Russlands wird voraussichtlich am 12. Dezember über eine Reaktion auf die IOC-Entscheidung beraten. Möglich wäre ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof, um die Entscheidung anzufechten. In Sachen Paralympics will das IPC bis zum 22. Dezember eine Entscheidung treffen.

Auslöser des Skandals war der Dopingbetrug der Russen bei den Heim-Winterspielen 2014 in Sotschi. So sollen Manipulationen bei 15 von 33 russischen Medaillengewinnern vertuscht worden sein. Viele Athleten sollen indes vor den Wettkämpfen einen leistungssteigernden Cocktail mit Steroiden und Alkohol erhalten haben.

Der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren hatte im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in zwei Berichten umfangreiches Material gesammelt, die staatlich gesteuerte Manipulationen im russischen Sport belegen. Mehr als 1000 Athleten sollen zwischen 2011 und 2015 davon profitiert haben.

IOC-Chef Bach hatte mehrfach eine schonungslose Aufklärung versprochen. Dabei sollten zwei Kommissionen helfen. Unter Leitung des Schweizer IOC-Mitglieds Denis Oswald prüfte eine Expertenrunde inzwischen in 36 Fällen einen Dopingverdacht gegen russische Sportler – auch mit extra entwickelten kriminaltechnischen Methoden. Die Kommission unter Leitung des früheren Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid hatte indes die Aufgabe herauszufinden, wer in dem von McLaren beschriebenen System welche Verantwortung trug.

Vor der entscheidenden Sitzung der IOC-Exekutive waren die Meinungen über die mögliche Strafe weit auseinandergegangen. Während ein Großteil der Anti-Doping-Agenturen einen strikten Komplett-Ausschluss gefordert hatte, waren die Wintersportverbände überwiegend dagegen. Auch, weil unbelastete russische Sportler so in Mithaftung genommen würden.

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