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Fußball: Sanftes Lifting oder Schnitt? - Löw grübelt über die zukünftige Nationalelf

Ohne Mesut Özil und Mario Gomez – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bekommt ein neues Gesicht. Ob es ein sanftes Lifting oder radikaler Schnitt wird, muss Bundestrainer Joachim Löw vor Beginn der Nations League im September entscheiden.
Foto: Christian Charisius (dpa)
Frankfurt. 

Joachim Löw grübelt im stillen Kämmerlein. Noch immer. Die Aufarbeitung der desaströsen Fußball-Weltmeisterschaft in Russland dauert an – aber so langsam drängt die Zeit für den Bundestrainer. Nach dem großen Knall um Mesut Özil und dem unaufgeregten Abgang von Mario Gomez am Sonntag (wir berichteten) gilt es für Löw, weitere knifflige Personalfragen zu klären. Wie geht es beispielsweise mit Mittelfeldspieler Sami Khedira weiter?

Schon in einem Monat, am 6. September, beginnt die Zukunft des gestürzten Weltmeisters Deutschland. Wenn Löw dem DFB-Team vor Beginn der Nations League und dem Duell mit dem neuen Champion Frankreich in München auch personell ein deutlich verändertes Gesicht verpassen will, ist der 58-Jährige wohl selbst zu harten Entscheidung gezwungen. Die ganz große Rücktrittswelle dürfte ausbleiben.

Neues Anforderungsprofil

Löw hat bislang nur allgemein von „tiefgehenden Maßnahmen“ und „klaren Veränderungen“ gesprochen, die er beim viermaligen Weltmeister ergreifen wird. Sein Kapitän Manuel präzisierte am Sonntagabend das künftige Anforderungsprofil für die Profis. „Die Spieler müssen das Herz wirklich auf dem Platz lassen, das muss man in Zukunft sehen“, sagte der Kapitän nach dem 1:0-Erfolg des FC Bayern München im Testspiel gegen Manchester United. Ob Löw für einen neuen Teamspirit weitere Profis aussortiert, ist aber noch völlig offen. „Die Verantwortlichen werden sich Gedanken machen, wer die richtigen Spieler für die Zukunft sind“, sagte Neuer.

Von den verbliebenen 21 Akteuren des WM-Kaders sind nur zwei Spieler über 30 Jahre alt. Neben Neuer (32), der das Team weiter anführen will, ist Khedira (31) der Senior der Mannschaft. Der Profi von Juventus Turin hat sich seit der demütigenden 0:2-Niederlage gegen Südkorea am 27. Juni noch nicht entscheidend zu seiner DFB-Zukunft geäußert. „Es ist nicht so, dass nach zwei Spielen plötzlich alles schlecht ist“, hatte Khedira am Tag nach dem Turnier-K.o. gesagt.

Der Bundestrainer steht ohne Frage vor schwierigen Entscheidungen, Franz Beckenbauer kennt das als ehemaliger Teamchef der Nationalmannschaft. Die Verdienste der Vergangenheit dürften nun kein Kriterium mehr sein, meint der 72-Jährige. „Löw muss bei der Nominierung hart sein, Dankbarkeit bringt ihn nicht weiter“, sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung: „Jogi wird einiges verändern müssen, nachdem ihm erfahrene Spieler den Einsatz verweigerten.“

Zu den erfahrenen Spielern zählen auch langjährige Säulen wie Mats Hummels (29), Jerome Boateng (29), Thomas Müller (28) und Toni Kroos (28). Allesamt sind sie jung und leistungsstark genug, um in Topform noch mindestens die Europameisterschaft 2020 in den Fokus zu nehmen – das gilt aber auch für Khedira.

Daher sind auch die aufstrebenden Kräfte wie Leroy Sane, Serge Gnabry, Julian Brandt oder Niklas Süle gefordert, den Druck auf die Etablierten weiter zu erhöhen.

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