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Ironman: Seriensiegerin Daniela Ryf aus der Schweiz dominiert die EM in Frankfurt

Von Dass Daniela Ryf bei den Frauen gewann überraschte nicht. Die dreimalige Hawaii-Championesse beherrscht die Ironman-Szene seit Jahren. In ihrem Windschatten zeigte die deutsche Debütantin Anne Haug gestern nach viel Pech zum Rennstart enorme Kämpferqualitäten.
Daniela Ryf beim Marathon entlang des Mains Bilder > Foto: Patrick Scheiber (imago sportfotodienst) Daniela Ryf beim Marathon entlang des Mains
Frankfurt. 

Keine Schwächen? Daniela Ryf muss lächeln. Natürlich sei auch sie nicht perfekt. Doch wo sind ihre Fehler? Ihre Schwächen? Im weltweiten Sport gibt es nur wenige Beispiele, die mit dem Werdegang der Triathletin Schritt halten können. Seit sie sich im Jahr 2014 entschieden hat, auf die Langdistanz zu wechseln, dominiert sie diese Disziplin auf beeindruckende Weise. Von 13 absolvierten Rennen über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,195 Kilometer Laufen gewann die Schweizerin lediglich zwei nicht: 2014 wurde sie bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii Zweite, und 2016 in Frankfurt unterlief ihr ein taktischer Fehler. Sie trug beim Schwimmen im Langener Waldsee keinen Neoprenanzug und musste nach 30 Kilometern auf dem Rad unterkühlt aufgeben.

Dieses seltene Missgeschick machte die 31-Jährige gestern auf ihre Art wett. Ryf siegte bei der Europameisterschaft in Frankfurt in 8:38:44 Stunden – mit 26:35 (!) Minuten Vorsprung auf die erste Verfolgerin. Ihr elfter Sieg im 13. Rennen – und zweiter in Frankfurt nach 2015. Am 13. Oktober wird sie sich wohl auf Hawaii ihren vierten WM-Titel in Folge holen, daran zweifelt kaum jemand. „Es war ein unglaublicher Tag“, sagte Daniela Ryf, die schon wenige Minuten nach dem Zieleinlauf wieder erstaunlich erholt aussah. Sie schien die Begeisterung der Zuschauer entlang des Mains beim Marathon sogar etwas genießen zu können. „Die Leute haben meinen Namen geschrien. Es hat einfach Spaß gemacht, geil“, sagte Ryf. Fast hätte sie im Überschwang der Gefühle sogar etwas überpaced. „Ich war auf der letzten Laufrunde über dem Limit und musste büßen.“ Doch freilich kam die Seriensiegerin nicht wirklich aus dem Tritt.

„Siebte“ bei den Männern

Wer sie noch überbieten soll? Wohl nur ein Mann. Deswegen orientiert sich Ryf zunehmend am vermeintlich stärkeren Geschlecht. Es ist ihr Ansporn, den Abstand zu ihnen zu verkürzen. Und das gelingt immer besser. Gestern wäre sie in Frankfurt mit ihrer Endzeit im Männer-Feld auf Platz sieben gelandet. 2016 hatte sie im fränkischen Roth schon einmal in 8:22:04 Stunden gewonnen – der drittbesten jemals erzielten Frauen-Zeit. Die Weltbestzeit von 8:18:13 der Britin Chrissie Wellington, die ihre Karriere 2012 beendet hat, ist ihr nächstes Ziel. Gut möglich, dass Daniela Ryf diese Bestmarke bald knacken wird. Denn sie befindet sich im besten Alter für diesen Sport. Und kündigte gestern an: „Ich möchte noch einige Jahre vorne mitmischen.“

Etwas traurig wird die Seriensiegerin lediglich darüber sein, dass es auch zahlenmäßig so wenige Konkurrentinnen gibt. Auf lediglich rund 15 Prozent wird der Anteil an den weltweiten Ironman-Profi-Sportlerinnen geschätzt. Immerhin kam gestern eine weitere hinzu. Anne Haug landete bei ihrer Premiere über die Langdistanz auf dem achtbaren vierten Platz. Erst vor einem Jahr war die zweimalige Olympia-Teilnehmerin (2012, 2016) auf die Mitteldistanz gewechselt.

Platter Reifen bei Haug

Und wer weiß, was für die 35-Jährige gestern möglich gewesen wäre, hätte sie nicht zu Beginn der Radstrecke einen platten Hinterreifen bekommen. Haug verlor rund zehn Minuten Zeit, musste den Schlauch wechseln. Im Gegensatz zum reinen Profiradsport können die Triathleten nicht auf einen eigenen Begleitwagen mit Ersatzrädern und Technikern zurückgreifen, die Defekte in Windeseile beheben. Sie führen daher Ersatzschläuche und Werkzeug mit sich – verstaut in einer kleinen Box am Radrahmen.

Nachdem Haug diesen Schrecken hinter sich gebracht hatte, arbeitete sich die Bayreutherin Zug um Zug nach vorne. Beim Marathon winkte ihr sogar Platz drei, als vor ihr die Australierin Sarah Crowley auftauchte. „Ich dachte in dem Moment, ich schaffe es noch aufs Podium“, meinte Haug. Doch dann kam der körperliche Einbruch. „Bei Kilometer 35 dachte ich dann plötzlich, mich haut’s um“, so Haug. Sie musste anhalten, ging Schritttempo, trank ausgiebig an einer Verpflegungsstelle – und quälte sich ins Ziel. „Ich bin froh, es geschafft zu haben und total zufrieden. Es war eine große Ehre für mich, mich mit den Besten der Welt zu messen. Ich habe gesehen, es gibt noch viel zu tun für mich.“ Bei der WM auf Hawaii wird sie wieder auf Daniela Ryf treffen – und dann vielleicht schon weniger Rückstand haben als 35:22 Minuten.

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