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Leichtathletik: Siebenkämpferin Carolin Schäfer will nach WM-Silber weiter hoch hinaus

Von Mit ihrem Erfolg von London krönte die 25-Jährige auch dank mentaler Stärke eine Saison unter schwierigen Bedingungen.
Endlich auch bei den Erwachsenen oben angekommen: Siebenkämpferin Carolin Schäfer nach ihrem Medaillengewinn von London. Foto: Bernd Thissen (dpa) Endlich auch bei den Erwachsenen oben angekommen: Siebenkämpferin Carolin Schäfer nach ihrem Medaillengewinn von London.
Frankfurt. 

Kurz nach ihrer Rückkehr aus London hatte Carolin Schäfer erst einmal die Tür hinter sich zugemacht. Vier Tage lang Abstand bekommen von dem Rummel, der da auf sie eingestürzt war, die Zeit im eigenen Heim genießen. Danach ging der Medien-Marathon weiter für die Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt. Beschweren will sie sich darüber nicht, „es ist der verdiente Lohn für das, was ich geschafft habe“.

WM-Silber im Siebenkampf, das ist nicht nur ein Ergebnis jahrelanger intensiver Trainingsarbeit, sondern auch zweier Tage, an denen man sich kaum Schwächen erlauben darf. An denen nicht nur der Körper, sondern auch der Geist bis ans Limit gefordert wird. Der erweist sich aus Sicht der 25-Jährigen als ihr vielleicht wichtigster Erfolgsfaktor.

„Der Siebenkampf lebt von der Erfahrung“, sagt die ehemalige U-20-Welt- und Europameisterin. Mit dem steten Auf und Ab in den einzelnen Disziplinen zurechtzukommen, zu wissen, wie alles am besten funktioniert, das hat sie jetzt zur Genüge lernen können. „Ich bin mental unglaublich stark geworden“, sagt die von einem Heidelberger Psychologen betreute Sportlerin. So gipfelte eine Saison, die von den Begleitumständen weniger optimal lief, als es beim Blick auf die Ergebnisse erscheint, in dem langersehnten Medaillengewinn.

Erfolgreich war die Allrounderin früh gewesen. Doch erst mit dem Edelmetall bei den Erwachsenen fühlt sie sich in der Spitze angekommen, verspürt „eine große Zufriedenheit“. Im Herbst hatte sie angekündigt, endlich den Schritt aufs Podest schaffen zu wollen, nachdem einige der stärksten Konkurrentinnen der Olympiafünften nach den Spielen von Rio ihre Karrieren beendet hatten. Im Winter trainierte Schäfer vor allem im Weitsprung hart dafür, ließ, bis auf die Hessenmeisterschaften, die Hallensaison aus. „Die richtige Entscheidung“, wie sie betont.

Dann traten bei ihrem Trainer Jürgen Sammert gesundheitliche Probleme in den Vordergrund. „Es war nicht klar, ob wir überhaupt zusammen weitermachen können.“ Sammert gab seine zweite Top-Siebenkämpferin Claudia Salman-Rath ab, und Schäfer stellte sich auf die neue Situation ein. Auf Trainingslager im Ausland verzichtete sie, zog sich mit ihrem Coach zur Vorbereitung nach Saarbrücken zurück und bewies so, „dass wir auch in Deutschland gute Trainingsbedingungen haben“.

Bei ihrem fulminanten Auftritt beim Traditionsmeeting in Götzis, wo sie ihre vorherige Bestleistung um 279 Zähler auf 6836 Punkte steigerte, war lediglich Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien stärker als die Deutsche. Die Frau also, die auch bei den Weltmeisterschaften ganz oben stehen sollte. Beide Male führte Schäfer allerdings nach dem ersten Tag, und genau daran will sie ansetzen, wenn es um die Weiterentwicklung geht.

Im Weitsprung und im 800-Meter-Lauf, der fünften und der letzten Disziplin, sieht sie noch „die größten Möglichkeiten“. Dabei gehe es auch darum, das schon einmal Erreichte zu stabilisieren. Mit ihrer Bestleistung aus der Grube von Götzis etwa, den 6,57 Metern, wäre sie in der Olympiastadt von 2012 sogar zu Gold gesprungen.

Doch während Sammert damit hadert, will Schäfer sich mit derartigen Rechenspielen nicht beschäftigen. Die Silbermedaille hat ihr eine Einladung zum Hürdensprint beim Istaf am 27. August in Berlin eingebracht. Dafür versucht sie, neben all den neuen Verpflichtungen wenigstens noch drei Trainingseinheiten in der Woche unterzubringen. Danach sind sechs Wochen Urlaub angesagt, in denen sie endlich mal wieder ein normales Leben führen will – mit längeren Schlafenszeiten und der Möglichkeit, das zu essen, worauf sie gerade Lust hat. Auch die Eltern sollen ihre Tochter mal wieder zu Gesicht bekommen, „mit denen habe ich bisher nur jeden Tag telefoniert“.

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