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Angriffslustig wie eh und je: Siegfried Dietrich, der Frankfurter Frauenfußball-Pionier, wird heute 60

Von 20 nationale und internationale Titel zieren den Briefkopf des 1. FFC Frankfurt: Dietrichs Verdienst.
Siegfried Dietrich. Foto: Christian Klein Siegfried Dietrich.
Frankfurt. 

Von seinen Freunden und Schützlingen wird er geschätzt, von seinen nicht minder zahlreichen Neidern wurde er lange Zeit gehasst. Anerkannt wird seine Arbeit aber von jedem: egal ob Freund oder Feind. Als er in seinem ersten Jahr bei einem Frauenfußballverein von Vermarktung und Professionalität sprach, wurde er von allen Seiten belächelt. Zehn Jahre später lachte niemand mehr. Da machte er aus einem kleinen Frankfurter Verein den erfolgreichsten Frauenfußball-Club Europas: Siegfried Dietrich, der Idealist, Enthusiast, Pionier, Manager, Investor und Vater der Erfolge des 1. FFC Frankfurt, der heute seinen 60. Geburtstag feiert.

Alles begann mit einem Tennis-Match. Auf der einen Seite des Netzes stand Monika Staab aus Dietzenbach, Fußballerin und Trainerin der SG Praunheim – auf der anderen der aus Marburg stammende Sohn des Theologie-Professors Wolfgang Dietrich, der in Frankfurt eine sportphysiotherapeutische Praxis besaß und nebenbei ein bekannter Eiskunstlauf-Promoter war. Es war nur als eine nette Geste gedacht, als der Matchwinner die Gegnerin mit ihrem gesamten Team zu seiner nächsten Eiskunstlauf-Gala in die Frankfurter Eissporthalle einlud. Die Fußballerinnen bestaunten die Grazie von Katarina Witt, die berühmte Pirouette von Denise Biellmann, die spektakulären Sprünge von Norbert Schramm. Als Revanche luden sie Siggi Dietrich zu einem Bundesligaspiel ein. Der Veranstalter und Organisator von 55 TV-Eiskunstlauf-Galas war sofort Feuer und Flamme, sah bei der noch in den Kinderschuhen steckenden Sportart ein großes Vermarktungspotenzial.

Mit der Idee ging er einige Zeit schwanger. Dann nahm er mit seiner 1989 gegründeten Vermarktungsagentur SIDI-Sportmanagement die Herausforderung an. Es dauerte nicht lange und der Golf- und Tennisspieler verfiel dem Frauenfußball mit Haut und (den damals noch reichlich vorhandenen) Haaren.

Als Manager arbeitete er ehrenamtlich. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Als der FFC auf dem Gipfel der Erfolge war, zweimal die Triple Crown (Champions League, Meisterschaft, DFB-Pokal) gewann, gab es deshalb viele Neider: „Ihr habt die Kohle, ihr habt Siggi Dietrich“, lautete der Vorwurf der Bundesliga-Konkurrenz. Die Frage, warum sie nicht selbst ihren „Siggi“ haben, wurde meistens mit dem Hinweis beantwortet, das wäre zu teuer, dafür sei kein Geld da. Das Modell Dietrich sah jedoch vor, dass er sich selbst finanzierte. Der Investor und Pächter der Vermarktungsrechte garantierte dem Verein eine bestimmte Summe pro Jahr. Und die war um ein Vielfaches höher, als das, was den anderen Vereinen ohne einen solch tüchtigen Mann zur Verfügung stand.

Der 1. FFC Frankfurt war über ein Jahrzehnt lang die europäische Top-Adresse im Frauenfußball. Sportlich wie wirtschaftlich. Jahrelang kämpfte Dietrich als Ligasprecher auch für die Steigerung der Qualität der Bundesliga und motivierte Top-Manager wie Uli Hoeneß, sich für den Frauenfußball zu engagieren. „Die Geister, die ich rief“, sagt er heute. Was er einst prophezeite, trat ein. In der Bundesliga herrschen Bayern München und der VfL Wolfsburg, in der Champions League waren im Viertelfinale nur Großvereine des Männerfußballs.

Dieser neue Wettbewerb ist für ihn eine Motivation, um weiter zu machen. In seinem Zweitdomizil am Kap der Guten Hoffnung sammelt er Kraft für den Kampf gegen die übermächtig gewordene Konkurrenz. Müdigkeit und Resignation? Keine Spur. Siggi Dietrich ist auch mit 60 Lenzen auf dem Buckel angriffslustig und voller Ideen wie eh und je.

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