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Deutsche Fußball-Amateurmeisterschaft 1982: SpVgg 05 Bad Homburg: Eine Fingerspitze an der Meisterschale

Am 13. Juni 1992 steht die SpVgg 05 Bad Homburg im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Ein Spieler avanciert beim 2:3 gegen Rotweiß Essen zur tragischen Figur.
Die Mannschaft der Bad Homburger vor dem Finale 1992 mit Kapitän Sven Müller (2. von links). Bilder > Die Mannschaft der Bad Homburger vor dem Finale 1992 mit Kapitän Sven Müller (2. von links).

Ein Endspiel zu erreichen, ist das Größte. Für jeden Verein. Vor allem, wenn es um Titel geht. Gleich vier Mal hat die SpVgg 05 Bad Homburg in ihrer Club-Historie das Finale um die Deutsche Fußball-Amateurmeisterschaft erreicht. Einmal gelang der Coup: 1973 wurde durch ein 1:0 in Offenbach gegen die Amateure des 1. FC Kaiserslautern der Titel geholt. Von den drei Niederlagen in den anderen Finals verlief eine Partie besonders tragisch. Heute vor genau 25 Jahren, am 13. Juni 1992, unterlagen die Bad Homburger bei Rotweiß Essen mit 2:3 nach Verlängerung.

Ein Spieler wäre nach Spielschluss am liebsten im Boden versunken: Björn Pistauer. Der Abwehrspieler, 1990 von Eintracht Frankfurt an die Sandelmühle gewechselt, vertändelte in der 90. Minute beim Stand von 2:1 den Ball. Sein Essener Gegenspieler brachte ihn nach innen, und Oliver Grein erzielte für die Rotweißen den Ausgleich. Die Bad Homburger hatten die Fingerspitzen schon an der Meisterschale gehabt. Nun gab es Verlängerung. Und dort avancierte Pistauer erneut zur tragischen Figur: In der 115. Minuten berührte seine Hand im Strafraum den Ball. Elfmeter. 2:3, Essen war Deutscher Amateurmeister 1992.

Bankett vom DFB

Mittelstürmer Sven Müller, der die Bad Homburger in der 70. Minute nach Flanke von Folker Liebe mit einem Kopfball 2:1 in Führung gebracht hatte, machte weder damals noch heute seinem Mitspieler Pistauer einen Vorwurf: „Björn hatte in den Vormonaten eine Riesen-Saison gespielt und einen großen Beitrag dazu geleistet, dass wir überhaupt so weit gekommen sind. Er hatte einfach einen schwarzen Tag erwischt.“

Zum Spiel in Essen war die Mannschaft von Trainer Jürgen Strack per Bus am Vortag angereist. Auch Bruno Pasqualotto war dabei, 2015 von den Lesern unserer Regionalausgabe Taunus Zeitung (TZ) als Trainer des Jahres (Team United Köppern) gewählt. Auch für den defensiven Mittelfeldspieler war das Spiel und seine Rahmenbedingungen ein Höhepunkt in seiner Karriere. Schon am Vorabend war Pasqualotto beeindruckt. „Es gab ein feierliches Bankett mit der gegnerischen Mannschaft, vom DFB ausgerichtet, in edlem Rahmen. Da haben wir endgültig gespürt, dass das Spiel am nächsten Tag etwas ganz besonderes wird“, erinnert sich Pasqualotto.

Als vor dem Anpfiff eine Bergmannskapelle die Nationalhymne spielte, lief manchem Homburger ein Schauer über den Rücken. Beim Händeschütteln im Anstoßkreis raunte der vom Essener Trainer Jürgen Röber „heiß“ gemachte Mannschaftskapitän Frank Kontny dem 05er-Kapitän Müller zu: „Wir werden Euch überrollen.“

Aber Müller, der später in der Saison 1994/95 die Torjägerkanone der TZ erhielt, konnte sich bald revanchieren: „Schon nach unserem frühen Führungstor durch Thomas Kloss und erst recht nach meinem Treffer zum 2:1 zwinkerte ich Kontny ironisch zu. Der wurde danach kreidebleich.“ Doch dann kam es zum erwähnten unglücklichen Spielverlauf. Kontny tröstete Müller nach der Partie: „Ihr wart die beste Mannschaft, gegen die wir in dieser Saison gespielt haben.“

Treueschwur

Der damalige Mannschaftsbetreuer Michael „Larry“ Schlosser erinnert sich heute noch gut an die anschließenden Minuten nach Spielende in der Kabine: „Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Tränen gesehen. Wie die Niederlage zustande kam, war schwer zu verdauen. Wir haben damals beschlossen, zusammenzuhalten und uns alle zehn Jahre danach zu treffen. Das gilt auch heute noch.“

Zuhause angekommen wurde die Mannschaft vor dem Kurhaus gefeiert wie ein Siegerteam. Zur guten Stimmung trug damals auch das Weinfest bei, das parallel stattfand, so dass Spielern und Anhang gar keine Zeit zum Trauern blieb.

Nicht im Finale dabei war ein wichtiger Leistungsträger aus der abgelaufenen Saison 1991/92: Mittelfeld-Regisseur Harald Gärtner, heute Geschäftsführer des FC Ingolstadt. Er war zu Fortuna Düsseldorf gewechselt und erhielt von seinem neuen Verein, der schon in der Vorbereitungsphase für die neue Saison war, keine Freigabe.

Die Vizemeisterschaft 1992 war dann der letzte große überregionale Erfolg des Bad Homburger Traditionsvereins.

Diese Mannschaft schickte Trainer Jürgen Strack vor 25 Jahren in Essen aufs Feld: Marcus Croonen – Dirk Borkenhagen, Lothar Kall, Klaus Finkbeiner – Thomas Stoll (78. Frank Ziegler), Bruno Pasqualotto (61. Michael Rexroth), Björn Pistauer, Stefan Gorges, Thomas Kloss – Folker Liebe, Sven Müller.

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