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Speedboot nach England-Test - „Feinschliff kommt noch”

Die Erkenntnisse aus dem WM-Test im Wembley halten sich für den Bundestrainer in Grenzen. Für Hektik sieht Löw keinen Grund. Die Grundlagen sind gelegt, den WM-Feinschliff gibt es ohnehin erst im kommenden Jahr. So durften seine Spieler London richtig genießen.
Mats Hummels & Co. machten einen Ausflug auf der Themse. Foto: Christian Charisius Mats Hummels & Co. machten einen Ausflug auf der Themse.
London. 

Erst düsten Mats Hummels und Co. in blauen Speedbooten über die Themse. Dann konnten die Weltmeister aus Gondeln in luftiger Höhe in der frühen Abenddämmerung einen Blick auf London werfen.

An ihrem freien Tag nach dem 0:0 im WM-Testspiel gegen England wurden die deutschen Fußball-Nationalspieler zur Touristengruppe.

Mit Ex-Kollege Per Mertesacker als Reiseleiter ging es vom Teamhotel zu Fuß zur U-Bahn. Am Westminster-Pier startete die rasante Fluss-Tour. Anschließend stand noch eine Fahrt im Riesenrad London Eye auf dem Programm. Auch für einen vielgereisten Profi wie Hummels etwas Besonderes: „Ich war schon hundert Mal hier und habe noch nichts gesehen.”

Im trüben London hatten Mesut Özil und seine Kollegen am Samstag erst einmal ausschlafen dürfen, bevor die Stadterkundung begann. Für eine intensive Aufarbeitung des nüchternen Unentschiedens im jüngsten Prestigeduell mit England sah Bundestrainer Joachim Löw keinen Grund. Die Aussicht vom 135 Meter hohen, verglasten Riesenrad war im Londoner November-Grau schon ein bisschen verschleiert - das trifft auch auf Löws Blick Richtung WM 2018 noch zu.

„Wir haben eine gute Basis, aber sind zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht so eingespielt. Der Feinschliff wird eh gemacht, wenn wir ins Trainingslager gehen”, sagte Löw. Der Chef des anspruchsvollen Vorhabens WM-Titelverteidigung in Russland wirkte völlig kontrolliert. Wirklich große Erkenntnisse im 36. Spiel gegen die erstarkten Three Lions gab es nicht.

„Es lässt mich jetzt emotional nicht hochspringen. Es gab schon Klassiker England gegen Deutschland mit einer ganz anderen Emotion, wenn es um viel ging, mit strittigen Entscheidungen, knappen Ergebnissen”, erklärte Löw zum 0:0 im vorletzten Länderspiel des Jahres 2017. „Es war eine gute Mannschaftsleistung. Mats Hummels war sicher in der Defensive der Stabilisator. Er hat viele Bälle bereinigt. Aber alle haben gut gearbeitet und viel investiert. Natürlich gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.”

Am Dienstag kann sich die deutsche Nationalmannschaft noch einmal mit einem Mitfavoriten um die WM-Krone im kommenden Jahr messen. In Köln kommt es zum Aufeinandertreffen mit den Franzosen, dann wieder in anderer personeller Besetzung. „Letztlich sind das Spiele, in denen wir uns selbst testen müssen”, sagte Rückkehrer Ilkay Gündogan. „Ich möchte einzelne Spieler sehen, wie sie sich auf dem Niveau verhalten. Das sind für mich die wichtigsten Erkenntnisse. Über das Training können wir nicht mehr so viel tun”, bemerkte der Bundestrainer.

Die wichtigsten Fakten des 0:0: Deutschland ist nun schon 20 Spiele seit dem Sommer 2016 ungeschlagen. Manchester-City-Profi Gündogan, den Löw seit Jahren für einen Mann mit riesigen Möglichkeiten hält, hat sich nach einem Jahr der Leiden mit einer guten, wenn auch ausbaufähigen Leistung im DFB-Team zurückgemeldet. Marcel Halstenberg durfte sich für ein durchaus gelungenes Debüt im Adler-Trikot feiern lassen. Und neue taktische Momente haben vor 81 382 Zuschauern im Londoner Fußball-Tempel in Ansätzen auch ganz gut funktioniert.

„Obwohl wir ein bisschen anders gespielt haben, abwartender, hatten wir große Chancen aus dem Konterspiel heraus. Wie es die Mannschaft auch beim Confed Cup gemacht hat”, erklärte Hummels, der als Abwehrchef mit einem sehr guten Spiel und viel Entschlossenheit maßgeblich dazu beitrug, dass England auch nach 42 Jahren auf der Insel die deutsche Elf nicht bezwingen konnte. „Es war einfach ein Austesten von einer leicht anderen Spielweise, die uns gegen gewisse Gegner noch einmal sehr wichtig werden kann”, betonte Hummels.

Persönlich genoss der 28 Jahre alte Münchner die erstmalige Rolle als Ersatzkapitän. „Es war definitiv ein schöner Moment, in Wembley gegen England die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän anzuführen.” Auch der Leipziger Linksverteidiger Halstenberg (26) konnte sich über seine Premiere freuen: „Für den Einstand war es gar nicht schlecht.” Löw befand: „Er hat das ohne Nervosität gemacht, hat sauber hinten rausgespielt. Deswegen war ich absolut zufrieden.” Halstenbergs Position ist vor allem durch den Ausfall des Kölners Jonas Hector die derzeit größte Baustelle.

Den ausgemachten Optimierungsbedarf auch in anderen Bereichen stufte Löw als wenig dramatisch ein. Sieben Monate vor dem WM-Start sieht der DFB-Chefcoach den Weltmeister noch in der Probierphase. „Wir hätten besser agieren können im Umschaltspiel nach vorne. Das ist wichtig, dass wir das einschleifen Richtung WM”, sagte Löw.

(Von Jens Mende und Arne Richter, dpa)
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