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Frankfurter Stabhochspringer: Tim Lobinger ist zurück im Leben

Von Nach fünf Chemotherapien und einer Stammzellen-Transplantation kehrt der dreifache Familienvater Tim Lobinger zunehmend in den Alltag zurück. „Das Leben darf weitergehen“, sagt der ehemalige Weltklasse-Leichtathlet, der einst für die LG Eintracht startete.
Tim Lobinger im Januar 2015, als er den damaligen Zweitligisten RB Leipzig als Athletikcoach im Trainingslager in Katar betreute. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Tim Lobinger im Januar 2015, als er den damaligen Zweitligisten RB Leipzig als Athletikcoach im Trainingslager in Katar betreute.
Frankfurt. 

Im Sport gab es viele harte Jahre. Training, immer wieder Training, bei Wind und Wetter, Rückschläge im Wettkampf, Verletzungen. Und freilich auch große Erfolge. Tim Lobinger hat sich als Weltklasse-Leichtathlet immer durchgebissen. Im Vergleich zu dem, was er in diesem Jahr durchgemacht hat, waren das alles Lappalien. Dass er in wenigen Wochen Weihnachten mit seiner Familie feiern und wieder über die gemeinsame Zukunft sprechen kann, ist mehr als nur ein Geschenk.

Im Mai hatte der ehemalige Stabhochspringer öffentlich gemacht, an Blutkrebs erkrankt zu sein. Fünf Chemotherapien und eine Stammzellen-Transplantation musste er im Sommer über sich ergehen lassen. Der einst so extrovertierte Spitzensportler, der im Jahr 1997 als erster Deutscher die Sechs-Meter-Marke übersprang, lag wochenlang in einem Münchner Krankenhaus auf der Intensivstation.

Lobinger zeigte Willensstärke, wie einst im Sport. Nach sieben Monaten hatte er die Behandlung zu großen Teilen abgeschlossen. Mit Erfolg. Stück für Stück kehrt der 45-Jährige sogar bereits wieder in den Alltag zurück. „Mein Körper hat sich so weit gut erholt, und ich konnte auch schon wieder meine Arbeit als Personal Trainer aufnehmen“, sagte Lobinger der Deutschen Presse-Agentur. Bereits nach seiner Leichtathletik-Karriere hatte er vier Jahre lang als Athletiktrainer im Profifußball bei RB Leipzig gearbeitet. 2016 kehrte er aus privaten Gründen mit seiner Familie nach München zurück. Dort spezialisierte er sich als Fitness-Coach für Spitzensportler.

Keine Prognose

Die wiedergewonnene Gesundheit ist freilich viel mehr wert als jede sportliche Medaille. Viermal nahm er an Olympischen Spielen teil, war über viele Jahre hinweg eine der prägenden Figuren seiner Sportart. Nun weiß er das Leben noch mehr zu schätzen. Mit Prognosen zu seinem Gesundheitsverlauf hält der gebürtige Rheinländer, der in der Saison 2002 im Trikot der LG Eintracht Frankfurt die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft gewann, sich noch zurück. Der Weg zur vollständigen Genesung sei noch weit, so Lobinger, da es sich um eine extrem aggressive Form der Leukämie handele.

In seiner lebensbedrohlichen Zeit im Sommer hatte der dreifache Familienvater Tagebuch geführt, schrieb all seine Ängste, seine Schmerzen und Rückschläge und auch seine Hoffnung auf. Vieles wird in einem Buch stehen, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll.

„Selbst in den schweren Phasen der Therapie habe ich versucht zu trainieren – was nicht einfach war, aber enorm wichtig für Körper und Geist“, erklärte er. Er sei mit völlig neuen Ängsten konfrontiert worden und habe „mit aller Kraft versucht, diese Achterbahnfahrten der Gefühle in Schach zu halten“. Der wohl schönste Moment vollzog sich dann im August, als ein Spender für die Transplantation gefunden wurde.

Schon die Zeit nach der Intensivstation war belebend. „Ich werde nie vergessen, als ich nach wochenlanger Isolation endlich wieder an die frische Luft durfte.“ Dinge wie Grillen im Garten oder das Lachen mit Freunden und Familie seien „das schönste Geschenk“ gewesen. Diese unbeschwerten Zeiten zwischen den Chemotherapien gaben ihm neue Kraft.

Schon wieder Wünsche

Inzwischen hat der neunmalige deutsche Freiluft-Meister schon wieder neue Wünsche – neben seiner Gesundheit. „Ich wünsche mir, als Athletiktrainer wieder vermehrt Aufgaben zu übernehmen, und möchte mich hier weiterhin mit all meiner Erfahrung einbringen“, sagte er und ergänzte: „Wenn’s nach mir geht: Das Leben darf weitergehen.“

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