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Noch viel Zeit an der Platte: Timo Boll sieht sich längst nicht am Ende seiner Karriere angekommen

Von Der Odenwälder hat die körperlichen Probleme von 2016 im Griff und will auch 2020 in Tokio bei den Spielen dabei sein.
Tischtennis-Ass Timo Boll. Foto: Jonas Güttler/Archiv Tischtennis-Ass Timo Boll. Foto: Jonas Güttler/Archiv
Frankfurt. 

Den Terminplan der nächsten Monate hat Timo Boll seiner Frau noch nicht gezeigt: Bundesliga, Champions League, die T 2 Asian-Pacific League, internationale Turniere, Sponsorenevents und die Europameisterschaft in der nächsten Woche in Luxemburg – all das auf einen Schlag zu präsentieren, hat sich der 36-Jährige „nicht getraut“. Noch immer ist der Odenwälder bestens im Tischtennis-Geschäft. „Ich bin zwar nicht mehr Topfavorit bei großen Turnieren“, gibt der frühere Weltranglistenerste bescheiden zu. Doch der Spaß am Spiel ist dem Rekord-Europameister erhalten geblieben, und selbst bei Trainingsduellen „ist mein Ehrgeiz riesengroß“.

Vom Kopf her könnte sich Boll deshalb „noch sehr viele Tischtennis-Lebensjahre“ vorstellen; der Körper muss diese allerdings mitmachen. Deshalb wird er pfleglich behandelt. Belastende Extremschläge versucht der Linkshänder zu vermeiden. Was früher nur „kurz zog und nach fünf Sekunden vergessen war“, könnte nun langwierige Folgen haben. Entsprechend sind derartige Bewegungen schon im Training tabu. Zudem ist Boll mittlerweile Dauer-Patient. „Früher bin ich nur zum Arzt, wenn ein Problem bestand.“ Jetzt lässt er sich jede Woche durchchecken, um sich anbahnenden Verletzungen rechtzeitig entgegenzuwirken.

Die erhöhte Aufmerksamkeit ist auch Resultat der Erlebnisse bei den Olympischen Spielen in Rio. Dort hatte der Hesse ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Erst war er zum Fahnenträger der deutschen Delegation bei der Eröffnungsfeier gekürt worden und erlebte im Maracana ein persönliches Highlight. Dann schied er auf der Jagd nach der langersehnten Einzelmedaille bereits in Runde zwei gegen den Nigerianer Quadri Aruna aus. Und schließlich musste sich Boll im am Ende gewonnenen Match um Mannschaftsbronze mit Schmerzen und steifem Hals durch seine beiden Spiele quälen, weil er einen Bandscheibenvorfall erlitten hatte.

Dass er diesen nicht gleich öffentlich machte, habe daran gelegen, „dass ich nicht wusste, wie lange ich beeinträchtigt sein würde“. Doch es wurde „eine ziemlich heftige Geschichte“, die ihn zwei Monate beschäftigte und bei der Einzel-EM im Oktober eine Fortsetzung erlebte. Im Halbfinale gegen den Franzosen Simon Gauzy bekam der Deutsche „einen leichten Schlag auf die Nerven“. Die Alarmglocken schrillten, Boll gab auf.

Jetzt hat der deutsche Meister die Probleme aber im Griff, sieht sich gut gerüstet für die kommenden Aufgaben. Selbst eine Olympiateilnahme 2020 in Tokio schließt der WM-Dritte von 2011 nicht aus. „Drei bis vier Jahre vor Rio hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich noch acht Jahre weiterspiele.“ Nun glaubt der Weltranglistensechste kaum daran, dass sich so vieles zum Negativen verändern könnte, dass er nicht versuchen wird, zum dann sechsten Mal bei den Spielen dabei zu sein. Vielleicht sind andere, jüngere Spieler spritziger und athletischer als er, doch auch nach einer Knieoperation vor zwei Jahren ist Boll in punkto Schnelligkeit noch konkurrenzfähig, und alles andere lasse sich durch Technik, Taktik und Erfahrung ausgleichen.

Den Neuerungen, die die Szene aktuell bewegen, steht der Routinier aufgeschlossen gegenüber. Dazu gehört die Einführung von Balljungen in der Bundesliga, die die Begegnungen schneller machen sollen und verhindern, dass die Spieler selbst auf der Suche nach den Plastikkugeln abtauchen müssen. Oder das Spielen nach Zeit, das in der T 2-Liga getestet wird und bei dem die Partien nach 24 Minuten unabhängig vom Spielstand beendet werden. „Das ist auf jeden Fall interessant“, findet Boll, verursache jedoch mehr Stress. Jeder Ballwechsel müsse innerhalb von 15 Sekunden eingeleitet werden, „da hat man nicht mehr so viel Zeit, alles noch mal durchzugehen“. Zudem könne man sich nie sicher fühlen, und die Duelle bleiben bis zum Ende spannend.

Während derartige Innovationen wohl erst mal auf einzelne Turniere und Serien beschränkt bleiben, sieht Boll an anderer Stelle schnelleren Handlungsbedarf. Den Weltverbandspräsidenten Thomas Weikert kritisiert er dafür, die Einführung von Schnelltests zum Erkennen manipulierter Schlägerbeläge aus wahltaktischen Gründen hinausgezögert zu haben. Der Limburger weist das zurück. Es habe seinerseits keinerlei taktische Mittel vor der Wahl gegeben, erklärte der Jurist dem Sportinformationsdienst. Aber das Thema stehe bei der nächsten Sitzung der Exekutive in diesem Monat auf der Agenda.

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