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Eintracht Frankfurt: Timothy Chandler: Herz ist Trumpf

Von Er galt als Verkaufskandidat, gegen die Bayern war er eine Führungskraft: Chandler geht bei der Eintracht als gutes Beispiel voran. Auch wenn nicht alles wie geplant läuft.
Vor lauter Freude völlig abgehoben: Timothy Chandler Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Vor lauter Freude völlig abgehoben: Timothy Chandler
Frankfurt. 

Marco Fabián grinste sich eins. „Das war ein super Pass von Timmy“, sagte er augenzwinkernd über die Entstehung seines kuriosen Volltreffers ins Frankfurter Glück. Der so Gelobte indes unternahm erst gar keine Anstalten, seinen Beitrag dazu als gezielte Planung zu verkaufen. „Wenn ich ehrlich bin, war es ein Schussversuch“, räumte Timothy Chandler lachend ein. Mit einem kleinen Wackler hatte er David Alaba ins Leere laufen lassen, der Abschluss mit links aber war ihm verunglückt – und doch genau richtig, weil die abgerutschte Kugel Fabian an der Brust traf und von dort ins nahe Tor prallte. Und das Betonoval im Stadtwald explodierte, wie eine Viertelstunde später noch einmal, als dieses 2:2 dann der überraschende Endstand gegen den großen FC Bayern war.

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„Das war das beste Spiel, das ich gegen die Bayern gemacht habe“, urteilte Chandler hinterher selbst. „Der Punkt ist vollkommen verdient. Es wäre sogar mehr drin gewesen.“ Kaum glauben konnte er, wie gewaltig seine Eintracht die Münchner Übermacht ins Wanken gebracht hatten. „Wir haben nicht nur hinten drin gestanden, sondern auch versucht, Fußball zu spielen“, nannte er einen Grund für das Unentschieden, das wie ein Sieg gefeiert wurde – und das so viel schöner war als das ermauerte 0:0 vor knapp einem Jahr. Unterschiede in fußballerischer Klasse machten die Frankfurter mit Mut und Leidenschaft, Kampf- und Willenskraft wett. Herz war Trumpf, und Chandler lieferte die besten Beispielbilder dafür.

Wie in der 85. Minute, als er mit letzter Kraft noch einmal die Außenlinie entlangmarschierte. Verfolgt vom blutjungen Bayern-Berserker Renato Sanches – und am Ende schmerzhaft abgeräumt, wie zu erwarten. Aber es gab einen Freistoß, und es waren wieder ein paar Sekunden gewonnen. Der Antritt war typisch für Chandler und zumindest an diesem Samstag auch für die ganze Eintracht, als Ausdruck eines Glaubens an das vermeintlich Unmögliche und des Willens, dafür wirklich alles in die Waagschale zu werfen.

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Chandler traf mutig aus der Luft den Pfosten, schlug die meisten Flanken, bereitete damit zwei beste Chancen vor. Und kochte nebenbei in seiner eigentlichen Hauptaufgabe als Rechtsverteidiger alle daherkommenden Bayern-Stars ab. Nur einmal, nach zehn Minuten, war ihm Alaba entwischt und hatte die Vorlage zum 0:1 geliefert. Alaba stand dabei vielleicht eine Zehenspitze im Abseits – aber auch das glich sich aus, weil Fabián vor dem 2:2 noch einen Hauch weiter in der eigentlich verboteten Zone stand.

Mit Fabián und Chandler hatte das starke Kollektiv zwei Führungskräfte, die vor der Saison nicht in der ersten Reihe standen. „Sie haben das außerordentlich gut gemacht“, lobte Trainer Niko Kovac. US-Nationalspieler Chandler, der als gebürtiger Frankfurter dank seines Vaters für dessen Heimat auflaufen darf, galt gar als Verkaufskandidat, empfahl sich aber in der Vorbereitung als Notnagel im Abwehrzentrum. Und seit der Verletzung Guillermo Varelas am zweiten Spieltag ist er rechts hinten wieder gesetzt.

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„Man sieht, was für ein Potenzial er hat, wenn er fit. Er hat endlich einmal eine ganze Vorbereitung mitmachen können“, erklärte Sportdirektor Bruno Hübner. Fit genug, um diese Märsche abzuliefern, die zum Markenzeichen des 26-Jährigen werden. Gegen die Bayern gehörte noch mehr Angriffslust bei ihm auch zum System: Bei Ballbesitz sollte die Fünferkette aufgelöst werden, die Außenverteidiger in einer 3-4-3-Ordnung vorrücken. „Ich hatte viel Platz“, berichtete Chandler. Er nutzte ihn – und freute sich, „dass es noch mit einem Assist geklappt hat“. Dass das nicht ganz so wie geplant lief, war dann völlig egal.

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