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Beim Radrennen Eschborn-Frankfurt: Tony Martin kehrt an den Ort seiner Jugend zurück

Von Seine gesamte Familie lebt noch im Main-Taunus-Kreis. Eltern und Bruder werden am Montag wieder am Streckenrand stehen, um den siebenfachen Zeitfahr-Weltmeister beim Traditionsrennen Eschborn-Frankfurt anzufeuern.
Tony Martin nach dem obligatorischen Einschreiben in die Startunterlagen vor einem Radrennen Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Tony Martin nach dem obligatorischen Einschreiben in die Startunterlagen vor einem Radrennen
Frankfurt. 

Tony Martin hat schon viel gesehen von dieser Welt. Wohnorte in der DDR, in Deutschland und der Schweiz. Dazu die vielen Reisen als Radprofi. Wenn der 32-Jährige über seine Heimat spricht, denkt er vor allem an eine Region in Hessen: den Main-Taunus-Kreis. Dort wuchs er auf, dort wohnt noch heute seine Familie: Die Mutter in Niederhöchstadt und der getrennt lebende Vater in Schwalbach. Zudem leitet Bruder Paul in Sulzbach eine Internet-Firma (Vertical). „Meine Beziehung zum ganzen Rhein-Main-Gebiet ist noch sehr eng. Ich kenne dort viele Leute“, sagt der siebenfache Zeitfahr-Weltmeister, der seit 2010 in Mannenbach in der Schweiz wohnt.

Seine prägendsten Jahre dürfte der gebürtige Cottbuser hier verbracht haben. 1989 floh er mit seinen Eltern und seinem Bruder noch vor der Maueröffnung aus der DDR. Sie landeten in einem Auffanglager für Flüchtlinge in Schwalbach. „Dort bekamen wir eine Übergangswohnung, eine Art Erstbleibe“, sagt Martin, damals vier Jahre alt. Wenig später zog er mit der Familie ins benachbarte Niederhöchstadt und blieb dort zwölf Jahre lang wohnen. In dieser Zeit begann er seine bemerkenswerte Radsport-Karriere. „Mein erster Verein war 1999 der RV Sossenheim“, erinnert sich Martin. Sein erster Club-Chef war somit Hermann Moos, zugleich Mitgründer des Rad-Klassikers am 1. Mai. Kein Wunder, dass Tony Martin dort auf Anhieb mitfuhr und noch heute eine enge Verbindung zu dem Traditionsrennen verspürt. Bei der 56. Auflage am kommenden Montag wird er wieder von vielen Freunden an der Strecke angefeuert werden, darunter freilich seine Eltern und sein Bruder. Schon der Start in Eschborn hat für Tony Martin eine besondere Bedeutung. Dort lernte er Ende der 90er seine Lebenspartnerin kennen.

Längst ist Tony Martin zum erfolgreichsten deutschen Zeitfahrer der Historie aufgestiegen. Einzel-Weltmeister 2011, 2012, 2013 und 2016, zudem Mannschafts-Weltmeister 2012, 2013 und 2016 mit dem Team Quick Step. Und Olympiazweiter 2012. Einzigartig.

Helferdienste für Kristoff?

Im Gegensatz zu den meisten anderen Straßenradprofis hat er zu Hause ein Zeitfahr-Rennrad stehen. Entsprechend oft trainiert er auf der Straße in dieser Sitzposition. „Das ist eine sehr spezielle Position. Je mehr man trainiert, desto besser kann man das adaptieren.“

Tony Martin ist zwar ein Zeitfahr-Spezialist. Er hat aber auch bei Eintagesrennen schon bemerkenswerte Erfolge erzielt. Meist durch spektakuläre Solofahrten. Unter anderem gewann er fünf Etappen bei der Tour de France und zwei bei der Spanien-Rundfahrt.

Ein Sieg in der alten Heimat in Frankfurt wäre freilich die Erfüllung eines Traums. Doch Martin, am vergangenen Sonntag 32 Jahre alt geworden, bleibt realistisch. Der anspruchsvolle Kurs durch den Taunus und das starke Fahrerfeld mit Klassiker-Spezialisten wie Peter Sagan (Slowakei), Alexander Kristoff (Norwegen) und John Degenkolb (Oberursel) machen ihn zum Außenseiter. „Der Kurs gibt zwar alles her. Es kann eine Ausreißergruppe ankommen wie 2012, als ich Vierter wurde. Aber ob es für mich diesmal persönlich zutreffen wird, weiß ich nicht.“ Martin hat auch deshalb keine allzu großen Erwartungen, weil er es seit dem Rennen Paris-Roubaix (9. April) etwas ruhiger angehen lässt und sich vom anstrengenden Frühjahr erholt.

Raus aus dem Radsport?

„Ich bin nicht auf dem Formhöhepunkt und Realist, dass es nicht mit einer Solo-Fahrt ins Ziel in Frankfurt reichen wird.“ Daher wird er wohl von seinem neuen Team Katusha-Alpecin die Order erhalten, seinen Kapitän Kristoff zu unterstützen. Der sprintstarke Norweger gewann in Frankfurt 2014 und 2016 und hat in diesem Jahr bereits vier Etappensiege eingefahren. Ganz verstecken will sich Martin freilich nicht. Sollte sich eine Chance auf einen Fluchtversuch ergeben, „werde ich versuchen, sie zu nutzen“. Vieles hängt von der Team-Taktik ab, die am Vorabend besprochen wird. „Ich will auf jeden Fall ein aktives Rennen fahren.“

Und dem Radsport noch längere Zeit erhalten bleiben. „Noch ein paar Jahre möchte ich Rennen fahren.“ Pläne für die Zeit nach der Karriere hat der bodenständige Wahl-Schweizer noch nicht. „Aber ich mache mir schon ab und zu Gedanken und halte Augen und Ohren offen. Ich bin absolut offen. Vielleicht gehe ich auch raus aus ganzem Radsport-Zirkus.“ Denn irgendwann sei es genug, „immer aus dem Koffer zu leben“. Die Heimat ruft. Wo immer das sein wird.

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