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China investiert viel: Trainer können riesig verdienen im Reich der Mitte

Vor neun Monaten trat Jamilon Mülders als Coach der deutschen Hockey-Frauen zurück, um die chinesischen Damen zu übernehmen. Mülders ist nur ein Beispiel für deutsche Trainer, die es nach China zieht, wo man bereit ist, viel zu investieren – auch wenn das System fragwürdig erscheint.
Mit den deutschen Hockeydamen holte er Bronze bei Olympia in Rio de Janeiro, jetzt arbeitet er in China: Jamilon Mülders Foto: Axel Heimken (dpa) Mit den deutschen Hockeydamen holte er Bronze bei Olympia in Rio de Janeiro, jetzt arbeitet er in China: Jamilon Mülders
London/Köln. 

Seit neun Monaten ist Jamilon Mülders Trainer der chinesischen Hockey-Frauen – und so gelassen wie nie. „Keiner ist böse, wenn wir schnell nach Hause kommen“, sagte der Coach bei der WM in London. An der Themse ist sein Team chancenlos, der Fokus der chinesischen Offiziellen liegt aber auch vielmehr auf den Asienmeisterschaften ab Mitte August. „Für mich hätte die WM Priorität, aber ich habe da nichts zu melden“, sagte der 42-Jährige.

Dass er das üppige Angebot aus dem Reich der Mitte annahm, hält Mülders nicht davon ab, das chinesische System kritisch zu beäugen und für absolut fragwürdig zu halten. „Die Chinesen machen strategisch einen dramatischen Fehler“, sagte Mülders: „Sie glauben, ihre Disziplin und das Know-how von ausländischen Trainern sei das Erfolgsrezept. Sie sind ausschließlich resultatbezogen.“ Ihnen fehle aber ein langfristiges Handeln, man sei darauf aus, „relativ prinzipienlos“ und „mit der Brechstange kurzfristig gute Ergebnisse erzielen zu wollen“. Mülders ist trotzdem gegangen. Mit dem gesamten deutschen Trainerstab, der mit den deutschen Frauen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro Bronze holte. Alle bekamen einen Dreijahresvertrag. „Die finanziellen Dimensionen hier liegen außerhalb jeglicher Vorstellungskraft“, so Mülders. „So etwas gibt es in Deutschland außerhalb der oberen Fußballklassen nicht.“

Die finanziellen Investitionen in ausländische Trainer betreffen fast alle olympischen Sportarten. Fast zeitgleich mit Mülders übernahm Tim Zühlke im Oktober 2017 die chinesische Bahnrad-Nationalmannschaft. Dafür legte der Erfolgscoach sein Amt als Trainer von Olympiasiegerin Kristina Vogel nieder.

Und auch der ehemalige Bob-Weltmeister Manuel Machata wechselte nach seinem Rücktritt 2015 als Nationaltrainer nach China, um dort die chinesischen Piloten für die Winterspiele 2022 in Peking wettbewerbsfähig machen. Dieter Kollark, der frühere Coach der dreimaligen Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss, führte die Chinesin Gong Lijiao bei der Leichtathletik-WM in London zu Gold.

Auch der ehemalige Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann machte nach seinem Wechsel vom Bundesligisten s.Oliver Würzburg zum chinesischen Erstligisten Sichuan Blue Whales aus Chengdu keinen Hehl aus der pekunären Offenbarung. In einem offenen Brief zum Abschied schrieb der 60-Jährige, dass „finanzielle Gründe eine gewisse Rolle gespielt haben“, wolle er „ehrlicherweise nicht verschweigen“.

Auch ein Bildungsauftrag

Laut Mülders sei die Investition in den Sport das Geld, das in der Bildung eingespart wird: „Wir kommen hier neben der sportlichen Komponente einem knallharten Bildungsauftrag nach. Unter anderem mit der Aufklärung im medizinischen Bereich und der Allgemeinbildung.“ Das China-Abenteuer stellt für alle eine persönliche Herausforderung dar, die sich lohnt – vor allem aber rechnet.

„Würde ich schon nach September nach Deutschland zurückkehren, würde ich mich zunächst zurückziehen können, ohne dass ich aufgrund existenzieller Notwendigkeiten auf Jobsuche gehen müsste“, sagte Mülders. Bei den karussellartigen Personalwechseln im chinesischen System sei eine Auflösung der Verträge der deutschen Staff-Mitglieder bei schlechtem Abschneiden der Asien-Games gar nicht mal abwegig. „Die Chinesen würden es sehr höflich gestalten und uns einfach bitten, nicht wiederzukommen.“

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