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Triathlon: Triathletin Philipp startet in Frankfurt zu ihrem ersten Ironman

Von Die beste deutsche Triathletin auf der Mitteldistanz startet am 8. Juli erstmals bei einem Ironman. Die Grundlagen hat Laura Philipp schon als Jugendliche durch ihren Schulweg gelegt. Ans Limit kam sie bisher noch nicht, sagt ihr Trainer. Wichtig ist für die Vegetarierin auch die Ernährung.
Laura Philipp bei ihrem Sieg beim Halb-Ironman 2017 im österreichischen Kaprun. Foto: Eibner-Pressefoto/JFK (imago sportfotodienst) Laura Philipp bei ihrem Sieg beim Halb-Ironman 2017 im österreichischen Kaprun.
Frankfurt. 

Es war vermutlich gut gemeint. Und doch wird Laura Philipp in diesem Moment ein wenig der Schreck in die Glieder gefahren sein. „Ich habe hervorragende Nachrichten für Laura“, begann Björn Steinmetz: „Der erste Ironman ist mit Abstand der schönste.“ Und dann fügte der Frankfurter Rennchef an: „Das Wunderbare ist: Man weiß nicht, wie es wehtun könnte. Man ahnt es nicht.“

Der ehemalige Ausdauersportler meinte das völlig ernst. So ticken „Eisenmänner“. So müssen sie wohl denken, um die körperliche Tortur durchstehen zu können. Laura Philipp, die bisher lediglich Wettbewerbe auf der halb so langen Mitteldistanz bestritt, saß neben Steinmetz und lächelte bei seiner Aussage etwas gequält. Am 8. Juli wird sie sich bei der Europameisterschaft in Frankfurt erstmals auf die lange Ironman-Distanz wagen. Und der Respekt vor dem Ausdauer-Dreikampf war freilich schon vor den Worten von Steinmetz groß. „Ich bin noch nie 180 Kilometer am Stück Rad gefahren, noch nie einen Marathon gelaufen und noch nie 3,8 Kilometer am Stück geschwommen“, sagte die 31-Jährige.

Mehr trainieren? „Gerne“

Und doch kann es passieren, dass die Heidelbergerin, deren Eltern einst in Frankfurt wohnten, bei ihrem Debüt in vier Wochen weit vorne landen wird. Laura Philipp ist derzeit die beste deutsche Triathletin auf der Mitteldistanz. Dreimal startete sie in diesem Jahr auf der Ironman-Halbdistanz 70.3, dreimal siegte sie: in Marbella, in St. Pölten und am vergangenen Wochenende im Kraichgau. „Ich bin selbst ein wenig überrascht“, meint die Senkrechtstarterin, die im Training bisher bewusst auf ganz lange Distanzen verzichtet hat. „Sonst könnte es sein, dass man sich eine Verletzung zuzieht.“ Dennoch ist sie positiv gestimmt und vertraut „unserem Weg. Wenngleich es natürlich im Rennen viele Unbekannte geben wird.“ Das betont auch Steinmetz. „Sie weiß nicht, was mit ihr bei Kilometer 160 auf dem Rad passiert oder beim Marathon“, sagt der Managing Director Ironman Europe, ehe er doch noch wirklich aufmunternde Worte für die Debütantin parat hat: „Laura hat es drauf.“

In der Tat ist Laura Philipp auch bei einem Ironman viel zuzutrauen. Ihr Trainer und Lebensgefährte Philipp Seipp meint sogar, „sie im Training noch nie ans Limit gebracht“ zu haben. „Ich sage ihr immer: Mach mehr. Und sie sagt: Gerne. Sie weiß gar nicht, wie gut sie ist.“ Außerdem sei der Sprung von einem 70.3-Wettbewerb zu einem doppelt so langen Ironman gar nicht so groß wie angenommen.

„Man denkt immer“, sagt der aus Butzbach stammende Seipp, „das ist eine ganz andere Intensität. Aber zwischen Endzeiten von 4:30 und neun Stunden ist gar nicht so ein großer Unterschied.“ Damit meint er speziell den Stoffwechsel im Körper eines Triathleten. „Die Basis, die im Stoffwechsel geschieht, ist sehr ähnlich.“ Die Geschwindigkeit muss freilich etwas gedrosselt werden: Bei einem 70.3-Wettbewerb werden die Disziplinen schneller absolviert, bei einem Ironman geht es um eine „ökonomische Leistung. „Man muss seinen Sweet Spot finden“, sagt Seipp: Jenes Tempo, bei dem man am effektivsten über die Rennzeit agieren kann. „Das findet man durch ein Trainingsgefühl und Diagnostik heraus.“

Schulweg als Grundlage

Laura Philipp ist eine Spätstarterin. 2011 kam sie durch Philipp Seipp zum Triathlon, 2016 wurde sie Profi. Kraulschwimmen hat sie erst vor ein paar Jahren gelernt.

Dort hat sich die 31-Jährige am meisten verbessert. „Ich denke bei allen drei Disziplinen viel an Technik. Beim Schwimmen zum Beispiel daran, die Finger zusammen-zulassen, den Zug bis zum letzten Druck hinten durchzuziehen und nicht hektisch zu werden.“ Wichtig ist für sie auch stets, viele Kohlenhydrate aufzunehmen und gut zu essen. „Ich trainiere mich nie leer.“

Die Basis für ihre gute Kondition hat sie wohl schon als Jugendliche gelegt. Weil sie einen langen Schulweg hatte, zweimal mit dem Bus umsteigen musste „und ein ungeduldiger Mensch bin, bin ich die Strecke mit dem Rad gefahren“. 30 Kilometer hin zur Schule, 30 Kilometer zurück. Jeden Tag. „Da habe ich die Grundlagen geschaffen.“

Als sie dann im vergangenen Jahr bei der 70.3-WM als Dritte erstmals auf dem Podium stand und Monate später auf Hawaii als Zuschauerin den großen Ironman-Klassiker verfolgte, „hat es mich richtig gepackt“. Da war ihr klar, in Frankfurt anzutreten. Dort, wo sie in den vergangenen beiden Jahren zweimal in einer Staffel mitgemacht hatte. „Ich hoffe, die Stimmung treibt mich diesmal genauso an wie damals.“

Frankfurt könnte ein gutes Pflaster für sie sein. Dort gewann sie im März 2017 auch den Halbmarathon gegen die Spezialistinnen in 1:15:51 Stunden. Allerdings wird Laura Philipp am 8. Juli diesen Jahres harte Konkurrenz erwarten. Bei ihrer Ironman-Premiere trifft sie unter anderen auf Titelverteidigerin Sarah Crowley (Australien), Ausnahmeathletin Daniela Ryf (Schweiz) und die zweifache Olympia-Teilnehmerin Anne Haug (Bayreuth), die ebenfalls ihr Ironman-Debüt gibt. „Wenn ich die Namen lese, beschleunigt sich mein Puls. Ich blende das aus. Die Favoritenrollen sind vergeben.“

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