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SV Darmstadt 98: Tristesse am Böllenfalltor: Lilien verlieren auch gegen Regensburg

Von Vereinspräsident Rüdiger Fritsch will am Trainerteam festhalten, aber in der Winterpause „einige Stellschrauben“ prüfen.
Ausgerutscht: Markus Steinhöfer (unten, hier gegen Alexander Nandzik) versinkt nach dem 0:1 gegen Regensburg noch tiefer in der Krise. Foto: Thorsten Wagner (dpa) Ausgerutscht: Markus Steinhöfer (unten, hier gegen Alexander Nandzik) versinkt nach dem 0:1 gegen Regensburg noch tiefer in der Krise.
Darmstadt. 

Diesmal musste das Wetter herhalten. Oder besser das, was es auf dem Platz anrichtete. Denn allmählich gehen den Lilien die Argumente dafür aus, warum es bei ihnen so schlecht läuft. Warum sie seit nunmehr zehn Spielen keinen Sieg mehr erzielt haben. Und warum sie, der Bundesliga-Absteiger mit dem für Zweitliga-Verhältnisse nicht geringen Etat, dem einige den direkten Sprung zurück in die Beletage des Fußballs zugetraut hatten, nach der jüngsten Niederlage, dem 0:1 (0:0) am Sonntag gegen den SSV Jahn Regensburg, sogar auf einem Relegationsplatz Richtung Drittklassigkeit stehen.

Es war ein trostloser Nachmittag am Böllenfalltor. Der dauerrieselnde Schnee hatte den Rasen weiß gefärbt, und vor allem das Heimteam, die Darmstädter, zeigte von Anfang an Respekt vor der Rutschgefahr. Immer wieder sollte der orange Ball von den Füßen gleiten, auf Irrwegen über das Feld fliegen. Denn ein Spiel unter solchen Bedingungen, darin waren sich die Gegner einig, würde viel über hohe Bälle gehen.

Verdiente Niederlage

Doch die Gäste hatten dieses etwas besser im Griff, verdienten sich mehrere Chancen, und Kapitän Marco Grüttner war es schließlich, der die seine in der 52. Minute nach einem Freistoß nutzte und einnetzte, obwohl ansonsten der wieder in seinen Kasten zurückgekehrte Stammkeeper der 98er, Daniel Heuer Fernandes, Sicherheit gab. Die Mannschaft von Trainer Torsten Frings hatte dem vor 14 650 Zuschauern, von denen hörbar viele am langjährigen Treueschwur gegenüber den Lilien offenbar nicht mehr festhalten, zu wenig entgegenzusetzen. Das musste auch der enttäuschte Coach später einräumen. „Man kann in den letzten Minuten sicher mehr erwarten“, erklärte der 41-Jährige. Und bei der entscheidenden Standardsituation habe seine Mannschaft „wieder mal geschlafen“. So sei der Sieg des SSV „verdient“. Die Lilien, bei denen sich Jan Rosenthal am Morgen krank gemeldet hatte, stehen mal wieder mit leeren Händen da.

Doch während der frühere Frankfurter Markus Steinhöfer, der diesmal den Vorzug vor Weltmeister Kevin Großkreutz bekam, fast ein wenig verzweifelt in der Mixed Zone um Erklärungen für das erneute Versagen rang und darauf verwies, dass man zehn Minuten nach dem Abpfiff zu einer Analyse noch gar nicht in der Lage sei, betonte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch einmal mehr den Rückhalt, den das Trainerteam in Darmstadt weiter genieße. „Wir haben eine klare Manager-Entscheidung getroffen“, erklärte der Jurist. Diese besage, dass man mit Frings und seinen Kollegen weiter zusammenarbeiten werde. Deshalb „eiere man jetzt nicht wie andere herum“.

Der Coach sei weiter motiviert und habe „nicht innerlich gekündigt“. Die Spieler wollten mit ihm trainieren, und die Frage sei eher, inwiefern die Vorgaben der Übungsleiter umgesetzt würden. Die Winterpause, bis zu der die Lilien noch zwei Auswärtspartien am Freitag in Aue sowie am 17. Dezember in Fürth zu bestreiten haben, werde man aber nutzen, um einige Stellschrauben zu prüfen. Neuzugänge könnten dabei laut Fritsch „ein Thema“ sein.

„Es gibt kein Allheilmittel in so einer Situation“, sagte der Clubchef. Man glaube noch immer daran, dass „wir aus der Nummer herauskommen“. Wie, an dieser Frage nagen Verantwortliche wie Spieler. Denn die Gefahr, in die dritte Liga durchzurutschen, steigt. Und je größer der Druck wird, desto verunsicherter gehen die Lilien zu Werke, verpatzen auch Spielzüge, die eigentlich gekonnt werden sollten.

Auch der gute Auftritt vor zehn Tagen in Berlin, wo lediglich ein Ausrutscher Rosenthals den möglichen Sieg verhinderte und die Art und Weise des Spiels hätte beflügeln können, zeigte keine Nachwirkungen. Vielleicht war es wirklich der Wettergott, der den Willen zur Wende diesmal bremste. Steinhöfer verwies auf die von diesem in Gang gesetzte „Lotterie“, sein Coach betonte die „Zufälle“, die für den Verlauf der Begegnung eine Rolle gespielt hätten. Doch Trainer und Spieler selbst merkten wohl, dass das allein die spielerische Tristesse am Böllenfalltor nicht erklären kann. Und dass auch dieses Argument jetzt aufgebraucht ist.

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