Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Triumph der Leidenschaft

Um halb Fünf am Mittwochmorgen parkte der Mannschaftsbus der Frankfurter Eintracht wieder zu Hause vor der Arena. Müde Helden stiegen aus, verletzt, geschunden, humpelnd, aber glücklich. Kaum ein Jahr nach der Rettung in einer fast unmöglichen Mission haben die Frankfurter Fast-Absteiger ein Traumziel erreicht – und alles dafür in die Waagschale geworfen. „Der Glaube war so stark und die Leidenschaft so groß, dass ich nur stolz sein kann auf meine Spieler“, hatte Niko Kovac ein paar Stunden zuvor gesagt, als der Bus noch vor dem Stadion in Mönchengladbach stand. Er sei dem „lieben Gott dankbar“, dass er ihm dieses Erlebnis gegönnt habe.

Es ist schon eine sagenhafte Entwicklung: Dass Kovacs Team am 27. Mai im Endspiel des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund stehen würde, fast auf den Tag genau zwölf Monate nach dem Relegationsspiel in Nürnberg, mit dem sie sich in einem Nervenspiel die weitere Bundesliga-Zugehörigkeit sicherte, war vor der Saison kaum zu erwarten gewesen. Für Kovac war der Halbfinal-Triumph im Elfmeter-Nervenspiel bei Borussia Mönchengladbach und die Rückkehr in seine Heimatstadt Berlin zum Endspiel ein neuer Meilenstein in seiner noch kurzen Trainerkarriere – und das Erfolgsrezept an einem denkwürdigen Abend, der Stoff für viele größere und kleinere Heldengeschichten bot (lesen Sie dazu auch unten stehenden Artikel) war im Grunde das Gleiche wie im bestandenen Abstiegskampf.

Vor allem war es der pure Wille, der neben dem nötigen Glück beim Elfmeterschießen den Sieg gebracht hat. Die Frankfurter hatten im ausverkauften Borussia-Park eine eindrucksvolle Leistung gezeigt, vor der Pause technisch und taktisch, danach vor allem kämpferisch. Die erste Halbzeit hatte bis zur Nachspielzeit, als Jonas Hofmann der unverdiente Ausgleich für die Borussia gelungen war, ihnen gehört. Nach einer Viertelstunde hätte die Eintracht mehr als nur das Führungstor von Taleb Tawatha verdient gehabt. Doch wie so oft in den vergangenen Wochen wurden einfach zu viele Chancen vergeben.

Am Ende war es dann ein reiner Abnutzungskampf. Als fairer Verlierer gab sich Borussia-Coach Dieter Hecking. „Der Sieg der Eintracht war glücklich, aber sicher nicht unverdient“, sagte er. Im letzten Akt des Dramas wurde das Millionenspiel zu einer Lotterie. Aber die Eintracht behielt vom Elfmeterpunkt die Nerven.

„Die Jungs haben die Bälle da sensationell in alle Richtungen und Höhen reingezimmert“, lobte Sportvorstand Fredi Bobic. Überhaupt hätten sie „einen Pokalfight vom Allerfeinsten abgeliefert.“ Und das mit letzter Kraft, allen Widrigkeiten zum Trotz – es gab ja nicht nur die vergebenen Chancen und das bittere Gegentor, sondern auch die Verletzungen von Omar Mascarell und Marius Wolf. „Die Mannschaft hat gefightet, wie Adler fighten“, sagte Bobic, „diese Leistung war bei all den Rückschlägen sensationell.“

Am Samstag, während des letztlich dann doch 3:1 gewonnenen Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg, war der Eintracht noch die Verkrampfung und der Frust der Zehn-Spiele-Abwärtsspirale anzumerken. Jetzt ist die Euphorie zurück. „Wir fliegen, fahren, laufen nach Berlin. Die Stadt wird die Eintracht in ihrer besten Form erleben. Einfach schon dabei zu sein und dieses Erlebnis für den gesamten Verein zu haben, das ist einmalig“, jubelte Bobic.

Niko Kovac wiederum wurde von den Fans draußen im Gästeblock noch weit nach Mitternacht begeistert gefordert und gefeiert. „Ich bin einfach nur zufrieden, weil wir den Riesen Eintracht Frankfurt dahin gebracht haben, wo er hingehört“, wählte der Trainer stolze Worte. Und kündigte mutig an: „Jetzt wollen wir alles tun, damit wir den Pott auch in den Händen halten.“

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse