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Fußball-WM-Qualifikation: USA vs. Mexiko: Begegnung im Schatten der Mauer

In den USA wurde ein Mann zum Präsidenten gewählt, der die Grenze zu Mexiko mit einer Mauer abriegeln will. Drei Tage später muss Klinsmanns Nationalelf gegen Mexiko antreten.
Einsatz in amerikanischen Diensten: Timothy Chandler. Foto: Thomas Eisenhuth (dpa) Einsatz in amerikanischen Diensten: Timothy Chandler.
Columbus. 

Geäußert hat er sich dazu nicht. Man kann sich aber gut vorstellen, dass auch Jürgen Klinsmann zu jenen gehört, die sich einen anderen Ausgang der Wahlen in den USA gewünscht hätten. Donald Trumps Tiraden jedenfalls machen ihm das Leben derzeit nicht leichter. Am Freitag, drei Tage nach der Wahl des künftigen US-Präsidenten, trifft er als Nationaltrainer mit seinen US-Fußballern in der WM-Qualifikation auf Mexiko – auf jenes Land, aus dem laut Aussage des bald mächtigsten Mannes der Welt „Kriminelle“ und „Vergewaltiger“ kommen. Und zwei Frankfurter sind mittendrin: Timothy Chandler spielt in amerikanischen Diensten gegen Eintracht-Kumpel Marco Fabian aus Mexiko.

„Es geht um mehr als nur um Fußball“, sagte Klinsmann vor der „einzigartigen“ Partie in Columbus im Bundesstaat Ohio (2.01 Uhr MEZ): „Hier bei uns ist es das Spiel überhaupt. Es sind die beiden Großen, die aufeinandertreffen und um mehr als das Ergebnis spielen.“ Das wäre auch ohne Trump so gewesen. Doch der hatte im Wahlkampf unverblümt gegen den südlichen Nachbarn gehetzt. Sein Plan, eine Hunderte Kilometer lange Grenzmauer auf Kosten der mexikanischen Regierung bauen zu lassen, steht nach wie vor. Der 70-Jährige machte Mexiko zum Symbol für die illegalen Einwanderer in den Vereinigten Staaten.

„Das ist die Politik, hier geht es um Fußball“, sagte US-Torwart Tim Howard, der, wenn er gewählt hätte, „nicht für Trump“ gewesen wäre: „Mexiko wird versuchen, uns in den Hintern zu treten, und wir werden das gleiche bei ihnen versuchen. Das hat mit der Politik nichts zu tun.“ Der Austragungsort Columbus war in Ohio eine der wenigen „Hochburgen“ der Demokraten. Der überwiegende Teil von Ohio ist aber Trump-Land.

„Ich hoffe, unsere Fans machen das, was sie immer tun – uns bestmöglich und mit viel Leidenschaft unterstützen“, sagte der US-Kapitän und frühere Gladbacher Bundesliga-Profi Michael Bradley: „Ich hoffe, sie zollen jedem im Stadion den verdienten Respekt. Egal, ob es Amerikaner, Mexikaner oder neutrale Fans sind. Wir wollen alle ein gutes Spiel zwischen zwei sportlichen Rivalen sehen.“ Auseinandersetzungen hat es bei den Nachbarschaftsduellen immer schon gegeben – ob auf dem Spielfeld oder daneben. Mal störten mexikanische Fans mit Zwischenrufen, wenn „The Star-Spangled Banner“ gespielt wurde, mal hielten US-Zuschauer diskriminierende Schilder in die Höhe. Die gegenseitige Abneigung ist vergleichbar mit der Stimmung bei südamerikanischen Derbys oder europäischen Klassikern. „Es geht immer sehr hitzig zu, aber auch immer respektvoll“, betont Klinsmann indes, der für die Spiele gegen Mexiko und in Costa Rica (15. November) neben Chandler sechs weitere Bundesliga-Legionäre berufen hat: „Das darf man auch nicht ignorieren. In meinen fünf Jahren hier als Trainer ist es nie ausgeartet.“

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Der US-Verband hat freilich nicht ohne Grund Columbus und das nur 20 000 Zuschauer fassende Mapfre Stadium ausgewählt. Dort herrscht, im Gegensatz zu Spielen in Los Angeles, in denen die mexikanischen Fans deutlich in der Mehrzahl waren, eine richtige Heimspielatmosphäre. Die Grenze zum Nachbarland ist etwa 1900 Kilometer weit entfernt, Einwanderer gibt im Bundesstaat Ohio kaum.

Dass die Wahlen in der Umkleidekabine ein Thema waren, hatte Timothy Chandler vorher berichtet, ohne sich zu seinen Vorlieben äußern zu wollen. Christian Pulisic macht sich darum und auch um die Folgen weniger Gedanken. Der US-Jungstar von Borussia Dortmund ist eher genervt von dem Thema. „Warum sollte ich wählen? Ich war weder für den einen, noch für den anderen Kandidaten“, sagt der 18-Jährige. Er will lieber auf dem Feld für Furore sorgen. „Ein Spiel kann kaum größer sein als USA gegen Mexiko in Columbus“, schwärmt Pulisic. Ganz unabhängig von Wahlergebnissen oder Mauer-Tiraden. red/dpa/sid

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