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Frankfurt Marathon: Vater Gabius rennt mit Babytee zum Minimalziel

Drei Starts, drei Ankünfte nach weniger als 2:10 Stunden: In Frankfurt läuft’s für Arne Gabius. Bilder > Foto: Thomas Frey (dpa) Drei Starts, drei Ankünfte nach weniger als 2:10 Stunden: In Frankfurt läuft’s für Arne Gabius.
Frankfurt. 

Als Renndirektor muss man flexibel sein. So dient Jo Schindler den Topathleten des Frankfurt Marathons nicht nur als Ansprechpartner, sondern im Bedarfsfall auch als wichtige Stütze. Am Sonntag war es mal wieder so weit. Bei seinem dritten Start am Main und seinem zweiten Comebackversuch nach langer Verletzungspause war der deutsche Rekordhalter Arne Gabius ins Wanken gekommen. Das vom Wind beeinträchtige Rennen durch die Häuserzeilen der Mainstadt und über die lange Gerade auf der Mainzer Landstraße hatte dem 36-Jährigen zugesetzt. Seine Tempomacher waren schon früh, bei Kilometer neun, ausgestiegen. Und als er sein erstes Begehren, seine Bestleistung aus dem Jahr 2015 von 2:08:33 Stunden, schon aus den Augen verloren hatte, da wollte er wenigstens noch sein Minimalziel erreichen: eine Zeit unter 2:10.

Es sollte Gabius gelingen. Er, der seit seinem Debüt 2014 auf der 42,195 Kilometer langen Distanz bislang nur bei seinen Starts in der hessischen Großstadt bis zum Ende gekommen war, beendete seinen Lauf diesmal nach 2:09:59 Stunden – und fiel danach erst mal dem Cheforganisator Schindler in die Arme. „Ich bin sehr erleichtert“, sollte Gabius nach kurzer Erholungszeit ins Fernsehmikrofon sagen.

Turbulente Tage liegen hinter dem Wahl-Stuttgarter. Sein Sohn Frederik Bosse war am Donnerstag ein paar Tage früher als erwartet zur Welt gekommen, die geplante Anreise in die Marathonstadt musste der Vater deshalb verschieben. Seine ursprünglichen Pläne behielt der Perfektionist dennoch im Blick. Dabei hatte er sie beinahe schon vor zwei Monaten aufgeben müssen. Im Trainingslager im August in St. Moritz war die Schambeinentzündung wieder aufgebrochen, die ihn bereits ein Jahr zuvor lange mattgesetzt und das Olympiaticket für die Spiele in Rio gekostet hatte. „Ich war am Boden zerstört und dachte, das Jahr ist gelaufen“, verriet Gabius gestern bei der Pressekonferenz. Doch diesmal war eine Lösung für das Problem schnell parat. Er fand er einen geeigneten Therapeuten und konnte nach nur vier Tagen wieder ins Training einsteigen. Zudem stellte Gabius noch einmal seine Ernährung um. Der studierte Mediziner, der schon zuvor damit begonnen hatte, auf vieles zu verzichten, was ihm offensichtlich nicht gut tut, mutierte nun auch noch zum Teetrinker. Schafgarbe, Kamille, Pfefferminz und abends Babytee für den besseren Schlaf begleiten ihn nun durch seinen sportlichen und spartanischen Alltag. Entsprechend gerüstet und mit vollem Kohlenhydrattank am Start sollte es denn auch nichts ausmachen, dass Gabius einen Getränkestand am Main ausließ. Da war er nach einem Halbmarathon auf Rekordkurs und einer zwischenzeitlichen Krise gerade wieder gut ins Rollen gekommen und wollte sich nicht bremsen.

Als erneut deutscher Meister und Sechster der Gesamtwertung erreichte er schließlich die Festhalle. Damit hätte er auch das Ticket für die Heim-Europameisterschaften im nächsten Jahr in Berlin so gut wie sicher. Doch Gabius will dort lieber auf der Bahn starten, wo er eigentlich herkommt und 2012 über 5000 Meter Silber bei der EM in Helsinki gewann. Die 10 000 Meter, die er diesmal anpeilt, passten ihm auch gut in sein Marathon-Konzept. „Ich muss schneller werden“, erklärt Gabius. Zudem hatte er dem Deutschen Leichtathletik-Verband für den Marathon-Start in der Hauptstadt schon vor längerer Zeit eine Absage erteilt, da er vor allem während seiner verletzungsbedingten Pause dessen Unterstützung vermisste. „Ich mache lieber hier Party mit mehreren tausend Leuten als in Berlin im Schatten zu laufen“, erklärte er und verdeutlichte seine Kritik an der Ungleichbehandlung von Bahnen- und Straßenläufern hierzulande. „Die Leichtathletik kann nur gemeinsam überleben“, eine Separierung sei nicht angebracht.

Den Äthiopier Shura Kitata Tola treibt derweil die Hoffnung, in seiner Heimat Äthiopien ein Held zu werden. In Frankfurt überraschte der 21-Jährige mit seinem Sieg in neuer persönlicher Bestzeit von 2:05:50 Stunden. Mit einem Triumph in Rom hatte der Aufsteiger 2017 schon mal auf sich aufmerksam gemacht und ist sicher, dass er längst noch nicht am Ende seiner Laufbahn ist. Vom Gewinn am Main, so versicherte er, sei er schon vorher überzeugt gewesen.

(kaja)
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