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Gipfeltreffen: Vertreter von DFB und DFL diskutieren in Frankfurt mit Abgesandten der Ultra-Szene

Von Fans machen bundesweit mobil. Abordnungen aus Ultra-Gruppierungen streiten in Frankfurt mit Vertretern des DFB, der DFL und Proficlubs über die Entwicklung und Zukunft des Fußballs und der Fankultur. Doch nicht alle Szenen sind dabei.
Was die Ultras vom DFB halten, zeigten sie auch beim Pokalfinale zwischen Dortmund und der Frankfurter Eintracht in Berlin. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Was die Ultras vom DFB halten, zeigten sie auch beim Pokalfinale zwischen Dortmund und der Frankfurter Eintracht in Berlin.
Frankfurt. 

Es wird heute gewiss kein harmonischer Tag werden in den Räumlichkeiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Nicht nur Herren in dunklen Anzügen werden zugegen sein, sondern auch junge Leute in Schwarz und mit Vereinssymbolen.

Am vergangenen Spieltag war in einigen Stadien – von der Bundesliga bis zu den viertklassigen Regionalligen – auf meterlangen Spruchbändern zu lesen, was die aktive Fanszene nicht nur erhofft, sondern auch erwartet. „09.11.17 – Zeit für Veränderungen“, „09.11.17: Zeit, den Ball in die richtige Richtung zu lenken“. Bei dem Treffen sollen nicht nur Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sondern auch Verantwortliche der Proficlubs anwesend sein. So, wie es laut Angaben aus der aktiven Fanszene bei (Vor-)Treffen in den vergangenen Monaten in Dresden und Erfurt gefordert wurde.

„Es wird interessant sein zu sehen, wie sich Verbände und Vereine verhalten, wenn alle Partner am Tisch sitzen und sich positionieren müssen. Viel zu oft wurde in Hintertürgesprächen der Schwarze Peter gespielt und gerade die nicht anwesende Partei wurde als Feigenblatt missbraucht. (...) Die Zeit der Ausreden ist aber jetzt vorbei“, gab die Dortmunder Ultra-Gruppierung „The Unity“ im Heimspiel am Samstagabend gegen Bayern München per Flyer dazu kund.

Erstes Entgegenkommen hat es seitens des DFB schon gegeben. Im August hatte der mächtige Verband die Verhängung von Kollektivstrafen ausgesetzt – diese Form der Bestrafung wird in der aktiven Fanszenen als größtes Übel angesehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der heute in Frankfurt wieder thematisiert wird, sind diverse Formen der Kommerzialisierung wie die Aufspaltung der Spieltage. Spanien dient als warnendes Beispiel: Die Saisonauftaktrunde wurde auf vier Tage verteilt, keines der zehn Spiele fand zeitgleich statt. Die Eintrittspreise sind in Spanien in die Höhe geschossen, es gibt kaum eine Auswärtsfankultur.

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Sie organisieren nicht nur beeindruckende Choreographien im Stadion oder zündeln mit reichlich Pyrotechnik in der Kurve. Die Ultras Frankfurt (UF) haben auch eine soziale Seite.

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Auch die Öffnung des DFB Richtung China wird angeprangert, ebenso die Eventisierung – wie etwa beim DFB-Pokalfinale zwischen Dortmund und Frankfurt, als die Sängerin Helene Fischer in der Halbzeitpause auftrat und gnadenlos ausgepfiffen wurde. Dauerthema ist zudem der Einsatz von Pyrotechnik. In Österreich ist sie teils legalisiert. In Dänemark hat man Pyrotechnik entwickelt, die nur einen Bruchteil der Hitze von herkömmlichen Produkten entwickelt.

Doch die Gespräche – oder besser Kontroversen – werden sicherlich nicht so ausgehen, wie sich das die Ultra-Gruppierungen vorstellen. „Ich habe das Ziel, deutlich zu machen, dass das Thema mit der chinesischen U20 eine prima Sache ist“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel am Mittwoch auf der Bundeskonferenz der Fanprojekte in Hannover.

In der Rückrunde absolvieren fast alle Clubs der Regionalliga Südwest Testspiele gegen die chinesische U20-Auswahl. Auch der Prozess der Zerstückelung der Spieltage werde wohl kaum zu stoppen sein. „Wir müssen darüber reden: Wollen wir international konkurrenzfähig bleiben oder nicht?“, meinte Grindel dazu.

Auch wegen solcher Aussagen, die Grindel in Hannover nur bestätigte, beteiligen sich nicht alle Fanszenen an dem Treffen. Nach Informationen dieser Zeitung wird die einflussreiche Szene von Eintracht Frankfurt nicht beim „Heimspiel“ im Stadtwald vertreten sein. Hinhaltetaktik wird dem DFB vorgeworfen, grundlegende Veränderungen seien gar nicht vorgesehen. Mit Pyro-Einsatz wie unlängst in Schweinfurt unterstrichen die Ultras Frankfurt, dass sie auf ihre Standpunkte beharren und bewusst auf Konfrontationskurs gehen.

Auch in einschlägigen Fanforen wird das Treffen kontrovers diskutiert. „Es gibt immer wieder Beispiele dafür, dass ein geschlossener Protest negative Entwicklungen aufhalten und rückgängig (machen) kann“, äußert sich ein User auf „faszination-fankurve.de“. Ein anderer meint hingegen: „Ich glaube, wenn diese Gespräche wieder im Sande verlaufen, wird man sich in dieser Generation nicht mehr an einen Tisch setzen! Dann kann es passieren, dass das Wort ,Krieg’ die Situation ganz gut beschreiben wird!“

„Krieg dem DFB“ hatten jedenfalls mehrere hundert Ultras von Dynamo Dresden im Mai beim Auswärtsspiel in Karlsruhe mit einem martialischen Auftritt angekündigt. Es gab in anderen Stadien Solidarisierungen.

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