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Vettel droht Frust statt «Gänsehaut pur»

Mit Monza verbindet Sebastian Vettel ganz besondere Erinnerungen und Erfolge. 2008 gewann er auf dem Hochgeschwindigkeitskurs seinen ersten Grand Prix im unterlegenen Toro Rosso. Er wurde damit jüngster Sieger der Formel-1-Geschichte.
Sebastian Vettel kann derzeit mit den Schnellsten in der Formel 1 nicht mithalten. Foto: Valdrin Xhemaj Sebastian Vettel kann derzeit mit den Schnellsten in der Formel 1 nicht mithalten. Foto: Valdrin Xhemaj
Monza. 

Gänsehaut pur» wie bei seinem historischen Triumph vor sechs Jahren dürfte Sebastian Vettel dieses Mal in Monza kaum erleben. Vielmehr droht dem vierfachen Formel-1-Weltmeister beim Großen Preis von Italien das nächste Frusterlebnis in einer eh schon miserablen Saison.

Die Titelverteidigung hat er längst abgehakt. Selbst ein Sieg scheint für den Red-Bull-Piloten außer Reichweite. Dementsprechend genervt reagiert der einstige Seriensieger auf die für ihn ungewohnte und niederschmetternde Situation. «Man schickt mich an die Front. Aber ich habe das Gefühl, einen Holzknüppel in der Hand zu haben», schimpfte Vettel nach seinem enttäuschenden fünften Platz zuletzt in Belgien.

Bei seiner Presserunde im Autodromo Nazionale di Monza reagierte Vettel mit eineinhalb Wochen Abstand gelassener. «Wenn man das erste halbe Jahr sieht, ist vieles auf meiner Seite schief gelaufen», bilanzierte er am Donnerstag. «Man hätte damit anders umgehen können. Aber ich bin kein nachtragender Mensch.»

Die Red-Bull-Verantwortlichen haben auf das unerwartete Hinterherfahren ihres Stars reagiert. Vettel erhält für das Europafinale auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im Königlichen Park ein neues Chassis für seinen RB10. «Der Wurm war drin, drum haben wir das Chassis gewechselt», sagte der 27-Jährige. Und Teamchef Christian Horner räumte ein: «Eine Menge ist für ihn schief gelaufen.»

Eine Garantie für eine Trendwende ist die neue Karbonkonstruktion aber nicht. Schon beim Europaauftakt in Barcelona hatte Vettel ein anderes Chassis erhalten und in den seither acht Rennen nur einen Podestplatz in Montréal geschafft. Zuvor hatte der Heppenheimer in Malaysia ebenfalls den dritten Rang erreicht.

Unter normalen Umständen ist auf der 5,793 Kilometer langen Powerpiste kein Podestplatz für Vettel drin. Die Mercedes-Antriebe sind gegenüber seinem Renault-Turbo einfach zu dominant. «Wir haben ein, zwei Sachen gefunden, die uns helfen sollten», sagte er dennoch kampfbereit. «Ich hoffe, dass wir hier deutlich konkurrenzfähiger sind. Aber Monza ist nicht unsere Spezialstrecke.»

Nur zweimal auf dem Siegertreppchen, magere 98 Punkte und WM-Position sechs mit praktisch unaufholbaren 122 Zählern Rückstand auf WM-Spitzenreiter Nico Rosberg: Das sind für den erfolgsverwöhnten Vettel inakzeptable Tiefschläge. Besonders schmerzt, dass sein Teamkollege Daniel Ricciardo bereits dreimal gewann, zuletzt zweimal in hintereinander. Dabei galt der australische Aufsteiger nach seiner Beförderung aus dem B-Stall Toro Rosso als keine ernsthafte Bedrohung für Vettel.

Vor dem 13. Saisonlauf hat sogar Rosberg den Gesamtdritten Ricciardo als «ernsthaften Rivalen im Kampf um den Titel» gewürdigt. Zu seinem abgeschlagenen Landsmann Vettel verlor der Mercedes-Pilot im WM-Zusammenhang kein Wort.

Obwohl trotz der Wetterprognosen, die Sonne verheißen, für ihn momentan sportlich alles eher düster aussieht, freut sich Vettel auf Italien. Am Gardasee hatte er als Kind mit den Eltern häufig Urlaub gemacht. «Für mich ist natürlich Monza wegen der Rennstrecke einer der besten Orte hier», sagte der 27-Jährige.

Als Jungspund sorgte Vettel im Autodromo Nazionale di Monza erstmals für Furore. In einem spektakulären Regenrennen krönte er sich 2008 im unterlegenen Toro Rosso mit 21 Jahren und 73 Tagen sensationell zum jüngsten Gewinner der Grand-Prix-Geschichte. «Das Gefühl, erstmals auf dem Podium ganz oben zu stehen, ist unbeschreiblich», erinnerte Vettel an diesen speziellen Moment. Tags zuvor hatte er mit seiner ersten Pole-Position diese Bestmarke in der Qualifikation geholt.

Mit Red Bull triumphierte Vettel zweimal auf dem 5,793 Kilometer langen Kurs: 2011 und 2013. Im Vorjahr war es der zweite Erfolg in einer unglaublichen Serie. Vettel demütigte die damals chancenlose Konkurrenz und gewann die letzten neun Saisonrennen. Zwölf Monate später kann er höchstens in Erinnerungen schwelgen.

(Von Elmar Dreher, dpa)
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