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Pfingst-Reitturnier: Von der Queen nach Wiesbaden: Daniel Deußer hat bewegende Tage hinter sich

Von Den Sieg im Großen Preis in Wiesbaden verpasst der Weltranglisten-Zehnte zwar erneut. Dennoch ist Daniel Deußer aus vielerlei Gründen ein gefragter Mann.
Verpasste den Sieg in seiner Geburtsstadt Wiesbaden  erneut klar: Daniel Deußer. Foto: Stefan Lafrentz (imago sportfotodienst) Verpasste den Sieg in seiner Geburtsstadt Wiesbaden erneut klar: Daniel Deußer.
Wiesbaden. 

Er musste bis zum Schluss zittern, doch dann stand fest: Christian Ahlmann hatte den „Großen Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden“ gewonnen. Der zweimalige Europameister aus Marl setzte sich gestern im zweiten Umlauf auf dem neunjährigen Hengst Clintrexo nach fehlerfreiem Ritt in 45,84 Sekunden durch. Der Lohn für seinen erstmaligen Triumph im Biebricher Schlosspark gegen ein Weltklassefeld: 11 500 Euro, ein Auto im Wert von 38 000 Euro sowie die Führung in der Riders Tour 2018, für die Wiesbaden die dritte Etappe war.

Diese mit 150 000 Euro dotierte Springprüfung war der Höhepunkt des viertägigen 82. Pfingstturniers, das mit insgesamt 66 000 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord verzeichnete. Zweiter wurde der Spanier Sergio Alvarez Moya, der auf Luchino 0,98 Sekunden mehr benötigte.

Weiter auf den ersten Sieg in seiner Geburtsstadt warten muss Lokalmatador Daniel Deußer, dessen Schimmelwallach Cornet einen Sprung verweigerte und dann noch zwei Stangen abwarf. „Ich bin im Schlosspark das erste Mal mit 16 Jahren geritten. Damals allerdings noch nicht beim Pfingstturnier, sondern bei einem kleinen nationalen Turnier. Auch damals nicht siegreich“, erinnert sich der Weltranglistenzehnte, der seine Karriere im nahe gelegenen Kirberg bei Limburg startete. „Ich habe dort auf dem Weg hierher eine Rast eingelegt. Dort leben noch meine Großeltern und mein Onkel Helge, der ebenso wie ich Hessenmeister der Springreiter war. Ich lebe zwar mittlerweile in Belgien, starte hier aber für den RFV Kirberg.“

Wortwechsel mit Queen

Der Familie hatte Daniel Deußer viel zu erzählen. Schließlich widerfuhr ihm eine Woche zuvor etwas, wovon die meisten Sterblichen nur träumen können. Er durfte der Queen die Hand drücken und mit ihr einige Worte wechseln. Elizabeth II persönlich gratulierte Deußer zu seinem Sieg in der Royal Windsor Horse Show. Mit „Equita“ gewann der Hesse das Hauptspringen im Schatten des königlichen Schlosses. „Die Vorbereitung zu der Audienz war aufregend. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll, bekam genaue Anweisungen über die Etikette. Dann verlief alles natürlich wie bei jeder anderen Siegerehrung. Die Queen reichte mir die behandschuhte Hand, die ich schütteln durfte, befragte mich über die Prüfung und das Pferd. Das bleibt ein unvergleichliches Erlebnis“, erzählt Deußer, der überrascht war, wie oft er darauf angesprochen wurde.

Kein Start für Deutschland

Ebenso oft muss der 36 Jahre alte gebürtige Wiesbadener erzählen, warum er und Christian Ahlmann, also die beiden in der Weltrangliste bestplatzierten Deutschen, nicht zum Nationalkader gehören. Der Grund ist ihre Weigerung, die Athletenvereinbarung zu unterzeichnen, was von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) als Bedingung für einen Start in einem Nationenpreis oder bei einem Championat verlangt wird. „Ich tue mich schon lange damit schwer. Jeder Anwalt sagt, dass ich das nicht machen soll. Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Föderation zu 100 Prozent hinter uns Reitern steht, dann würde ich es machen“, sagt Deußer, der betont, dass er gern für Deutschland reiten würde.

„Es geht nicht um die Doping-Kontrollen, es geht ums Prinzip. Früher benötigte man die Unterschrift nur für Championate, da habe ich zwar ungern, aber doch am Ende unterschrieben. Als man mir aber sagte, ich könne ohne meinen Namen unter der Vereinbarung auch keine Nationenpreise reiten, sagte ich Okay. Ich lasse mir nicht vorschreiben, wo ich reiten darf und wo nicht. Und lasse mich nicht zu etwas erpressen, was andere Nationen nicht benötigen.“ Die FN-Offiziellen würden ihn ebenso wie Bundestrainer Otto Becker ständig ansprechen, er solle unterschreiben. „Aber ein Entgegenkommen gibt es nicht. Deshalb reite ich weltweit Große Preise, aber nicht mehr im Team für Deutschland. Und hoffe, dass die FN statt Druck auszuüben, umdenkt und im Sinne der Reiter arbeiten wird.“

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