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Turnen: Von wegen Zitterbalken: Schäfer ist Weltmeisterin

Von Von diesem Ergebnis hatte man beim Deutschen Turner-Bund nicht einmal zu träumen gewagt: Gold und Bronze am Schwebebalken.
Eine Sternstunde für das deutsche Turnen: Pauline Schäfer (Mitte) ist Weltmeisterin am Schwebebalken von Morgan Hurd (USA, links) und ihrer Teamkollegin Tabea Alt. Foto: Paul Chiasson (The Canadian Press) Eine Sternstunde für das deutsche Turnen: Pauline Schäfer (Mitte) ist Weltmeisterin am Schwebebalken von Morgan Hurd (USA, links) und ihrer Teamkollegin Tabea Alt.
Montréal. 

Pauline Schäfer hatte Tränen in den Augen, Tabea Alt schlug fassungslos die Hände vors Gesicht. Im Schwebebalkenfinale der Weltmeisterschaften von Montréal hatten die beiden deutschen Kunstturnerinnen Gold und Bronze geholt. Doch es war nicht die 17-jährige Ludwigsburgerin Alt (13,30 Punkte), die am Ende triumphierte, sondern ihre drei Jahre ältere Teamkollegin aus Chemnitz (13,533). Dazwischen platzierte sich Mehrkampfweltmeisterin Morgan Hurd (USA, 13,40).

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, erklärte die gebürtige Saarländerin Schäfer später. „Das Gefühl ist unbeschreiblich.“ Bundestrainerin Ulla Koch fügte hinzu: „Ich müsste jetzt eigentlich aufhören, denn das ist nicht zu toppen.“ Nie zuvor hatte eine Athletin des Deutschen Turner-Bundes (DTB) eine WM-Goldmedaille an diesem Gerät geholt, das so lange alles andere als ein starkes war für Kochs Riege; zweimal Edelmetall gab es auch vor der Wiedervereinigung noch nie. Alt, die in der Olympiastadt von 1976 sowohl in der Qualifikation wie in der Mehrkampfentscheidung die beste Wertung am Balken erzielt hatte, war denn auch keineswegs enttäuscht. „Ich bin glücklich, dass es so gelaufen ist. Mein Ziel war das Mehrkampffinale, jetzt habe ich sogar eine Medaille.“ Ein paar kleine Wackler hatten edleres Metall verhindert. Doch die Mehrkampfzehnte musste auch als letzte Starterin im Finale ran.

Schäfer, schon vor zwei Jahren bei der WM in Glasgow überraschend zu Bronze balanciert, hatte vor 10 000 begeisterten Zuschauern für den Auftakt sorgen müssen. Der Moment vor dem Sprung auf das Gerät sei wie immer „richtig schlimm“ gewesen. Denn wenn es einmal losgegangen ist, „gibt es kein Zurück, dann muss man durchturnen“. Das gelang der 20-Jährigen bis auf einen kleinen Wackler nahezu perfekt. Dann begann das lange Warten, sah sie, auf einem Stuhl am Rande sitzend, eine Turnerin nach der anderen den nur zehn Zentimeter schmalen Steg betreten und Schwierigkeiten darauf aneinanderreihen. Doch stets, wenn auf der riesigen Leinwand der abgedunkelten Arena die beiden vergleichenden Säulen für die Wertungen angezeigt wurden, blieb die der anderen unter der von Schäfer stehen. Als schließlich auch Tabea Alt nicht an sie herankam, jedoch auf Platz drei im Ranking aufleuchtete, lagen sich die beiden Sportlerinnen lange in den Armen. „Es war wirklich cool, zusammen mit Tabea im Finale gewesen zu sein“, sagte die Siegerin dazu.

Für Schäfer war es ein unerwartet glückliches Ende eines Jahres, das ihr einige Enttäuschungen eingebracht hatte. Bei den Europameisterschaften in Cluj (Rumänien) verpasste sie die Entscheidung an ihrem Paradegerät, bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin ganz knapp den Sieg im Mehrkampf. Danach zwangen Rückenprobleme, die aus einem Sturz resultierten, die Olympiateilnehmerin von Rio dazu, ihr Programm abzuspecken. Zudem durfte sie in Kanada nur an Balken und Boden, aber nicht im Vierkampf ran. Die Sportsoldatin blieb jedoch kämpferisch, ging die Herausforderung laut Koch hochkonzentriert und fokussiert an. Sie wusste, dass sie in punkto Schwierigkeit nicht die wertvollste Darbietung liefern konnte und auf einen sehr sauberen Vortrag setzen musste. Am Ende belohnten die Kampfrichterinnen Schäfer wie schon im Vorkampf mit der höchsten E-Note.

Die anderen deutschen Teilnehmer in den Geräteentscheidungen gingen leer aus. Die Stuttgarterin Elisabeth Seitz (14,766) belegte bereits am Samstag mit einer starken Leistung am Stufenbarren den fünften Platz, der Olympiazweite von London, Marcel Nguyen, beschloss seine Premiere in einem WM-Finale am Barren auf Rang sieben (14,70). „Ich freue mich für Pauline und Tabea“, sagte der frühere Europameister. Schließlich hatte die deutsche Delegation damit Grund für eine fröhliche Feier.

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