Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Schwimmen: Warum Michael Groß kaum noch in einem Schwimmbad anzutreffen ist

Von Der "Albatros" hat neue Interessen gefunden und nur noch wenig Kontakt zu seinen ehemaligen Vereins-Kollegen des EOSC Offenbach. Eine Meinung zur aktuellen Trainings-Debatte im deutschen Schwimmsport hat der dreifache Olympiasieger Michael Groß freilich schon.
Als Inhaber einer Beratungsfirma hält Michael Groß viele Vorträge. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Als Inhaber einer Beratungsfirma hält Michael Groß viele Vorträge.
Frankfurt. 

In einem Schwimmbad war er schon lange nicht mehr. „Etwa anderthalb Jahre ist das her“, sagt Michael Groß trocken. Große Gefühle sprudeln nicht aus ihm heraus. Natürlich mag er Schwimmen weiterhin, wie könnte es anders sein. Nur fliegt der „Albatros“ längst auf andere Interessen. Seine Hobbys? „Fitnessstudio, Mountainbiken, und alles mit einem Brett unter den Füßen.“ Der inzwischen 53-Jährige zählt blitzschnell auf. Heißt: Im Sommer Wakeboarden, im Winter Snowboarden.

26 Jahre nach dem Ende seiner großartigen Schwimmkarriere hat der dreimalige Olympiasieger neue Magien gefunden. „Im Wasser bin ich ja ab und zu auch noch. Zum Beispiel beim Wakeboarden im See.“ Der Sport freilich lässt den ehemaligen Weltrekordler des EOSC Offenbach weiter nicht los.

Den Wettkampf sucht der Familienvater dabei schon lange nicht mehr. Schon gar nicht im Schwimmen. Sogenannte Masters-Wettbewerbe, bei denen ehemalige Aktive im fortgeschrittenen Alter einem Altersklassen-Titel hinterher jagen, reizen ihn nicht. „Das ist eher etwas für die zweite Garde von früher.“ Verständlich. Was soll auch ein fünffacher Weltmeister für einen Reiz daraus ziehen?

Das Schwimmen war einmal sein Leben. Und freilich ist die Liebe für die einst so große Leidenschaft nicht erloschen. Das wird sie wohl nie. Doch auch auf dem Trainingsgelände „seines“ EOSC war er „seit mindestens zehn Jahren nicht mehr“. Und zu seinem früheren Trainer Hartmut Oeleker hat er ebenfalls seit langem keinen Kontakt mehr gehabt. Das letzte Treffen? „Irgendwann bei einem runden Geburtstag“, überlegt Groß. Auch das aktuelle Geschehen der deutschen Schwimmer verfolgt er nur noch am Rande. Der 2,01-Meter-Schlaks sagt ehrlich: „Eigentlich gar nicht.“

Eine Meinung zur umstrittenen Reform von Bundestrainer Henning Lambertz hat Michael Groß freilich dennoch. Er kann es nicht ganz nachvollziehen, dass die Kader-Athleten offenbar das Krafttraining weiter forcieren und gemeinsam in Stützpunkten trainieren sollen. „Letztlich geht es doch um Spaß“, so Groß. „Einen zwanghaften Umzug in einen anderen Ort macht doch kein Athlet mit.“ Man könne den Konkurrenzkampf im Training auch anders steigern. „Es gibt mehr Lösungsmöglichkeiten, als alle in Leistungszentren zu vereinen.“ Er selbst war damals im Training beim EOSC der Schnellste, habe aber dennoch „einen intensiven Wettbewerb“ verspürt. Wichtig sei, das Training variabel zu gestalten, so Groß. Zum Beispiel könne man in einer Trainingsphase, in der auf Kondition Wert gelegt wird, 3000 Meter auf Zeit schwimmen lassen und den Athleten zuvor sagen: Ihr dürft nur einmal von Michael Groß überrundet werden. Im Krafttraining, das schon früher zum Trainingsalltag gehörte, sei er hingegen nicht der Beste beim EOSC gewesen, so Groß. „Meine Schallgrenze beim Bankdrücken waren 120 Kilo.“ Andere wie Club-Kollege Ingo Kreisinger, zu dem er heute noch Kontakt hat, hätten mehr geschafft. Auch beim Beintraining im Wasser, bei dem die Arme in Bauchlage auf einem Schwimmbrett liegen, seien andere schneller gewesen. „Klaus Orth war dort extrem gut“, erinnert sich Groß und sagt zusammengefasst: „Auch ein Olympiasieger kann im Training Wettbewerb haben.“ Was seine Leistung betraf, sei für ihn wichtig gewesen, sich selbst stets zu hinterfragen. „Was muss ich anders machen? Wo kann ich neue Reize setzen? Deshalb war ich vielleicht auch so erfolgreich.“

Firmeninhaber

Schon parallel zum Schwimmen begann er damals das Studium Germanistik, Politik- und Medienwissenschaften und promovierte 1994. Heute leitet er mit seiner Frau Ilona die Beratungsgesellschaft „Groß & Cie.“ in Königstein, hält viele Vorträge, ist Lehrbeauftragter an der „Frankfurt School of Finance & Management“ und Buchautor. Nach wie vor hinterfragt der „Albatros“ sich oft. „Wie ich jetzt arbeite, hätte ich mir vor fünf Jahren nicht vorstellen können.“ Er rät: Immer die Augen offen halten.

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse