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Fußball und das Geld: Wechselhafter Transfersommer: Schwammigkeit ist Programm

Der Fall Neymar und das „Financial Fairplay“, zwei Red-Bull-Clubs mit der Starterlaubnis für Europa: Wie ernst meinen es die Verbände mit ihren Regeln?
Applaus, Applaus: Mit seinem Wechselspiel hat Neymar für einen Geld-Rekord gesorgt. Aber gehört das nicht eigentlich verboten? Foto: Kamil Zihnioglu (AP) Applaus, Applaus: Mit seinem Wechselspiel hat Neymar für einen Geld-Rekord gesorgt. Aber gehört das nicht eigentlich verboten?
Frankfurt. 

Dieser wechselhafte Transfer-Sommer gehört verboten, jedenfalls wenn der Fußball seine eigenen Gesetze befolgen würde. Eigentlich dürfen auch zwei Clubs aus ein und demselben Konzern nicht in einem Europacup-Wettbewerb starten. Und eigentlich ist es auch verboten, dass Investoren oder gar Fonds an Spielertransfers verdienen. All das ist in den Regeln des Weltverbands Fifa oder der europäischen Uefa so festgeschrieben.

Brazil's team player Neymar gestures during a training session at the Gremio team training centre in Porto Alegre, Brazil on August 28, 2017 ahead of their 2018 FIFA Russia World Cup qualifier match against Ecuador on August 31. / AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA
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Warum sich die hohen Herren des FC Barcelona ausgerechnet diese Summe ausgedacht haben? Es passt auf jeden Fall ins Bild, dass die Zahl dieses Sommers auf dem Fußballer-Basar eine Schnapszahl ist: 222.

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Die Realität in diesem Sommer ist kurz vor dem Schließen des Transferfensters am Donnerstag aber: Paris Saint-Germain zahlt für nur einen einzigen Fußballer 222 Millionen Euro. RB Leipzig und RB Salzburg erhalten beide die Erlaubnis für die Champions League. Wie passt das zusammen? Wie lassen sich der Neymar-Transfer nach Paris und das sogenannte „Financial Fairplay“ der Uefa noch vereinbaren? Müssten die Verbände nicht endlich aufhören, „uns und auch die Fans für dumm zu verkaufen?“, wie Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl unlängst wetterte?

Politische Gründe

Der Rechtsanwalt Joachim Rain ist der Transfermarkts-Experte in der Kanzlei des führenden deutschen Sportjuristen Christoph Schickhardt in Ludwigsburg. Er sagt: „Der Neymar-Transfer ist sicher der Fall, bei dem das Financial Fairplay auf den Prüfstand kommt.“ Bei dem sich zeigen wird, wie ernst es die Verbände mit ihren eigenen Regeln meinen. Oder wie einfach es für die Vereine weiterhin sein wird, diese Regeln zu umgehen. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Transfers wie der von Neymar und das Financial Fairplay noch kompatibel sind“, meint Rain. „Das Financial Fairplay verlangt, dass Transferausgaben durch fußball- spezifische Einnahmen gedeckt werden, also durch Transfereinnahmen, Eintrittskarten-Verkäufe, Sponsoren-Verträge et cetera. Deshalb liegt die Vermutung sehr nahe, dass sich ein 222-Millionen-Transfer allein durch solche Einnahmen nicht refinanzieren lässt – selbst wenn man die Vorstellung zugrunde legen sollte, dass ganz Paris auf einmal in Neymar-Trikots zum Preis von 80 Euro pro Stück herumläuft.“

Der Anwalt hält das Financial Fairplay für eine gute Idee, die bislang noch nicht konsequent genug umgesetzt wurde. „Ich denke immer noch, dass es ein ernsthafter Plan war und ist“, sagte Rain. „Aber natürlich ist es für die Uefa aus politischen Gründen schwierig, zu sagen: Wir schmeißen Vereine wie PSG, den AC Mailand oder Manchester City aus dem Europacup. Darunter würden die Attraktivität des Wettbewerbs und am Ende auch der eigene Geldbeutel leiden.“

Immer eine Hintertür

Das große Versäumnis der großen Verbände ist: Sie haben bislang noch keine Regel ohne Hintertür erlassen. Das Financial Fairplay etwa erlaubt es jedem Club, eine Transferausgabe mit der Vertragslaufzeit des Spielers zu verrechnen. In der Pariser Bilanz schlägt der Neymar-Transfer also nicht mit 222 Millionen Euro zu Buche, sondern mit fünfmal 44,4 Millionen auf mehrere Jahre verteilt.

Im Fall der Red-Bull-Clubs aus Leipzig und Salzburg passte vor allem der österreichische Meister so lange seine Strukturen an, bis beide das Startrecht für die Champions League erhielten – wobei Salzburg dann letztlich wie immer in der Qualifikation scheiterte und in die Europa League abstieg. Nach einem Bericht der „Welt“ war am Ende aber vor allem entscheidend, dass die Uefa nur den „übermäßigen“ Einfluss eines Konzerns auf zwei Vereine verbietet. Näher definiert ist der Begriff „übermäßig“ nicht.

Eine solche Schwammigkeit ist bei Fifa und Uefa Programm. Entsprechend lesen sich auch jüngste Aussagen des Uefa-Chefs Aleksander Ceferin. „Wir arbeiten am Financial Fairplay“, sagte der Slowene in einem „Kicker“-Interview und fügte an die Adresse der europäischen Spitzenclubs hinzu: „Ich hoffe, sie haben es gelernt. Wenn nicht, bringen wir es ihnen bei. Damit meine ich nicht nur PSG, sondern alle. Glauben Sie mir: Wir arbeiten daran.“ Nur: Woran die Uefa arbeitet und ob das Financial Fairplay eventuell verschärft wird – dazu sagte Ceferin nichts.

(dpa,red)
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