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Speedskating: Wenn Talent nicht ausreicht

Von Leidenschaft und Trainingsfleiß allein sind bei allem Talent nicht genug, um sportlich erfolgreich zu sein. Oft benötigen Sportler auch finanzielle Unterstützung, erst recht, wenn sie hohe Materialkosten haben. So wie Laethisia Schimek, die zur Weltklasse im Speedskating gehört. Sie hat nach einem neuen Weg gesucht, ihren Sport zu finanzieren.
Speziell die Rollen unter ihren Schuhen kosten viel Geld: Laethisia Schimek. Foto: Uwe Kramer Speziell die Rollen unter ihren Schuhen kosten viel Geld: Laethisia Schimek.
Frankfurt. 

Einmal Silber und viermal Bronze bei Weltmeisterschaften. Sechsmal Gold bei Europameisterschaften. 15 deutsche Titel. Wäre Laethisia Schimek Leichtathletin oder Turnerin – Sportarten, die ihr auch hätten gefallen können – wäre sie ein Sportstar. Doch Laethisia Schimek hat sich eine Sportart ausgesucht, die nicht olympisch ist. Speedskating. Ein Sport, der in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bleibt. Und einer, der in wesentlich geringerem Maße als die olympischen Sportarten von der Leistungssportförderung in Deutschland profitiert. Für Speed-skater heißt das: Die finanzielle Unterstützung vom Deutschen Rollsport- und Inline-Verband ist nicht üppig und Sponsoren sind noch schwerer zu finden als in den olympischen Sportarten. Wer international erfolgreich sein will, muss sehen, wie er sich finanziert.

Ist schon sechsfache Europameisterin und will nun Weltmeisterin werden: Laethisia Schimek. Bild-Zoom
Ist schon sechsfache Europameisterin und will nun Weltmeisterin werden: Laethisia Schimek.

Laethisia Schimek will Weltmeisterin werden. Dafür trainiert die 24-Jährige bis zu drei Mal am Tag, sechs Tage in der Woche. Sie hat sich eine kostenintensive Sportart ausgesucht. Besonders das Material ist teuer. Mit herkömmlichen Inlineskates haben ihre Schuhe nur die vier Rollen gemeinsam. Die Schuhe von Laethisia Schimek werden jede Saison neu gemacht, sind aus Carbon und speziell angepasst. Kosten: 1000 Euro. Dazu kommen Schienen (300 Euro) und das teuerste: die Rollen. Ein Satz – je vier Rollen pro Schuh – kostet 150 Euro. Allein für eine Welt- oder Europameisterschaft mit Vor- und Zwischenläufen benötigt die Sprintspezialistin acht bis zehn Sätze. „Im Sprint ist es besonders wichtig, in jedem Rennen einen neuen Satz Rollen zu haben, da man damit mehr Halt in der Kurve hat“, erklärt sie. Zu den Kosten fürs Material kommen Reisekosten. Rund 700 Euro musste Schimek im vergangenen Jahr allein zahlen, um bei der WM in Nanjing (China) dabei zu sein.

Gut möglich, dass der eigene Anteil im nächsten Jahr etwas geringer ist, weil die Weltmeisterschaft Anfang Juli in Heerde (Niederlande) ist. Aber rund 500 Euro müssen die Sportler erfahrungsgemäß meistens zuschießen. „Und dieses Jahr wird es sicher auch vermehrt Trainingslager geben, weil wir in Heerde vor Ort schon mal trainieren können“, vermutet Schimek. Weitere Kosten garantiert. Und so schön es ist, im Nationaltrikot zu starten: Ihr Sponsor, ein Hersteller von Inlineskates, zahlt nur, wenn sie dessen Schriftzug auch auf dem Trikot tragen kann. Bei Welt- und Europameisterschaften also nicht.

Rund 4000 Euro benötigt Laethisia Schimek, um top vorbereitet bei der WM an den Start gehen und ihre stärksten Konkurrentinnen, die aus Kolumbien, Korea und China kommen, hinter sich lassen zu können. WM-Bronze hat sie auf ihrer Lieblingsstrecke, dem 500-Meter-Sprint im Herbst in China gewonnen. „Ich habe gesehen, dass Gold funktionieren kann“, sagt die Skaterin. Dafür aber muss das Material stimmen und das Training intensiviert werden.

Alleine kann sie das nicht finanzieren. Deswegen geht sie jetzt neue Wege und versucht, übers Internet finanzielle Unterstützung zu finden. Mit Crowdfunding, zu deutsch Gruppenfinanzierung, will sie sich ihren Traum, bei der WM um den Titel zu sprinten, finanzieren. Und das scheint zu funktionieren. Seit ein paar Tagen erst wirbt sie unter www.fairplaid.org für sich. Stand gestern Nachmittag waren von den erhofften 3999 Euro schon 2262 Euro zusammengekommen. „Das hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich bin selbst überrascht“, sagt Schimek. Zwar habe sie über ihre eigenen sozialen Medien sowie im Freundes- und Bekanntenkreis versucht, für die Sache zu werben, die Unsicherheit, wie die Aktion ankommen würde, aber blieb. Zumal jeder Unterstützer seine Summe ab einem Euro aufwärts selbst festlegen kann. Wer möchte, kann einfach nur spenden oder auch mit seiner Spende eine frei wählbare Prämie erhalten. Und wenn bis zum Stichtag die angestrebten 3999 Euro nicht erreicht sind, erhalten die Unterstützer ihre Spende zurück. Sollte die Summe aber zusammenkommen, wäre das ein besonderes Geschenk. Das Projekt endet nämlich am 5. Dezember. Da feiert Laethisia Schimek ihren 25. Geburtstag.

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