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Regionalliga: Wenn der Fußball in den Hintergrund gerät

Die Fußball-Regionalliga Südwest befindet sich noch in der Winterpause. Wie nie zuvor stand das Geschehen auf dem Rasen so sehr im Hintergrund wie in dieser Jahreshälfte. Eine Zwischenbilanz von Stefan Fritschi.
Proteste beim Spiel zwischen Schott Mainz und der chinesischen U 20- Nationalmannschaft sorgten für Aufsehen. Bilder > Foto: Martin Hoffmann (imago sportfotodienst) Proteste beim Spiel zwischen Schott Mainz und der chinesischen U 20- Nationalmannschaft sorgten für Aufsehen.
Frankfurt. 

Es sind zwei Begriffe, die polarisieren oder für Unmut oder gar Wut sorgen: Chinas U 20-Nationalmannschaft und die Aufstiegsregelung zur Dritten Liga. Die Entscheidungsträger vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mussten dabei jede Menge Kritik einstecken.

  Verlierer I Der DFB. Vor gut einem Jahr handelten die obersten Herren aus der Otto-Fleck-Schneise 6 ein Abkommen mit ihren chinesischen Verbandskollegen aus. Dies sah unter anderem vor, dass die U 20-Nationalmannschaft des asiatischen Staates sich mit den Clubs aus der Regionalliga Südwest misst – bei 19 Teams immer gegen das gerade spielfreie. Doch als dieser Deal endlich öffentlich wurde, regte sich – vor allem in der aktiven Fanszene und über sonstige Rivalitäten hinweg – Widerstand. Drei Vereine – TuS Koblenz, Waldhof Mannheim und die Stuttgarter Kickers – sahen letztlich sogar davon ab, gegen den chinesischen Nachwuchs zu spielen. Aufgrund der allgemein kritischen Haltung verkürzte der DFB das Spielprogramm mit den Handelspartner aus Fernost auf die Rückrunde. Nach Fan-Protestaktionen beim ersten Spiel zwischen Schott Mainz und dem Nachwuchsteam aus China setzte der DFB die Fortsetzung der Spiele zunächst ab. Eventuell vor leeren Rängen in Stadien wollte man in 2018 einen Neustart wagen. Doch kurz vor Jahresabschluss beendete der DFB dieses Kapitel – eine schwere Niederlage für den Verband.

  Gewinner I Friedliche, kritische Zuschauer. Sie drapierten lediglich kleine Fahnen an einem Wellenbrecher im Stadion des Aufsteigers aus Mainz. Doch als die Chinesen die Flaggen Tibets sahen, hörten sie zunächst auf Fußball zu spielen – der Protest zeigte erhoffte Wirkung. Eine andere und gewiss auch derbere Form wählten Mannheimer Fans. Unter das Motto „Saufen gegen den DFB“ stellte die aktive Szene des kurpfälzischen Traditionsvereins das Spitzenspiel gegen Saarbrücken. Somit sollte die vom DFB garantierte Einnahme für ein Spiel gegen Chinas U 20 (15 000 Euro), die dem Club entgehen würde, kompensiert werden.

  Verlierer II Der DFB. 1994 führte der Verband wieder die Regionalliga ein. Bis 2000 wurde in vier Staffeln gespielt, bis 2008 in zwei Gruppen und bis 2012 in drei Staffeln – immer stiegen die Meister auf. Mit der Umstellung auf fünf Gruppen und der Installierung von Aufstiegsspielen geriet das System aus den Fugen, seither gleicht der Zugang zur Dritten Liga einem Nadelöhr. Wegen des heftiger werdenden Widerstandes modifizierte der DFB beim Bundestag im Dezember die Aufstiegsregelung. Doch diese ist eine fragwürdige Lösung. Der Sportvorstand des West-Regionalligisten Viktoria Köln, Franz Wunderlich, wählte klare Worte: „Das ist alles einfach nur noch lächerlich und ein großer Witz.“ Die Rückkehr zu drei oder zumindest vier Gruppen ist zwingend, damit wieder jeder Meister aufsteigt!

  Aufstiegsrennen Der 1. FC Saarbrücken (52 Punkte) hat schon einen großen Vorsprung auf die Konkurrenz erspielt. Und die Saarländer traten dabei ziemlich souverän auf: Sie schossen die meisten Tore (56), siegten am häufigsten (16), kassierten nur eine Niederlage und fingen sich die wenigsten Tore ein (15). Dabei hat das Bundesliga-Gründungsmitglied keine echten Heimspiele; wegen des Umbaus des Ludwigsparks wird in der Nachbarstadt Völklingen gekickt. Dafür verfügt Saarbrücken über den höchsten Etat. Hinter dem FCS dürfen sich bis zu sieben Mannschaften noch Chancen auf den zweiten Platz ausrechnen, der zur Teilnahme an den Drittliga-Qualifikationsspielen berechtigt.

Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Kickers Offenbach (42) und Waldhof Mannheim (41) sowie Elversberg (36). Der OFC war glänzend in die Saison gestartet (fünf Siege, ein Unentschieden). Nach dem Aus im Hessenpokal (1:2 beim Ligakonkurrenten TSV Steinbach) folgten Niederlagen gegen die Spitzenteams Mannheim (0:2) und Saarbrücken (1:2). Seitdem ist OFC-Trainer Oliver Reck darum bemüht, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen und Rang zwei zu behaupten.

  Abstiegskampf Drei Mannschaften steigen auf jeden Fall ab, bis zu sechs könnte es erwischen. Der im Insolvenzverfahren steckende KSV Hessen Kassel (10) dürfte es ebenso schwer haben sich zu retten wie die beiden Aufsteiger und reine Amateurclubs Schott Mainz (15) und Röchling Völklingen (17). Vom Gang in die Oberliga sind auch zwei ehemalige Zweitligisten – TuS Koblenz (17) und FSV Frankfurt (21) – und zwei Ex-Bundesligisten – Stuttgarter Kickers (21) und SSV Ulm (24) – bedroht. Die Lage könnte sich aber noch entschärfen, denn der VfB Stuttgart zieht möglicherweise nach Saisonende seine Zweite Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Der FSV hat nach einem schwachen Start (drei Niederlagen) die Kurve bekommen, auch dank Verstärkungen. Unter dem ruhig arbeitenden Trainer Alexander Conrad ist es den Bornheimern zuzutrauen, dass sie aus eigener Kraft den Klassenerhalt packen. Wenn da nicht die finanziellen Probleme wären . . .

  Zuschauer Auf seine Fans kann sich der OFC verlassen. Mit 6294 haben die Kickers den besten Durchschnittswert. Es folgen mit Mannheim (4960), Saarbrücken (2899), den Stuttgarter Kickers (2599) und Kassel (2124) weitere Traditionsvereine. Der FSV Frankfurt steht auf Platz acht in dieser Tabelle mit 1543 – und senkte damit den Gesamtschnitt von knapp 1800. Je näher die Entscheidungen rücken und auch die Temperaturen nach oben gehen, dürfte das allgemeine Interesse anziehen. Doch zunächst sollte man sich warm anziehen: Die ersten Nachholspiele finden zu Beginn des Februars statt.

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