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Tischtennis: Wenn der Körper mitspielt

Von Der Odenwälder gewann bei den Titelkämpfen in Luxemburg alle Partien. Dabei musste er im Winter lange pausieren.
Kann sich wieder auf den Ball konzentrieren: Patrick Franziska. Foto: Vio Dudau (dpa) Kann sich wieder auf den Ball konzentrieren: Patrick Franziska.
Frankfurt. 

Es war eine seltsame Situation, die Patrick Franziska im vergangenen Winter erlebte. Obwohl der Tischtennisprofi keinerlei Schmerzen verspürte, sollte er pausieren. Dreieinhalb Monate lang riet ihm der Arzt, von der Hüfte abwärts den Körper nicht zu belasten. Höchstens ein Spaziergang ab und an war erlaubt.

Eine schwere Zeit für einen, der ganz nach oben strebt. Der den Ehrgeiz hat, auch die Chinesen in ihrem Nationalsport zu ärgern. Und dem man schon früh ein außergewöhnliches Talent bescheinigte. Doch der 25-Jährige wurde oft von Verletzungen gebremst. Genau das war auch der Grund für die medizinische Empfehlung. Die Oberschenkelprobleme, die dem deutschen Nationalspieler mehrmals zu schaffen machten, sorgten offenbar für eine schlechte Durchblutung des darüber liegenden Gelenks. Die Folge: ein höherer Verschleiß.

Vorbild Boll

Der Sportler, kurz zuvor an der Seite des Dänen Jonathan Groth Europameister im Doppel geworden, akzeptierte die Empfehlung. „Schließlich will ich noch zehn bis 15 Jahre Profisport betreiben.“ So wie Timo Boll. Der mittlerweile 36-Jährige zeigte gerade erst wieder bei den Europameisterschaften in Luxemburg eine beeindruckend starke Leistung und führte sein Team, zu dem auch Franziska gehörte, nach zuletzt zwei Niederlagen zurück zum Titel.

„Timo ist ein Phänomen“, sagt der elf Jahre Jüngere bewundernd. „So einen wie ihn gibt es kein zweites Mal.“ Dabei hatte man ihn selbst früher gerne mit dem Ausnahmekönner verglichen. Der ehemalige hessische Landestrainer Helmut Hampl, der die beim TSV Höchst groß gewordenen Odenwälder entdeckte und lange Jahre betreute, wies jedoch stets auf die Unterschiede zwischen den beiden Talenten hin. Und während Boll mit Anfang 20 die Weltrangliste anführte, schaffte es Franziska in seinem bislang besten Monat auf Platz 28.

Von der Länge her ist er vorbeigezogen, überragt mit seinen 1,90 Meter seine Nationalteamkollegen, ist dadurch aber auch verletzungsanfälliger. In Saarbrücken, wo er seit April eine eigene Wohnung bewohnt, gehört intensive Physiotherapie zu seinem Alltagsprogramm. Doch jetzt, da die im Tischtennis stark belastete Hüfte sich nicht weiter negativ entwickelt, will der auf Rang 53 Zurückgeworfene wieder weiter oben angreifen.

Bei seinen Auftritten in der Hauptstadt des Großherzogtums konnte er dafür deutliche Signale setzen. Viermal ging Franziska für die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) an die Platte, jeweils kam er als Sieger zurück. Gegen Portugal verwandelte er gegen Joao Monteiro den das Finale entscheidenden Matchball und durfte sich dafür feiern lassen.

Großer Konkurrenzkampf

Er sei froh, dass Bundestrainer Jörg Roßkopf ihm so viel Vertrauen geschenkt habe, sagt Franziska. Er war nicht mal sicher gewesen, überhaupt im Nachbarland dabei zu sein. Zwar hatte er im Sommer gut trainiert und seit seiner Rückkehr auf die Wettkampfbühne im Frühjahr auch schon wieder erfolgreich gespielt. Doch der Konkurrenzkampf im eigenen Lager ist groß.

Mit seiner Rolle als Nummer drei hinter dem Weltranglistenvierten Dimitrij Ovtvcharov und Boll kann Franziska sich nicht nur deshalb noch gut abfinden. Zwei derartige Topspieler vor sich zu haben, gibt ihm bei wichtigen Mannschaftswettbewerben zusätzliche Sicherheit. Doch irgendwann will er auf Nummer eins spielen. In seinem aktuellen Club hat er das bereits getan. „Ich übernehme gerne Verantwortung“, sagt Franziska. „Davor habe ich keine Angst.“

Hauptsache, sein Körper hält. „Tischtennis ist athletischer geworden“, die Umstellung auf den Plastikball verlange den Spielern mehr ab. Zudem quillen die Terminkalender der Besten über. So schlug Franziska gestern und nur zwei Tage nach dem EM-Finale schon wieder bei den Austrian Open auf und setzte sich in seiner ersten Gruppenpartie mit 4:1 gegen den Ungarn Krisztian Nagy durch. Eine seltsame Situation war das nicht.

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