Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 9°C

Frankfurt Marathon: Wenn nichts mehr geht – und ein guter Freund aushilft

Von Warum Plastiktüten nach einem Marathon wichtig sein können und was eine Treppe für Probleme verursachen kann.
Alexander Claas (l.) und Johannes Licht auf dem Platz neben der Festhalle, wo alle „Marathonis“ nach dem Zieleinlauf zusammen kommen. Alexander Claas (l.) und Johannes Licht auf dem Platz neben der Festhalle, wo alle „Marathonis“ nach dem Zieleinlauf zusammen kommen.
Frankfurt. 

Die Szene erinnert etwas an eine Ankunftshalle auf dem Flughafen. Dutzende Menschen stehen dicht gedrängt vor mehreren Drehkreuzen und halten Ausschau, was dahinter passiert. Pappschilder mit Vornamen werden hochgereckt. Wo ist der Freund, der Papa, die Tochter, der Opa? Das Wiedersehen ist ein großes Happening. Als hätten sich die Menschen seit Jahren nicht gesehen. Dabei sind es vermutlich Stunden gewesen. Ein Marathon verbindet. Wer das Ziel erreicht, macht offenbar auch die Angehörigen glücklich und stolz.

Das Bild auf diesem Platz dort draußen vor der Festhalle ist bizarr. Rund 300 Meter hinter dem roten Teppich des Frankfurt Marathon wimmelt es vor blauen Plastiktüten. Es sind tausende. Fast jeder Läufer trägt sie als Schutz vor der Kälte über dem Oberkörper. Gereicht von einem Ordner nach dem Zieleinlauf, gemeinsam mit einer Medaille. Überall stehen Tische mit tausenden Bananen und Äpfeln. Und isotonische Getränke. Manche Freizeitsportler knien auf dem kalten Steinboden. Vor Erschöpfung. Vor Schmerz. Vielleicht auch vor Glück. Andere weinen.

Die Treppenstufen hinter dem Zielbereich in der Festhalle können zur muskulären Qual für die Läufer werden. Bild-Zoom
Die Treppenstufen hinter dem Zielbereich in der Festhalle können zur muskulären Qual für die Läufer werden.

Schon wenige Meter nach dem Ziel werden die Leiden sichtbar. Zehn Treppenstufen muss jeder „Finisher“ hinunter laufen ins Freie, wo sich die Verpflegung und die „Ankunftshalle“ befindet. Zehn Stufen, die nach 42,195 Kilometern zur Qual werden können. Viele stützen sich am Geländer ab, kommen kaum eine Stufe herunter. Auch Johannes Licht hat Schmerzen. „Grauenhaft“, sagt der 26-Jährige, sei das Rennen gewesen. Und meint den Moment, als bei ihm die Wadenkrämpfe einsetzten: Bei etwa der Hälfte der Strecke. Bis dahin lief er jeden Kilometer laut Plan in etwa 4:30 Minuten. Dann begannen die Krämpfe. Und Licht wurde um rund eine Minute langsamer.

Und dann macht’s „bumm“

Dass er bei seinem insgesamt zweiten Marathon trotzdem nach achtbaren 3:25:51 Stunden das Ziel erreichte, verdankt er seinem Freund Alexander Claas. Der gleichaltrige Mainzer, der im Frühjahr den nasskalten Hamburg Marathon in 2:45 Stunden absolvierte, stand Licht bis ins Ziel helfend zur Seite. „Ich habe mir gesagt, ich unterstütze ihn“, sagte Claas, der für das Team-Nauheim Sport startet und im Zielbereich entspannt wirkte, als habe er lediglich fünf Kilometer gejoggt. Trotz des Windes waren die Bedingungen nicht so hart, meint Claas, seit 2012 jährlich in Frankfurt am Start. Er freute sich sogar über den Rückenwind auf der Mainzer Landstraße. „Das hat geholfen.“

Genau dort gab Jonas Harvard womöglich zu viel Gas. Denn bei Kilometer 35 machte es bei ihm „bumm“, wie er selbst sagt. „Ich bekam Krämpfe in beiden Beinen“, so der Schwede, der eigens aus seinem Heimatland angereist war und eigentlich ein recht erfahrener „Marathoni“ ist. „Das war mein siebter oder achter Marathon.“ Eine Zeit unter drei Stunden wollte der 45-Jährige laufen und schloss sich der Gruppe mit der Zielzeit 2:59 Stunden an. Alles klappe lange Zeit gut. In dem großen Läufer-Pulk konnte er sich gut vor dem Wind schützen. Doch als plötzlich die Schmerzen in den Beinen einsetzten, ging kurzzeitig nichts mehr. Harvard blieb stehen. Er versuchte, die Schmerzen mit Dehnübungen zu vertreiben. Es half etwas. Aber nicht viel. Fortan war es eine Qual. „Ich bin zuerst etwas gegangen und dann die letzten sieben Kilometer gejoggt“, beschreibt er seine persönliche Tortur.

Aber er hielt durch. Bis ins Ziel. Erstmals genoss er den roten Teppich in der Festhalle. Der Lohn für die Schinderei. Und obendrein unterbot er mit seiner Endzeit von 3:07:28 Stunden trotz der körperlichen Beschwerden seine persönliche Bestzeit. „Der Kurs in Frankfurt ist sehr schnell. Perfekt. Ich komme nächstes Jahr vermutlich wieder“, meinte der Schwede.

Zur Startseite Mehr aus Sport

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse