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Integration muss gelebt werden: Wie Vereine Flüchtlingen über den Sport hinaus eine Perspektive geben können

Wieland Speer hat seit Januar 2016 als Koordinator für Flüchtlingssport im Hochtaunus viel auf die Beine gestellt. Unser Redakteur Thorsten Remsperger sprach mit dem Heusenstammer.
Der Sport schafft die Basis für eine bessere Verständigung: Im Tischtennis-Training beim TTC Staffel klappt das prima. Der Sport schafft die Basis für eine bessere Verständigung: Im Tischtennis-Training beim TTC Staffel klappt das prima.

Wieland Speer hat seit Januar 2016 als Koordinator für Flüchtlingssport im Hochtaunus viel auf die Beine gestellt. Dank der Initiative des 54-Jährigen im Rahmen des Landesförderprogramms „Sport und Flüchtlinge“ gibt es in jeder Hochtaunus-Kommune einen Sport-Coach – also einen sozial engagierten Bürger, der hilft, Flüchtlinge ins Vereinsleben zu integrieren. Unser Redakteur Thorsten Remsperger sprach mit dem Heusenstammer.
 

Zum Thema: Nach der Flucht gemeinsam an die ...

Donnerstag, 18.30 Uhr, im Bürgerhaus im Limburger Stadtteil Staffel. Dass hier Tischtennisplatten statt eingedeckter Tische stehen, ist normal.

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Herr Speer, Ihr Credo lautet, geflüchteten Menschen über ihr Hobby eine berufliche Perspektive in der Gesellschaft aufzuzeigen. Jetzt sagen Sie: Auch die Vereine, die sich um Integration bemühen, sollen profitieren. Wie denn?

WIELAND SPEER: Zum einen haben sich von den 200 Flüchtlingen, die bis Herbst 2016 dank unserer Coaches Sport in einem Verein betrieben, 85 für eine Mitgliedschaft entschieden. Zum anderen haben wir im Hochtaunus ein „Junior-Team“ aus Flüchtlingen im Alter von 16 bis 27 Jahren gebildet, das den Vereinen kurzfristig durch Manpower und langfristig auch durch Know-how helfen kann.

Wieland Speer, Bild-Zoom Foto: Marcel Lorenz
Wieland Speer,

Sie verraten uns sicher ein paar mehr Details zum „Junior-Team“.

SPEER: Der Landessportbund bildet ohnehin mit Hilfe eines Förderprogramm junge Leute in Sachen Vereinsmanagement fort. In Schulungen werden Wege zu einer Funktionärslaufbahn aufgezeigt. Daran partizipieren wir.

Wie verläuft eine solche Schulung? Viele Flüchtlinge sind doch der deutschen Sprache noch gar nicht mächtig.

SPEER: Wir treffen uns in der Geschäftsstelle des Sportkreises. Dort wird beispielsweise über den Aufbau eines Sportvereins referiert oder darüber, wie der Informationsaustausch über soziale Netzwerke funktionieren kann. Die Verständigung ist in der Tat ein Problem. Wir versuchen, sprachliche Defizite mit Hilfe eines Übersetzers oder auf Englisch auszugleichen. Manchmal geht es auch nur mit Händen und Füßen. Aber es geht.

War das „Junior-Team“ denn schon im Einsatz?

SPEER: Ja, schon öfter, zum Beispiel bei den Mini-Meisterschaften im Tischtennis. Dort haben Flüchtlinge in Ober-Erlenbach beim Auf- und Abbau geholfen, waren als Schiedsrichter oder für die Kinderbetreuung im Einsatz. Weitere Termine stehen schon fest. Im Hochtaunuskreis packen wir beim Feldbergfest am kommenden Wochenende mit an.

So anstrengend wie der Aufstieg auf den Großen Feldberg, wo das Sportfest am Samstag und Sonntag ja stattfindet, hört sich auch Ihre Teilzeitbeschäftigung für den Sportkreis Hochtaunus an oder wollen Sie da widersprechen?

SPEER: Das zweite Jahr ist auf jeden Fall schwieriger als das erste, weil es nicht mehr primär darum geht, Flüchtlinge in Sportvereinen willkommen zu heißen. Es geht darum, Integration zu leben.

Ihre Vision sieht sogar Junior-Teams für jede Kommune vor.

SPEER: Ja, aber das ist in der jetzigen Situation von den Organisatoren, von denen es nur eine begrenzte Zahl gibt, zu viel verlangt. Mancher Sport-Coach stößt an seine Grenzen. Er hält Kontakte zu Flüchtlingen, Stadtverwaltung und Sportkreis. Wenn die Umsetzung einer Idee, die mit hohem Aufwand verbunden ist, wenig Zuspruch erfährt, ist man frustriert. Diese Enttäuschungen sind leider normal. Man muss aber erstmal lernen, damit umzugehen. Umso schöner sind Erfolgserlebnisse. Gerade hat ein Flüchtling einen Praktikumsplatz als Schreiner erhalten, weil er sich im Junior-Team eingebracht hat. Dafür lohnt sich der Einsatz.

Ihr nächstes Projekt?

SPEER: Der Sportkreis Hochtaunus organisiert für den 29. September mit der Sportjugend Hessen, Oberurseler Vereinen und Schulen, den Sport-Coaches und Flüchtlingen einen Sportaktionstag in Oberursel.

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