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Tennis-Star: Wie ein Frankfurter Angelique Kerber zum Star machte

Von Als sie vor Jahren nach Offenbach kam, war sie nicht fit und spielte taktisch undiszipliniert: Jetzt ist Angelique Kerber die Nummer eins der Tennis-Welt. Dabei war ein Frankfurter maßgeblich am Erfolg von Angelique Kerber beteiligt.
Angelique Kerber Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Angelique Kerber
Frankfurt.  Sie gewann in diesem Jahr die Australian Open und die US Open, sie stand im Finale von Wimbledon sowie bei den Olympischen Spielen in Rio – und wird das Jahr 2016 als Nummer eins der Welt beenden. Bei den am Sonntag beginnenden WTA-Tour Championships in Singapur will Angelique Kerber dem Ganzen die Krone aufsetzen und mit einem Triumph im Turnier der acht punktbesten Spielerinnen des Jahres Weltmeisterin werden.

Einen großen Anteil an dieser Erfolgsstory hat die Offenbacher Tennisakademie. Dort wurde Kerber nämlich zum Topstar geformt. Man schrieb das Jahr 2011. Kerber drohte gerade aus den Top 100 zu fliegen. Bundestrainerin Barbara Rittner bat Alexander Waske um Hilfe. Der Frankfurter flog nach London und erlebte hautnah mit, wie Kerber ihr Erstrundenspiel in Wimbledon verlor. „Sie hat sich schlecht bewegt und spielte taktisch undiszipliniert. Hätte mir jemand prophezeiht, sie wäre in fünf Jahren die Nummer eins der Welt, hätte ich ihn ausgelacht“, erzählt der frühere Davis-Cup-Spieler, der Kontakt mit Kerber aufnahm. Man vereinbarte, dass sie für eine Woche in die Akademie nach Offenbach kommen soll. Dort traten ihre Defizite offen zutage: Sie war nicht fit, mochte das Lauftraining nicht, hatte immer wieder Ausreden parat.

Alexander Waske Bild-Zoom Foto: imago
Alexander Waske
Kerber wollte schnell auf die Tour zurück, um Punkte zu sammeln. Waske riet ihr davon ab: „Mache es nicht, bring dich in Form, um Topleute zu schlagen.“ Kerber sah es ein, sie blieb in Offenbach, schließlich wurden fünfeinhalb Wochen daraus.

Dann flog Kerber über den Atlantik, von der Akademie wurde sie dort betreut. Beim Turnier in Dallas erreichte sie das Halbfinale, ehe sie bei den US Open in der zweiten Runde auf die Polin Agnieszka Radwanska traf, damals Weltranglisten-Achte. „Angie wurde taktisch bestens vorbereitet. Und gewann“, erinnert sich Waske. Ihr sei damals eine Riesenlast von den Schultern gefallen, anschließend marschierte sie bis ins Halbfinale. New York verließ Kerber als 35. der Welt. Und sie war Feuer und Flamme, wieder in Offenbach zu trainieren. Sie blieb acht Wochen, kam auch den ganzen Winter über zwischen den Turnieren hier her, um hart an sich zu arbeiten. Die physischen Mängel wurden immer kleiner, mit Kraft- und Lauftraining machte sie sich fit. Waske riet ihr zu der üblichen Australian-Vorbereitung mit den Turnieren in Brisbane und Sydney. Sie kehrte allerdings zu ihrem alten Trainer Torben Beltz zurück und entschied sich für die einfachere Tour Auckland und Hobart, wo sie jeweils im Halbfinale ausschied. Bei den Australian Open unterlag sie in der dritten Runde Maria Scharapowa deutlich mit 1:6 und 2:6.

Dann wurde es besser. Im März erreichte sie mit Platz 14 ihre beste Weltranglistenposition. Nachdem sie in Cincinnati Serena Williams und Petra Kvitova geschlagen hatte, qualifizierte sie sich erstmals für das WTA-Finale. Das Jahr beendete sie auf Rang fünf.

Bilderstrecke "Werde noch brauchen": Kerber vom Titel überwältigt
Kerber holte sich Satz drei und damit das Match mit 6:4 und stürmte anschließend sofort in ihre Box. Foto: Justin LaneAngelique Kerber ist die Siegerin der US Open 2016. Foto: Justin LaneKerber gelang direkt in ihrem ersten Returnspiel ein Break. Foto: John G. Mabanglo

2013 wechselten sich spektakuläre Erfolge mit unerwarteten Niederlagen ab. Kerber fiel auf Rang neun zurück, kam Ende des Jahres noch einmal nach Offenbach, um an sich zu arbeiten. Sie bat Waske, sie auf der Tour zu begleiten. Da dieser aber selbst noch aktiv war, einigte man sich darauf, dass sein Cheftrainer Benjamin Ebrahimzadeh als hauptamtlicher Trainer Kerber betreut. Ein Dreivierteljahr arbeitete das Duo zusammen, dann kehrte Kerber wieder zu ihrem „kumpelhaften“ Trainer Beltz zurück.

Seitdem sind die Kontakte nach Offenbach nur noch loser Natur. „Ich gratuliere ihr nach jedem Erfolg sofort, freue mich über ihre Triumphe“, sagt Waske. „Sie ist heute eine komplette Spielerin, spielt kompakt, hat alles, was sie gelernt hat, auch gut umgesetzt. Schafft sie es mental, errungene Titel zu verteidigen, kann sie Nummer eins der Welt bleiben“, prophezeit er ihr eine große Zukunft.

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