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Ironman-EM: Wie ein Komet

Von Vor gut einem Jahr wechselte Triathlet Patrick Lange auf die Langdistanz. Eine Entscheidung, die die Weltspitze durcheinanderwirbelte. Der Darmstädter wurde auf Anhieb WM-Dritter auf Hawaii.
Patrick Lange bei der Ironman-WM im Oktober 2016 auf Hawaii, wo er beim Debüt Dritter wurde. Foto: Bruce Omori (EPA) Patrick Lange bei der Ironman-WM im Oktober 2016 auf Hawaii, wo er beim Debüt Dritter wurde.
Frankfurt. 

Schon zweimal wäre die Karriere fast zu Ende gewesen. Die ganzen Pläne, die großen Träume. Ende 2014 dachte Patrick Lange erstmals daran, als Triathlet aufzuhören. Sein Vater Wolfgang (55) war es, der ihn nach Verletzungspause und privaten Veränderungen davon abhalten konnte. Ein Jahr später, als einige Sponsoren ihre Verträge mit dem Darmstädter nicht verlängerten, setzte die nächste Krise ein. Der hochbegabte Sportler, schon als Jugendlicher deutscher U 15-Meister auf dem Mountainbike und später dreimal nationaler Champion im Duathlon, dachte ernsthaft ans Aufhören. „Da stand es wirklich auf der Kippe“, erinnert sich Patrick Lange.

Heute kann er darüber entspannt reden. Seine Karriere hat sich radikal verbessert. Ein Logistikunternehmen (Ibrakom) erkannte sein großes Potenzial, gab ihm einen Drei-Jahres-Vertrag als Sponsor und war damit die Initialzündung für eine sensationelle Wandlung. Lange hing im März 2016 seinen Job als Halbtags-Physiotherapeut an den Nagel, wechselte im Triathlon von der Mittel- auf die Langdistanz (Ironman) und startet seitdem in der Szene durch wie ein Komet.

Bei seinem Debüt im Mai 2016 gewann er auf Anhieb den Ironman Texas. Bei seinem zweiten Start landete er bei der Weltmeisterschaft im Oktober 2016 auf Hawaii fast noch überraschender auf dem Podium – nur von seinen deutschen Landsmännern Jan Frodeno und Sebastian Kienle bezwungen. Und das, obwohl Lange auf der Radstrecke eine Fünf-Minuten-Zeitstrafe aufgebrummt bekam und auf Platz 24 zurückfiel. Mit einer spektakulären Aufholjagd verbesserte er im abschließenden Marathon den seit 1989 bestehenden Streckenrekord auf Hawaii auf 2:39:45 Stunden und lief noch auf Platz drei vor. „Wir sind freilich mit deutlich geringeren Erwartungen in die Ironman-Premiere gegangen. Texas waren die Top 10 uns Ziel, Hawaii die Top 15“, sagt der 30-Jährige rückblickend. Mit „wir“ meint er sein Betreuer-Team – in erster Linie Freundin Laura-Sophie, seinen Vater Wolfgang, seinen Manager Jan Sibbersen und seinen Trainer Faris Al-Sultan, selbst einst Ironman-Weltmeister (2005). Speziell sein Vater, früher ein Hobby-Marathonläufer, sei in schwierigen Phasen sehr wichtig gewesen. „Er ist mein ältester Förderer. Auch wenn ich nicht an mich geglaubt habe, hat er mir immer gesagt, ich weiß dass du der Beste bist. Das ist einfach gut“, sagt Patrick Lange.

Längst hat sich bestätigt, was der Papa wusste. Patrick Lange zählt zur absoluten Weltspitze unter den „Eisenmännern“. Das liegt auch an Veränderungen im privaten Umfeld. Unter anderem zog er von Griesheim nach Darmstadt, schloss sich dem DSW Darmstadt an und findet in seiner Region hervorragende Trainingsbedingungen vor. Er schwimmt im Nordbad, wo auch 200-Meter-Brust-Weltmeister Marco Koch seine Bahnen zieht. „Von Marco hole ich mir ab und zu Inspiration ab“, sagt Lange grinsend. Das Lauftraining absolviert er im Darmstädter Wald „übers Oberfeld. Das ist einer der besten Laufplätze, extrem schön, bergisch, flach. Und es gibt ein gutes Sportzentrum im Bürgerpark.“ Und auf dem Rad geht es weit hinaus in die Region. „Mit dem Radtraining decken wir im Prinzip alles ab, über den Odenwald und Bayern, Baden-Württemberg, Neckar bis Ried.“ Kleine Distanzen? Nichts für Ironman-Sportler.

Lange Verletzungspause

Seit er im März 2016 als Vollprofi unterwegs ist, hat der 1,78 Meter große Top-Athlet freilich auch das Training verändert. Speziell die Regenerations-Phasen wurden erhöht. „Das ist für mich sehr wichtig. Früher hatte ich kaum Pausen, habe pro Tag neben dem Halbtags-Job drei Trainingseinheiten gehabt.“ Zwischen 25 bis 35 Stunden trainiert er pro Woche – ein normaler Wert im Ironman-Profisport. Und er genießt es. „Weil ich noch nicht so lange im Langdistanzbereich unterwegs bin, haben wir noch verschiedenste Trainingsformen, die Faris und ich ausprobieren können. Da erfinden wir uns gerade neu.“

Bei der Europameisterschaft am 9. Juli in Frankfurt wird der 30-Jährige erst seinen dritten Ironman der Karriere bestreiten. Trotz seiner bisherigen zwei Top-Resultate zählt er sich nicht zu den Favoriten. Drei Monate lang konnte er wegen eines Knochenmarködems im Fuß nicht trainieren. Auslöser der Probleme war offenbar ein zu enger Radschuh, den er ausprobierte, „um noch ein paar Prozent Leistungs rauszuquetschen“. Der Schuh drückte und führte zu einer Vorstufe eines Ermüdungsbruch.

Spätestens seit vergangenem Sonntag ist die Zuversicht weitgehend zurück. Beim Erdinger Stadttriathlon bei München über die olympische Distanz siegte Lange in 1:45:10 Stunden. „Das war der Test für Frankfurt. Der Fuß hat sich ganz gut gemacht. Das war das Wichtigste.“ In Frankfurt sieht sich der Lokalmatador wegen des Trainingsrückstand dennoch nur als Außenseiter an. „Ich bin in der Jägerrolle.“ Aber mal schauen. Bisher hat Patrick Lange bei seinen Ironman-Rennen die Konkurrenz stets kräftig überrascht.

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