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Zeitfahr-Bronze für Schachmann und Worrack im Dauer-Regen

Vor zwei Jahren musste Trixi Worrack nach einem schweren Sturz eine Niere entfernt werden. Mit einer überraschenden Bronzemedaille meldet sich die Cottbuserin bei der EM ebenso eindrucksvoll zurück wie Max Schachmann nach seiner langen Pause wegen einer Fersen-OP.
Maximilian Schachmann feiert seinen dritten Platz im Zeitfahren. Foto: Darko Bandic/AP Maximilian Schachmann feiert seinen dritten Platz im Zeitfahren.
Glasgow. 

Maximilian Schachmann überraschte sich selbst, Trixi Worrack schlug überwältigt die Hände vors Gesicht. Im strömenden Regen haben die beiden lange verletzten deutschen Rad-Asse beim Zeitfahren von Glasgow den widrigen Bedingungen getrotzt und jeweils EM-Bronzemedaillen geholt.

„Ich bin nach dem Trainingslager gar nicht mit ganz so hohen Erwartungen hier angereist, weil die Höhepunkte ja erst im zweiten Teil der Saison liegen”, sagte der 24 Jahre alte Giro-Etappensieger Schachmann und musste vor der Siegerehrung erst einmal die klitschnassen Klamotten wechseln.

Das große deutsche Talent räumte ein, auf der glitschigen Fahrbahn des 45,7 Kilometer langen Stadtkurses das letzte Risiko gescheut zu haben. Vor genau einem Jahr war er bei den Polen-Rundfahrt schwer gestürzt, so dass seine Karriere nach einer Fersen-Operation am seidenen Faden hing. „Mir sind eine Platte und zehn Schrauben eingesetzt worden. Die Prognosen sahen nicht gut aus”, erinnerte er sich. Nun strebt er bei der WM in Innsbruck im September sogar einen Doppelstart an.

Er steigerte sich im Rennverlauf und konnte bei der Zieldurchfahrt strahlen. „Diese Medaille bekommt einen Ehrenplatz im Wohnzimmer”, verriet er. In 54:06 Minuten musste sich Schachmann nur Titelverteidiger Victor Campenaerts (53:38) aus Belgien und dem Spanier Jonathan Castroviejo geschlagen geben. Die beiden lagen im Ziel ganze 0,63 Sekunden auseinander.

Gut zwei Stunden zuvor hatte die 36 Jahre alte Trixi Worrack mit ihrem dritten Rang für eine große Überraschung und eines der schönsten Sport-Comebacks gesorgt: 2016 war sie beim Trofeo Alfredo Binda so schwer gestürzt, dass ihr bei einer Notoperation eine Niere entfernt werden musste.

Doch ans Aufhören dachte sie nie. Schon ein Vierteljahr später stieg sie wieder auf ein Rad und sorgte nun auch wieder international für Aufsehen. „Für mich ist das ein richtig schöner Erfolg. Er ist für mich mehr wert, als für manch andere”, meinte die routinierte Lausitzerin. „Schließlich ist es schon ein paar Jahre her, dass ich mal eine Einzelmedaille geholt habe”, ergänzte sie.

Sie gehörte zwar schon viermal zum deutschen Weltmeisterteam im Mannschafts-Zeitfahren, doch ihr bislang größter Einzel-Erfolg mit Platz zwei im WM-Straßenrennen in Salzburg liegt zwölf Jahre zurück. „Das vergisst man nie”, meinte sie.

Als eine der ersten Starterinnen war sie auf die 32,7 Kilometer gegangen. „Eigentlich war es ein Blindflug. Denn wir konnten auf den Straßen nie in Wettkampfgeschwindigkeit trainieren. Und es macht schon einen Unterschied, ob man mit 30 oder mit 45 km/h um die Kurve fährt”, schilderte sie die Bedingungen auf regennasser Straße, denen auch Lisa Brennauer zum Opfer fiel und stürzte. Die zuvor dreimalige Medaillengewinnerin von Glasgow landete auf Platz 14.

In 42:48 Minuten musste Trixi Worrack nur zwei Niederländerinnen den Vortritt lassen: Ellen van Dijk (41:39) siegte vor Anna van der Breggen (41:41) und machte ihren EM-Hattrick perfekt. Im September wird die deutsche Top-Radsportlerin nun ihre 20. Weltmeisterschaft - zwei davon bei den Juniorinnen - erleben.

(Von Frank Thomas, dpa)
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