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Serie (Teil 3): Die Saison der Frankfurter Eintracht: Abschottung um der Abschottung willen

Die Frankfurter Eintracht war in der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga wieder einmal auf einer Berg- und Talfahrt. Dass die Stimmung rund um die Eintracht gut geblieben ist, war den Erfolgen im Pokal zu verdanken.
Er lässt sich beim Training nicht gerne in die Karten schauen: Eintracht-Coach Niko Kovac. Foto: Heiko Rhode Er lässt sich beim Training nicht gerne in die Karten schauen: Eintracht-Coach Niko Kovac.
Frankfurt. 

In dieser Saison hat die Frankfurter Eintracht Zäune um sich gezogen. An einem weiteren Trainingsplatz wurde eine Sichtschutzplane angebracht. Die Ordner eines privaten Sicherheitsdienstes müssen dafür sorgen, dass keine Kiebitze sich nähern. Diese Politik der Zurückgezogenheit war schon von früheren Trainern eingeleitet worden. Armin Veh hat das nicht-öffentliche Training vor allem in Wochen der Europapokalspiele in der Saison 2013/2014 bevorzugt. Sein Nachfolger Thomas Schaaf war dann sogar auf die Idee gekommen, Freundschaftsspiele im „Geheimen“ durchzuführen. In Vehs zweiter Amtszeit war dann in aller Regel nur noch das Abschlusstraining unzugänglich. „Man lernt dazu im Laufe der Jahre“, hatte der inzwischen 56 Jahre alte Trainer gesagt, „im Grunde bringt dieses Geheimtraining überhaupt nichts.“ Manchmal habe er sich gefragt, „warum mache ich diesen Mist mit?“

Und doch ist es auf dem Vormarsch. In der ganzen Liga, forciert auch von der Deutschen Fußball Liga (DFL), warum auch immer. Im westlichen und südlichen Ausland ist es schon länger so üblich, in England oder Spanien sind Trainingsgelände für die Öffentlichkeit tabu. Zumindest bei den großen Vereinen. Auf diesen Weg hat sich auch die Eintracht begeben.

Das hat schon begonnen beim Trainingslager in Gais in Südtirol im letzten Sommer, als vom Mannschaftshotel bis zum Trainingsplatz, das sind nur ein paar hundert Meter, ein Weg für die Spieler und Trainer eingezäunt wurde. In diesem Jahr, wenn die Eintracht wieder in Gais logiert, so wird gewitzelt, könnte ein Tunnel gebaut werden. Der neue Sportvorstand Fredi Bobic hat eine Art Wagenburgmentalität vorgegeben, nach dem Motto: „Wir da drinnen, ihr da draußen.“

Info: Hängepartien dauern an

Die wichtigsten Personalfragen der Eintracht wurden auch über Pfingsten (noch) nicht beantwortet. Zwar hat „Sky HD News“ gemeldet, die Frankfurter würden Ante Rebic nicht weiterverpflichten,

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Zu Hause in Frankfurt gibt es nur noch eine öffentliche Einheit pro Woche. Trainer Niko Kovac hat das mit zwei Argumenten unterfüttert. Zum einen mit der Ruhe, die die Spieler bei ihren täglichen Übungen bräuchten. Das zielt auf die vielen Kiebitze, darunter viele Kinder, für die es eine Freude war und ist, dem Training zuzuschauen und ihren Lieblingen mal ein bisschen näher zu kommen. Zum anderen mit der Angst vor „Betriebsspionage“. Nahezu alle Vereine seien dazu übergegangen, den kommenden Gegner auch beim Training zu beobachten, sagt Kovac. „Wir wollen doch der Konkurrenz nicht zeigen, was wir vorhaben“, sagt er. Das leuchtet erstmal ein.

Parallel dazu haben die Frankfurter ja auch die Arbeit rund um das Training intensiviert. Dazu gehören gemeinsames Frühstück und gemeinsames Mittagessen ebenso wie ausführliche Video-Sitzungen. So sollen das Gemeinschaftsgefühl und die Sinne für den Beruf geschärft werden.

Ein einziges Mal wurde der Erfolg der geheimen Übungen sichtbar für alle. Auf Schalke haben die Frankfurter am ersten Spieltag der Rückrunde mit 1:0 gewonnen. Makoto Hasebe hatte den Ball nach einem Freistoß flach nach innen gespielt, Alexander Meier war aus hinterer Position nach vorne gestartet und hatte zum 1:0 eingeschossen. Das war der Siegtreffer. „Im Training geübt“, sagte Kovac. Die Schalker hatten von dieser Variante offenbar keine Ahnung.

Viele Vereine in der Bundesliga sind zur „Aussperrung“ ihrer Fans übergegangen, allerdings nicht alle. Bei der Eintracht hatte der frühere Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen die Geheimnistuerei einst ausgeschlossen, um im Ernstfall dann doch den Wünschen seiner Trainer zu folgen. Unter seinem Nachfolger Bobic wurde die Abschottung weiter vorangetrieben. Das kann zur Entfremdung führen, wenn der Erfolg ausbleibt.

„Alt gegen Jung“

Als in der Rückrunde die Ergebnisse nicht mehr so waren, wie sie sein sollten, wurde auch das Geheimtraining in Frage gestellt. Dabei kam raus, dass viele „geheime“ Einheiten so profan waren, dass es wie ein Scherz anmutet, diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit abzuhalten.

So wird bei der Eintracht beim Abschlusstraining meist „Alt gegen Jung“ gespielt, und eben nicht mehr in jenen taktischen Formationen geübt, die beim Spiel dann vorgesehen sind. Abschottung also um der Abschottung willen. „Gefangen in der eigenen Blase“, lautete eine Schlagzeile.

Der Nutzen dieser Politik ist umstritten. Denn klar ist: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen „geheimen“ Trainingseinheiten und den Leistungen in den Spielen. In der Rückrunde hat bei der Eintracht vieles nicht mehr gestimmt, die Automatismen sind verloren gegangen, Verletzungen haben das Team geschwächt, das Selbstvertrauen war wie weggeblasen, von erfolgreich eingeübten Standardsituationen war die Mannschaft weit entfernt.

Das Spiel war von der Konkurrenz längst „gelesen“, dazu brauchte niemand mehr „Spionageeindrücke“. Und so geht es wohl auch um marketing-technische Überlegungen wie den Versuch, das Produkt Bundesliga öffentlich zu verknappen und die eigenen Kommunikationskanäle wie Twitter, Facebook oder auch das vereinseigene Eintracht-TV, Spitzname „Propaganda-TV“, zu stärken.

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