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Eintracht Frankfurt: Adi Hütter sieht Chancen auf Zählbares in Dortmund

In Dortmund gab es für die Eintracht jahrelang nichts zu holen. Diese Serie soll heute Abend reißen, wünscht sich der Trainer.
Wer heute Abend in Dortmund für die Eintracht in der Defensive aufläuft, liegt noch im Dunklen. Trainer Adi Hütter will aber niemanden sehen, der sich versteckt. Foto: Jan Huebner/Scheiber (Jan Huebner) Wer heute Abend in Dortmund für die Eintracht in der Defensive aufläuft, liegt noch im Dunklen. Trainer Adi Hütter will aber niemanden sehen, der sich versteckt.
Frankfurt. 

Die Bundesligaspiele in Dortmund waren in den vergangenen Jahren für Eintracht Frankfurt nicht unbedingt von übermäßigem Erfolg geprägt. Okay, das ist zugegebenermaßen noch ein wenig geschönt: Die Auftritte in der jüngeren Vergangenheit im gewaltigen westfälischen Fußballtempel waren aus hessischer Sicht allesamt Reinfälle: 2:3, 1:3, 1:4, 0:2, 0:4, 0:3, 1:3 – das sind die nackten Zahlen. Sieben Spiele, sieben Niederlagen, 5:22 Tore – eine niederschmetternde Bilanz. Einmal, 2011, stieg die Eintracht in Dortmund sogar ab. Grund dafür war aber nicht die letzte Partie beim BVB, sondern die Rückrunde der Schande. Lange her.

Trainer Adi Hütter hat mit der Vergangenheit natürlich nichts zu tun, er möchte sie aber gerne so bewältigen, dass sie in eine günstige Zukunftsprognose umschlägt. Der Österreicher bemüht daher den Vergleich zum Saisonstart in Freiburg, wo die Eintracht auch seit fast zehn Jahren nicht mehr gewonnen – aber auch nicht immer verloren – hatte. „Hoffentlich geht jede Serie mal zu Ende“, sagt der 48-Jährige also. „Auch wenn in Dortmund die Trauben etwas höher hängen.“ Das kann man so sagen.

Am ehesten waren die Frankfurter im März dieses Jahres an einem Punktgewinn bei der Borussia dran, den sie auch verdient gehabt hätten, weil das Team große Moral und eine noch größere Mentalität an den Tag gelegt hatte. Es war fürwahr imponierend, wie sich die Eintracht nach zweimaligem Rückstand zurückgekämpft hatte, durch den spritzigen und frischen Danny Blum in der Nachspielzeit zum Ausgleich kam, nur um dann aber kurze Zeit später doch noch final auf die Bretter geschickt zu werden. Abgehakt.

Den aktuellen Frankfurter Coach plagen andere Sorgen – wer links hinten verteidigt etwa. Der Israeli Taleb Tawatha ist nach dem Länderspiel in Nordirland angeschlagen, der Rücken bereitet Probleme. Sollte der 26-Jährige passen müssen, wird sich der Fußballlehrer entscheiden müssen, ob er dem jungen Deji Beyreuther (19) das Vertrauen schenkt oder doch eher dem vormals ausgemusterten Simon Falette. Oder sogar Neuzugang Evan N’Dicka, eigentlich ein klassischer Innenverteidiger, mit der Aufgabe betraut? Vielleicht setzt Hütter aber auch auf eine Dreierkette, dann müssten die Außenbahnspieler aber eher offensiv ausgerichtet sein, was klar für den Nachwuchsmann Beyreuther sprechen würde.

Generell sieht der Coach aber auch ein Spiel im Dortmunder Hexenkessel vor 80 000 Zuschauern als Chance. „Wenn ich jung bin und vor dem Fernseher sitze, dann träume ich doch davon, da mal spielen zu dürfen“, befindet er. „Und da ist es auch egal, ob da 60 000, 70 000 oder 80 000 Menschen sind.“ Und überhaupt: „Ich traue es jedem Spieler von Eintracht Frankfurt zu.“

So oder so: Der Trainer gibt schon mal die Marschroute vor, die per se vernünftig ist: agieren, nicht nur reagieren – so lautet das Motto: „Ich möchte nicht, dass wir uns verstecken.“ In der Theorie ein sehr löblicher Ansatz, doch wird seine Mannschaft das auch auf dem Feld umsetzen können?

Ohne Rebic

Auf Ante Rebic, den kleinen Star im Eintracht-Ensemble, wird Hütter nicht bauen können. Der Kroate macht zwar Fortschritte, doch an einen Einsatz ist noch nicht zu denken. Der Angreifer sei zwar „Gott sei Dank“ auf einem guten Weg. Doch wer sich im Aufbau befinde und daher nur 60, 70 Prozent im Training bringen könne, der sei im Wettbewerb gewiss nicht in der Lage, 100 Prozent seiner Schaffenskraft abzurufen.

„Aber es geht in die richtige Richtung“, betont Hütter, der von seiner Maxime nicht abweicht, wonach ein Rekonvaleszent zehn bis 14 Tage am Mannschaftstraining teilgenommen haben müsse, um eine Alternative für das Team zu sein, das in der Bundesliga oder der Europa League um Punkte kämpft.

Das gilt auch für Mittelfeldspieler Chico Geraldes, der sich im Testspiel beim FC Ederbergland am Rücken verletzte und auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. Eine Rolle hat der Portugiese in den bisherigen Pflichtspielen sowieso nicht gespielt.

Weil der Kader, einst sehr üppig besetzt, durch Verletzungen und Sperren sehr wohl ein wenig ausgedünnt ist, betonte der Coach erneut die Wichtigkeit der einstmals aussortierten Profis, die nun wieder integriert sind. „Ich bin sehr froh, dass die Spieler, die extra trainiert haben, wieder bei uns sind“, sagt Hütter. Gerade im Hinblick auf die vielen Partien in den kommenden Wochen, deren sieben in 24 Tagen.

Die vor Wochen in eine gesonderte Trainingsgruppe abgeschobenen Marc Stendera, Marco Fabián, Branimir Hrgota und Simon Falette seien von den übrigen Mitspielern „reibungslos und herzlich aufgenommen“ worden. Gerade für Marco Fabián hatte Hütter lobende Worte parat: „Ein toller Typ und sehr guter Spieler.“ Er sei froh, „wieder eine einheitliche Trainingsgruppe zu haben“. Bleibt die Frage, weshalb diese Akteure dann überhaupt zwischenzeitlich degradiert wurden.

Klar ist, dass Rückkehrer Kevin Trapp das Team als Leader pushen und so ein bisschen in die Rolle von Kevin-Prince Boateng schlüpfen soll – auch wenn das als Torwart, zumindest auf dem Feld, nicht ganz so leicht ist. Sein Stellvertreter im Kasten, Frederik Rönnow, wurde übrigens nach seiner Länderspielreise mit Dänemark erst einmal wieder aus dem Trainingsbetrieb genommen, um seine nicht näher definierte Knieproblematik in den Griff zu bekommen. In der heutige Partie in Dortmund hätte ohnehin Kevin Trapp die Kastanien aus dem Feuer holen müssen.

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