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Eintracht Frankfurt: Als Richard Kreß sich einen berühmten Ball schnappte

Ende des Monats feiert das Eintracht-Museum seinen zehnten Geburtstag. Aus diesem Anlass stellt Museumsleiter Matthias Thoma hier fünf besondere Ausstellungsstücke vor – und erzählt ihre Geschichten. Der fünfte und letzte Teil unserer Serie: Der Ball vom Europapokalfinale 1960.
Als die Bälle noch braun waren: Die Kugel von 1960, ausgestellt im Eintracht-Museum. Als die Bälle noch braun waren: Die Kugel von 1960, ausgestellt im Eintracht-Museum.

Zu den ganz großen Erfolgen der Frankfurter Eintracht gehört das Erreichen des Endspiels um den Europapokal der Landesmeister 1960. Als Deutscher Meister 1959 war die Eintracht für den noch recht jungen Fußball-Wettbewerb qualifiziert.

Und der Europapokal hatte damals zwei schöne Traditionen. Erstens: Deutsche Mannschaften fliegen spätestens im Viertelfinale raus. Zweitens: Real Madrid gewinnt die Trophäe jedes Jahr.

Zumindest mit der ersten Tradition konnte die Eintracht brechen. Und das fiel anfangs sehr leicht. Die Adlerträger trafen in der ersten Runde auf den finnischen Vertreter Kuopio PS. Dieser schlug vor, Hin- und Rückspiel in Frankfurt auszutragen, da sich die Finnen hier mehr Zuschauer erwarteten.

Der europäische Verband Uefa lehnte das Ansinnen ab, die Finnen zogen zurück – und die Eintracht war im Achtelfinale. Hier setzte sich die Mannschaft gegen die Young Boys Bern durch – in Bern gewann die Mannschaft mit 4:1, die Partie in Frankfurt endete 0:0. Das Spiel gegen Bern war übrigens das erste Flutlichtspiel im Stadion. Die Stadt hatte der Eintracht zur Deutschen Meisterschaft eine Flutlichtanlage „spendiert“.

Im Viertelfinale setzte sich die Eintracht gegen den Wiener SC durch (Heimspiel 2:1, auswärts 1:1). Das Halbfinale wurde dann zu einer Sternstunde des Frankfurter Fußballs. Die damals großen Glasgow Rangers kamen als Profitruppe in den Frankfurter Stadtwald – und die Eintracht besiegte den großen Favorit mit 6:1. Auch das Rückspiel wurde gewonnen, diesmal gewann die Eintracht im Ibrox-Park mit 6:3.

Damit stand die von Trainer Paul Oßwald trainierte Mannschaft als erstes deutsches Team im Europapokalfinale – der Gegner war klar: Real Madrid. Fast 130 000 erwartungsfrohe Fans sorgten am Abend des 18. Mai 1960 im Hampden Park in Glasgow für eine nie dagewesene Besucherkulisse.

Aus Frankfurt waren fast 5000 Fans angereist – und die bejubelten bereits in der 18. Minute das 1:0 der Eintracht durch Richard Kreß. Die Eintracht erspielte sich weitere Möglichkeiten, doch dann legte das hochgelobte „Weiße Ballett“ los. In der 27. Minute sorgte Alfredo di Stéfano für den Ausgleich, zwei Minuten später brachte er Real in Führung. Quasi mit dem Halbzeitpfiff erzielte Puskás das 3:1. In der zweiten Halbzeit bekamen die „Königlichen“ einen Elfmeter geschenkt, Puskás erhöhte auf 4:1, dem Treffer ließ der Ungar, der später die spanische Staatsangehörigkeit annahm, noch zwei weitere Tore folgen.

Doch die Eintracht ließ sich nicht beeindrucken und spielte weiter munter mit. Erwin Stein sorgte mit zwei Toren dafür, dass das Ergebnis freundlicher für die Frankfurter Fans wurde. Am Ende gewann Real Madrid mit 7:3 gegen die Eintracht, das Spiel wurde noch vor wenigen Jahren zum besten Spiel zweier Vereinsmannschaften aller Zeiten gewählt. Und Frankfurt hatte den Ball.

Den hatte sich Richard Kreß nämlich nach Spielende beim Schiedsrichter geholt – und bis zu seinem Tod aufbewahrt. Seine Frau Inge hat den Ball dem Eintracht-Museum übergeben, wo er mittlerweile ausgestellt ist. 2008 hatte das Haus „königlichen“ Besuch. Real Madrid kam zum Freundschaftsspiel, die Vereinsoffiziellen besuchten das Museum – und hätten den Ball am liebsten mitgenommen. Schließlich war der Erfolg 1960 der fünfte Europapokalsieg in Folge. Eintracht-Präsident Peter Fischer stellte aber schnell klar, dass der Ball in Frankfurt bleibt.

Ende der Serie

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