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Eintracht Frankfurt: Als die Eintracht dem VfB einen Punkt klaute

„Eine leichte Aufgabe“ prophezeit der Kicker dem VfB Stuttgart in seinem Heimspiel am 12. Mai 1984 gegen die Frankfurter Eintracht. Es ist der 32. Spieltag der Saison 83/84. Und der Blick auf die Leistungswerte dieser Spielzeit macht diese Meinung durchaus verständlich.
Thomas Berthold Bilder > Foto: Frank Thomas Berthold

45 Punkte haben die Schwaben bislang geholt, die Eintracht ganze 22. 75 VfB-Toren stehen 38 Frankfurter Treffer gegenüber. Führend ist die Eintracht allerdings bei den Gegentreffern: 59:29 lautet hier die Bilanz, die sich auch in der Tabelle widerspiegelt. Während die Stuttgarter mit einem Punkt vor dem HSV den Platz an der Sonne einnehmen, dümpelt die Eintracht im Tabellenkeller auf dem Relegationsplatz 16 herum.

Für das Spiel entscheidet sich Eintrachttrainer Weise aufgrund der Verletzung Körbels für die neu formierte Abwehrreihe mit Pahl im Tor, Fruck als Libero sowie den Manndeckern Thomas Berthold und Armin Kraaz. Außen sollen Sievers und Trieb dichtmachen. Im Mittelfeld läuft der zuletzt auf die Reservebank geratene Ronald Borchers, der sogar die Kapitänsbinde trägt, neben Falkenmayer und Mohr auf. Dem in den letzten Spielen müde wirkenden Kroth will Weise nach eigenen Aussagen „eine Verschnaufpause gönnen“.

Überraschend steht Stürmer Harald Krämer in seinem vierten Bundesligaspiel als Partner von Svensson erstmals in der Startelf, Uwe Müller muss mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen. Zu Krämers Nominierung äußert sich Weise: „Ich will nach gutem Training jetzt mal sehen, wo er steht und will wissen, ob ich mit Krämer in der nächsten Saison rechnen kann.“

Dass der VfB gewillt ist, dieses Spiel zu gewinnen, beweist er von der ersten Minute an. Buchwald und Sigurvinsson über links sowie Schäfer über rechts nehmen die Frankfurter gehörig in die Zange. Die versuchen es mit konsequenter Manndeckung, haben jedoch dem druckvollen Spiel der Schwaben nur wenig entgegenzusetzen.

Bereits nach vier Minuten hat das Gros der mehr als 30.000 Zuschauer den Torschrei auf den Lippen, doch Frankfurts Torhüter Pahl kann einen Reichert-Schuss mit dem linken Fuß nach einer akrobatischen Parade noch über die Latte lenken. Vier Minuten später ist der VfB-Mittelstürmer dann erfolgreicher. Allgöwer setzt sich auf der linken Seite durch und flankt, Reichert ist zur Stelle und lässt Pahl im Frankfurter Tor mit seinem Kopfball aus sechs Metern zum 1:0 für die Hausherren keine Chance.

Nur zwei Minuten dokumentiert sich erneut die Luftüberlegenheit der Schwaben. Doch Pahl kann einen Kopfball von Allgöwer von der Linie boxen und so das frühe 0:2 verhindern. Chancenlos ist Pahl dann aber in der 20. Minute. Vorangegangen war ein Rempler von Thomas Berthold gegen Allgöwer, für das der Frankfurter die Gelbe Karte und der Stuttgarter einen Freistoß zugesprochen erhält. Der Gefoulte nimmt sich der Ausführung dieses Freistoßes selbst an und zieht aus 20 Metern ab. Der Ball wird von Sievers in der Mauer noch abgefälscht, ehe sein Flug von den Maschen des Frankfurter Tornetzes gebremst wird.

Borchers geht voran

Nach diesem frühen 2:0 fahren die Stuttgarter ihre Aktivitäten auf dem Platz etwas zurück, ohne dabei allerdings ihre Feldüberlegenheit einzubüßen. Nach etwa einer halben Stunde kommt die Eintracht dann aber besser ins Spiel, im Mittelfeld zeichnen sich Falkenmayer und vor allem Kapitän Borchers durch ihre Einsatzbereitschaft aus. Borchers ist es auch, der die erste und einzige Chance der Eintracht in der ersten Hälfte vorbereitet, als er in der 37. Minute bei einem Spurt drei Stuttgarter abhängen und eine Flanke in den Strafraum schlagen kann. Dort steht Harald Krämer frei, zielt aber mit seinem Kopfball zu ungenau, so dass das Leder neben das Tor geht.

Was sich zum Ende der ersten Halbzeit abzeichnete, findet zu Beginn der zweiten Hälfte seine Fortsetzung: Der VfB Stuttgart spielt verhalten und wird immer schlechter. Von den Spielanteilen präsentiert sich die Eintracht nun ebenbürtig, ohne allerdings gefährlich vor das Tor von Jäger zu kommen. Krämer und Svensson, die beiden Angriffsspitzen der Riederwälder, werden von Karlheinz und Bernd Förster komplett kontrolliert. Dies erkennt auch Eintrachttrainer Dietrich Weise, der es daraufhin mit frischen Offensivkräften versuchen will und seine beiden Stürmer austauscht: Für Jan Svensson kommt in der 73. Minute Cezary Tobollik auf den Platz, drei Minuten später räumt Harald Krämer das Feld und Uwe Müller läuft auf.

Schon kurz nach seiner Einwechslung setzt Müller ein erstes Ausrufezeichen. Frei vor Torhüter Jäger scheitert er jedoch am VfB-Keeper, der Nachschuss von Borchers wird von Makan per Kopf geklärt. Fünf Minuten vor dem Abpfiff erzwingt die Eintracht eine Ecke, die Jürgen Mohr von links hoch in den Strafraum tritt. Zur Stelle ist dieses Mal allerdings kein Stuttgarter, sondern der Frankfurter Ersatz-Vorstopper Berthold, der von Karl-Heinz Förster unbehelligt den Ball aus sieben Metern unter die Latte köpft.

Nur noch 1:2, den Schwaben ist ihre Verunsicherung deutlich anzusehen, das Wissen um die 3:1-Halbzeitführung des Titelkonkurrenten HSV in Nürnberg trägt zusätzlich zur Nervosität bei. Die junge Eintracht-Mannschaft aber wittert nicht nur ihre Chance, sie ist auch willens, diese Witterung aufzunehmen und der Spur zu folgen, die in den Strafraum des VfB führt.

Es läuft die letzte Spielminute. Wieder kann die Eintracht eine Ecke erspielen, die Tobollik tritt. Der Ball kommt in den Strafraum, wird verlängert, und wieder entwischt Thomas Berthold dem Nationalverteidiger Karl-Heinz Förster und köpft auf das VfB-Tor. Doch dieses Mal steht der Pfosten einem Treffer im Weg, Torhüter Jäger, Buchwald und Allgöwer wollen klären. Im Hintergrund lauern Kraaz und Fruck, die ebenso wie Torhüter Pahl, der sich an der Mittellinie postiert hat, nichts mehr hinten hält, auf die vom Innenpfosten abgeprallte Lederkugel. Doch die nimmt einen anderen Weg, und zwar just zum eingewechselten Uwe Müller, der sich ins Gewühl gestürzt hatte und im Fünfmeterraum auf dem Boden liegt. Und Müller macht das, was ein Stürmer machen muss und was sein berühmter Namensvetter aus München perfekt beherrscht: Er gibt dem Ball den entscheidenden letzten Schubs, so dass er zum 2:2 über die Torlinie trudelt.

Schiedsrichter Manfred Neuner aus Leimen pfeift die Partie nach diesem Ausgleich nicht mehr an, sondern ab. Der Rest ist ein Stimmungsbild, das gegensätzlicher nicht sein könnte: mehr als 30 000 in Schockstarre verharrende Schwaben und 1000 übergeschnappte Frankfurter.

Durch diesen Punktgewinn sichert sich die Eintracht den 16. Tabellenplatz und besiegelt den Abstieg des Vereins aus der Nachbarstadt. Ärgerlich nur, dass der VfL Bochum sein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen mit 2:1 gewinnt und damit als Tabellen-15. mit 26 Pluspunkten zwei Spieltage vor Saisonende drei Zähler Vorsprung vor der Eintracht aufweisen kann.

Eintracht „hilft“ VfB

Der VfB kann seinen ersten Tabellenplatz aufgrund der um sechs Tore besseren Tordifferenz gegenüber den HSV (6:1-Sieger beim zweiten Absteiger Nürnberg) zwar verteidigen, mit dem Auswärtsspiel in Bremen und dem Heimspiel gegen den HSV am letzten Spieltag haben die Schwaben aber ein schweres Restprogramm. Vermeintlich leichter haben es da die Hamburger, die am nächsten Spieltag die Frankfurter Eintracht empfangen. Vermeintlich, denn dem 2:2 beim VfB Stuttgart folgt für die Eintracht ein 2:0 beim bis dahin mit dem VfB punktgleichen HSV. Damit macht die Eintracht den VfB faktisch zum Meister.

Abgeschlossen wird die Bundesliga-Punktrunde der SGE schließlich mit einem 3:0 gegen Kaiserslautern, 27:41 Punkte reichen zum 16. Platz. Damit muss die Eintracht zwei Relegationsspiele gegen den Zweitligadritten MSV Duisburg bestreitet, kann jedoch die Sorgen ihrer Anhänger schon an der Wedau zerstreuen. Mit 5:0 gibt es einen klaren Sieg, so dass nach dem 1:1 im Rückspiel der Klassenerhalt feststeht.

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