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Eintracht Frankfurt: Arbeit an Feinheiten - Schritt für Schritt vermittelt Hütter seine Idee von Fußball

Der neue Eintracht-Coach Adi Hütter hat das Training verändert: etwas weniger Kampf, ein bisschen mehr fußballerische Elemente.
Manchmal stellt er sogar selbst Hütchen zur Abgrenzung von Spielzonen auf: Eintracht-Trainer Adi Hütter. Foto: Peter Hartenfelser (Peter Hartenfelser) Manchmal stellt er sogar selbst Hütchen zur Abgrenzung von Spielzonen auf: Eintracht-Trainer Adi Hütter.
Frankfurt. 

Ein quadratisches Feld, etwa acht mal acht Meter klein, vier Spieler an den Ecken und zwei in der Mitte, die dem Ball hinterherjagen und ihn ergattern müssen. Vom Kreisligakicker bis zum Bundesligaprofi – fast jeder Fußballer kennt dieses Aufwärmprogramm, das meist ohne große Intensität, dafür aber mit reichlich Kabinettstückchen vollführt wird. Hier ein Tunnel für den Teamkollegen, dort ein Hackentrick für die Galerie. Kurzum: Eine Übung zum Spaßhaben, zum leichten Anschwitzen, bevor es anschließend richtig losgeht.

Bei Adi Hütter, dem neuen Chef der Frankfurter Eintracht, sieht das sonst so lockere Überzahl-Unterzahl-Spielchen völlig anders aus. Für den Trainer ist es ein Baustein, um seine Idee vom Fußball zu vermitteln. „Vier gegen Zwei, Sechs gegen Drei – das sind Basisübungen für das Spiel gegen den Ball. Wenn die Jungs in der Mitte es gut machen, im richtigen Moment attackieren, dann können sie aus einer Unterzahl schnell eine Überzahl schaffen“, sagte Hütter.

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Schon als der Österreicher vor knapp drei Wochen bei seiner Vorstellung im Bauch der Arena nach seiner Spielidee gefragt wurde, machte er deutlich, wo die Reise der Hütterschen Eintracht künftig hingehen soll: Viel weiter in die gegnerische Hälfte, früheres Attackieren, Pressing weit weg vom eigenen Tor. „Man kann seinen Gegenspieler stellen und abwarten“, sagte Hütter, „aber das bringt nicht viel.“ Es sei wichtig, voll durchzuziehen, auch den letzten Schritt zu gehen, „dann hat der Gegner keine Zeit mehr“. In Wahrheit sei Pressing kein Mittel zur Verteidigung des eigenen Kastens, sondern vielmehr eines, um selbst zum Erfolg zu kommen. „Bei einer Balleroberung schaut man direkt auf das gegnerische Tor“, erläuterte Hütter den größten Vorteil.

So weit die Theorie, in der Praxis bedeutet das für den Trainer der Hessen noch viel Arbeit. In der gestrigen Vormittagseinheit teilte er seine Mannschaft auf. Die ersten Zehn auf dem Rasen, die anderen im Kraftraum. Eine Stunde später tauschten die Kicker die Rollen. Es sei für diese Übungsform, das Vier gegen Zwei, von Vorteil, mit einer kleineren Anzahl an Spielern zu arbeiten. „Dann kann ich besser auf jeden Einzelnen eingehen. Ich möchte das selbst in die Hand nehmen“, sagte Hütter, der seine Schützlinge abwechselnd lobte, auf Fehler hinwies, und vor allem lautstark anfeuerte. „Auf Zehenspitzen, lockerer in den Beinen, dann bist du schneller“, bekam Danny Blum vom 48-jährigen Coach mit auf den Weg. „Zieh durch, bis zum Ende“, lautete die Anweisung an Jetro Willems.

Der Linksverteidiger aus den Niederlanden kann dem im Vergleich zum eher auf Stabilität bedachten Stil des ehemaligen Trainers Niko Kovac einiges abgewinnen. „Er ähnelt ein bisschen dem von RB Leipzig“, sagte Willems, „und auch dem von uns Holländern.“ Was der 24-Jährige damit meinte: Höhere Intensität in eher kürzeren Sprints, etwas weniger Kampf, ein bisschen mehr fußballerische Elemente.

Nun war die Spielidee des Ex-Eintracht- und heutigen Bayern-Trainers Kovac, lieber etwas tiefer zu stehen und dadurch weniger Risiko einzugehen, sicher keine falsche. Die Erfolge der vergangenen beiden Spielzeiten mit dem Höhepunkt des Pokaltriumphs in Berlin sprechen ohnehin für sich. Den Frankfurter Spielern ist aber doch anzumerken, dass sie nicht allzu böse sind, unter Hütter mehr mit dem Ball zu schuften als unter Kovac, der häufiger auch knackige Konditionseinheiten ohne die runde Kugel einstreute.

„Das Training ist unterschiedlich“, sagte Willems. Vergangene Saison seien viele Mentalitätsspieler, die laufen, kämpfen konnten, im Team gewesen. Nun gebe es mehr Fußballer, also Spieler, die gerne den Ball zirkulieren lassen, in der Mannschaft. Freilich gehörten beide Aspekte dazu, um am Ende erfolgreich zu sein, so Willems, das habe man nicht zuletzt bei der WM an Kroatien gesehen. Der Finalteilnehmer habe sicher nicht die besten Fußballkünstler in seinen Reihen gehabt, „aber sie haben mit viel Herz gespielt“.

Für Willems ist entscheidend, die richtige Mischung zu wählen. Damit liegt er ziemlich auf Linie mit seinem neuen Trainer. Hütter will zwar früh attackieren lassen, aber sicher kein zweiter Peter Bosz werden, der Borussia Dortmund vergangene Saison derart riskant nach vorne schob, dass der BVB ständig ausgekontert wurde. Bosz verlor schon im Dezember seinen Job.

Es gehe immer darum, im richtigen Moment die richtige taktische Variante zu wählen, wiederholt Hütter seit seinem Amtsantritt immer wieder. Und: „Vor uns liegt noch viel Arbeit.“ Es ist eine Arbeit an Feinheiten, um das große Ganze voranzubringen.

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