Aufstiegs-Gefühle

Der Fußball-Zweitligist wird sich sein Saisonziel nicht mehr nehmen lassen. Kann schon in Aachen gefeiert werden?
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Frankfurt. 

Als nach rund 75 Minuten die Nordwest-Kurve skandierte: "Wer nicht hüpft, ist Offenbacher", da kam sogar die Haupttribüne der Frankfurter WM-Arena in Schwung. Das wollten sich selbst viele Herrschaften auf den teuren Plätzen nicht nachsagen lassen. Es war der vielleicht stimmungsvollste Nachmittag seit dem Umbau des Waldstadions, der mit einer tollen Choreographie der Eintracht-Fans begann und mit dem 4:0 über Erzgebirge Aue noch lange nicht endete. Denn der ganzen Region ist seit Samstag klar: Der erhoffte Aufstieg wird kommen.

Rechnerisch ist das Team von Trainer Armin zwar noch nicht durch, Fortuna Düsseldorf könnte heute mit einem Sieg in Dresden wieder bis auf fünf Punkte heran rücken. Aber das Selbstbewusstsein, das durch die Niederlage in Duisburg und das 1:1 gegen Ingolstadt eine kleine Delle bekommen hatte, ist wieder groß genug, um das Ziel zumindest als Zweiter zu erreichen.

"Kompliment an meine Mannschaft, wie sie heute mit dem Druck umgegangen ist", meinte Veh nach dem auch in dieser Höhe verdienten Erfolg. Der überragende Alexander Meier hatte nicht nur das 1:0 (28.) selbst geschossen, sondern kurz vor der Pause den Ball auch mustergültig auf Sonny Kittel gelegt, so dass der Youngster seinen dritten Saisontreffer erzielen konnte. Sebastian Jung (54.) und der eingewechselte Benjamin Köhler mit einem direkten Freistoß genau ins rechte Toreck (83.) sorgten nach der Pause für den Endstand.

Der Trainer hatte vor dem Anpfiff in der Kabine mit einer besonderen Aktion versucht, aus seinen Profis noch ein paar Prozent mehr Leistung heraus zu kitzeln. Was es war, wollte er nicht sagen, meinte lediglich: "Ich bin zwar sehr tierlieb, aber einen Adler habe ich nicht mitgebracht."

Am Sonntag verriet dann Bruno Hübner, dass Veh seinen Jungs ein "Motivations-Video" gezeigt habe, das zumindest beim Frankfurter Sportmanager für ein deutliches Kribbeln sorgte.

Den einzigen kleinen Wermutstropfen musste die Eintracht in Form der fünften Gelben Karte von Pirmin Schwegler schlucken, wodurch der Kapitän am kommenden Montag bei Alemannia Aachen fehlen wird. Veh wäre es zwar lieber gewesen, wenn der Schweizer die restlichen Saisonspiele ohne Sperre ausgekommen wäre, "aber immerhin ist der Pirmin so im Heimspiel gegen 1860 München wieder dabei." Da soll dann spätestens der Aufstieg gefeiert werden – vor eigenem Publikum und im ausverkauftem Stadion. Bis auf ein paar Tickets im Gästebereich sind längst alle Karten verkauft.

Doch Veh warnt vor zu vielen Gedankenspielen: "Sicher, gegen Aue haben wir ein richtig geiles Spiel gemacht, aber wir sind noch lange nicht durch." Das Team aus dem Erzgebirge war an diesem Tag auch ein angenehmer Gegner ohne den letzten Biss, der drei Tage zuvor noch Ingolstadt ausgezeichnet hatte. "Das war nicht unsere Gewichtsklasse", zuckte Aues Trainer Carsten Baumann mit den Schultern: "Wir waren haushoch unterlegen."

Was auch an der hoch konzentrierten Leistung der Gastgeber lag. Lediglich Gordon Schildenfeld leistete sich in der Anfangsphase (7.) einen bösen Patzer, der bei einem stärkeren Gegner hätte verhängnisvoll werden können. Dann aber ging‘s zielstrebig nach vorne mit der auf zwei Positionen veränderten Veh-Truppe. Sonny Kittel und Karim Matmour waren für Benjamin Köhler und Erwin Hoffer in die Startformation gerückt, "aus taktischen Gründen", wie Veh betonte: "Ich wollte unser Spiel breiter machen."

"Ich war überrascht, hatte aber keinen Frust", sagte Köhler später. Mit dem 4:0, seinem neunten Saisontor, sollte er auch endgültig die Nörgler im eigenen Fan-Lager ruhig gestellt haben. Neun Tore, neun Tor-Vorlagen, das bedeutet den neunten Platz in der Scorerwertung der Liga, ein imponierender Arbeitsnachweis.

Bei Bruno Hübner ist der Arbeitsnachweis noch nicht so greifbar für die Öffentlichkeit, der Manager arbeitet halt mehr im Geheimen. Doch gestern verriet er, dass "wir mit drei, vier neuen Spielern" schon recht weit seien. Konkrete Namen wird‘s aber erst nach dem Aufstieg geben. Also bald.

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