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Schaulaufen am Böllenfalltor: Beim Hessenderby vor 35 Jahren war die Ausgangsposition ähnlich wie jetzt

Die Eintracht oben dabei, die Lilien unten drin - das war vor 35 Jahren ganz ähnlich wie in dieser Saison. Damals hatte Frankfurt erst einmal das bessere Ende für sich.
Eintracht-Trainer Lothar Buchmann kann in Darmstadt jubeln. Bilder > Foto: Frank Eintracht-Trainer Lothar Buchmann kann in Darmstadt jubeln.
Frankfurt. 

Zwar ist es am 13. Spieltag der Saison 1981/82 für die Frankfurter Eintracht noch zu früh, für die Qualifikation für den Uefa-Cup zu planen, träumen ist aber erlaubt. Schließlich rangiert man nach dem Heimsieg gegen Bayer Leverkusen auf dem sechsten Tabellenplatz. Auch beim heutigen Gastgeber, dem SV Darmstadt 98, wird an diesem 7. November 1981 geträumt. Allerdings sorgen diese Träume eher für einen unruhigen Schlaf. Denn mit neun Punkten aus den absolvierten zwölf Bundesliga-Partien liegen die Lilien gerade einmal ein Pünktchen vor dem Schlusslicht-Trio aus Bielefeld, Duisburg und Nürnberg.

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Neutrale Zuschauer, die weder mit dem einen noch dem anderen Team fiebern, treibt wohl vor allem die Aussicht auf viele Tore ins Stadion am Böllenfalltor. Denn mit 24 Gegentreffern zählen die Darmstädter zu den Schießbuden der Liga. Und auch die Eintracht zeigte sich bislang in Sachen Torekonto eher spendabel. Zwar hat man selbst schon 25 Mal den Ball in des Gegners Netz versenkt, aber bei 22 eingefangenen Toren hat sich die Adlerabwehr bislang nicht als die stabilste erwiesen. Zudem fehlt heute verletzungsbedingt mit Bruno Pezzey, um den Bayern München und gerüchteweise auch der FC Barcelona heftig buhlen, ein wichtiger Defensivbaustein. Der Österreicher hatte sich beim Europapokalspiel gegen den SKA Rostow verletzt.

Auch die Lilien stellen auf der Liberoposition um, allerdings freiwillig. Kapitän Willi Wagner räumt seinen Posten als freier Mann und gibt ihn an Roland Gerber ab, um – mehr schlecht als recht – die Sonderbewachung des Frankfurter Mittelfeldspielers Ronald Borchers zu übernehmen. Da auch Bernecker mit Cha nicht zurechtkommt, gehören die ersten Spielminuten eindeutig den Gästen. So hat Cha in der siebten Minute die große Chance auf ein frühes Führungstor Torhüter Dieter Rudolf kann seinen Volleyschuss aber mit einer Reflexbewegung um den Pfosten drehen.

Mattern überrascht die Eintracht

Während der zahlreich vertretene Eintracht-Anhang minütlich den Führungstreffer des eigenen Teams erwartet, setzt es nach einer Viertelstunde eine Überraschung. Vorreiter tritt eine Ecke nach innen, die Eintracht verliert ohne die Kopfballstärke Pezzeys die Lufthoheit, Stetter verlängert zu Mattern und der köpft zum 1:0 für die Hausherren ein. An der Rollenverteilung ändert dieser Treffer freilich nichts. Während die Eintracht weiter den Weg nach vorne sucht, ziehen sich die Darmstädter ängstlich in die eigene Hälfte zurück. Folgerichtig fällt in der 24. Minute der Ausgleich. Ausgangspunkt ist ein Foul von Mattern an Lorant. Den fälligen Freistoß bringt Norbert Nachtweih so hart aufs Tor, dass Rudolf nur abprallen lassen kann. Scheitert Körbel noch beim ersten Nachschussversuch, ist es schließlich Lottermann, der den Darmstädter Torhüter überwindet.

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Und Lottermann kann nicht nur Abstauber, das zeigt er in der 33. Minute. Denn als Borchers seine technischen Stärken am rechten Flügel demonstriert und trotz Doppelbewachung flanken kann, ist Lottermann zur Stelle und verlängert aus vollem Lauf über Rudolf hinweg ins Netz zur 2:1-Gästeführung.

Schrecksekunde vor der Pause

Kurz vor der Pause gibt es dann Schrecksekunden für beide Parteien. Mattern, der einzige Darmstädter, der so etwas wie Torgefährlichkeit ausstrahlt, rutscht beim Kampf um den Ball mit gestrecktem Bein Richtung Jürgen Pahl und trifft den Torhüter am Kopf. Beide bleiben verletzt liegen – und für beide geht es nicht weiter. Pahl wird mit einer Platzwunde am Kopf gegen Jüriens ausgewechselt. Mattern erleidet eine Knieverletzung, für ihn kommt Posniak aufs Feld. Nach dem Anpfiff zur zweiten Hälfte scheint es, als hätten die Darmstädter nun den Mut gefasst, ebenfalls Fußball zu spielen. Spielverderber ist allerdings Jüriens, der sich als guter Pahl-Ersatz erweist und zwischen der 50. und 60. Minute den durchaus möglichen Ausgleich verhindert.

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Nach einer guten Stunde ist das Strohfeuer der Lilien allerdings heruntergebrannt, die Eintracht übernimmt wieder das Kommando auf dem Platz. Und es ist Kapitän Körbel, der in der 72. Minute die Vorentscheidung einleitet, als er Beginski einen von Rudolf zugeworfenen Ball abluchst. Karlheinz Körbel passt nach innen auf Bernd Nickel, und Dr. Hammer überwindet mit einem kapitalen Schuss aus 16 Metern den Darmstädter Torwart zum 3:1.

Lorant macht alles klar

Danach beginnt für die Frankfurter das Schaulaufen. Von einer konstruktiven Gegenwehr ist nichts mehr zu sehen, was die Eintracht als guter Gast am Böllenfalltor freilich nicht über Gebühr ausnutzt. So bleibt es bei einem weiteren Frankfurter Treffer, den Werner Lorant in der 79. Minute nach Vorarbeit von Bernd Nickel und Ronald Borchers zum 4:1-Endstand für die Riederwälder erzielt.

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Das Rhein-Main Derby steht an und die Eintracht erwartet den Tabellenletzten aus Darmstadt. Niko Kovac warnt davor, die Lilien zu unterschätzen. Wie sehen die Chancen der Adler gegen Darmstadt aus? Wir haben die Spieler im Duell "Mann gegen Mann" gegenübergestellt.<b>Lukas Hradecky (Torwart)</b><br></br>
Nach seinem Platzverweis in Leipzig kehrt der Stammtorhüter wieder zurück ins Tor der Eintracht. Seine Vertretung, Heinz Lindner, machte seinen Job auf Schalke sehr ordentlich, doch am Finnen ist kein Vorbeikommen.<b>Michael Esser (Torwart)</b><br></br>
Der Keeper der Lilien spielt bisher eine nahezu fehlerfreie Saison. In seinem ersten Bundesligajahr wird er aber von seinen Vorderleuten regelmäßig im Stich gelassen. Dadurch kassierte er bereits 36 Gegentore. Nur die Torhüter in Bremen mussten bisher mehr Bälle aus dem Netz holen (38). <b>Der Punkt geht klar an die Eintracht - 1:0.</b>

Entsprechend zufrieden zeigt sich Eintracht-Trainer Lothar Buchmann, der die Lilien als Trainer 1978 erstmals in die Bundesliga geführt hatte: „Dieser Sieg hat unser Selbstvertrauen gestärkt. Unser Rezept, die Darmstädter frühzeitig zu stören, ging weitgehend auf. Danach konnten wir beruhigt aufspielen. Wir hätten sogar noch höher gewinnen können. Es verwunderte mich, dass wir trotz des Europacup-Spiels vom Mittwoch zum Schluss mehr Kraft hatten als die Darmstädter.“

Blick in die Glaskugel

Ihre Ziele freilich werden beide Mannschaften am Ende nicht erreichen: Die Eintracht kann sich nicht auf einem Uefa-Cup-Platz halten und schließt die Saison als Achter ab. Auch im Europapokal der Pokalsieger ist nach dem Viertelfinale Schluss, man zieht gegen Tottenham Hotspur (0:2, 2:1) den Kürzeren. Also nichts mit Europa in der nächsten Saison, denn im DFB-Pokal scheidet man bereits in der zweiten Runde nach einem 1:3 in Düsseldorf aus.

Für die Darmstädter, zu Beginn der Saison aufgestiegen, ist wie schon nach dem ersten Bundesliga-Abenteuer 78/79 bereits nach einer Spielzeit wieder Schluss. Als 17. verabschiedet man sich als Tabellenvorletzter. Es soll bis zur Bundesligasaison 2015/16 dauern und Umwege über die Dritte und Vierte Liga mit sich bringen, bis die Lilien wieder erstklassig kicken.

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