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Frankfurter Fußballboss vor HSV-Spiel: Bruchhagen im Interview: "Ist das noch meine Welt?"

Profi-Gehälter, TV-Gelder, Abwärtskampf und Scouting: Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen hat sich in einem Interview zu einer Menge Themen geäußert. Interessant auch seine Antwort auf die Frage, ob er fußballmüde sei.
Foto: imago sportfotodienst
Frankfurt.  Ist Heribert Bruchhagen etwa fußballmüde? Zwei Tage vor dem Spiel gegen den HSV veröffentlicht das „Hamburger Abendblatt“ ein großes  Interview mit dem Frankfurter Fußball-Boss. Am Ende des Gesprächs fragt der Reporter, ob er - Bruchhhagen - ohne Fußball leben könne. Die Antwort war kein eindeutiges Ja. Bruchhagen wörtlich: „Wenn ich am Freitag vor einem Spieltag in den Mannschaftsbus steige und dort immer jüngere Spieler sitzen, mit denen ich nicht mehr so viel anfangen kann, fragst du dich schon manchmal: Ist das noch meine Welt?“

Mit dieser Antwort gab sich der Reporter nicht zufrieden, er hakte nach: „Also doch fußballmüde“. Bruchhagens erstes Wort ließ keine Zweifel zu: „Nein“, sagte er. Aber dann fügte er diesen Satz hinzu: „Es sind eher die sich vom Fußballspiel entfernenden Tätigkeiten. Du musst zu Theaterpremieren, zur Handelskammer, sollst Marketingentscheidungen treffen. Manchmal überlege ich, ob es richtig war, den Schritt vom Manager zum Vorstandsvorsitzenden gegangen zu sein.“

O-Ton Heribert Bruchhagen. Von 1992 bis 1994 war er Manager beim HSV. Seit 2003 ist er Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt; Mitte dieses Jahres, mit dem Ende der laufenden Saison, hört er auf. In dem Interview redete er wie gewohnt Klartext. Beispiele:

Stichwort „TV-Gelder“: „1989, zu meiner Zeit bei Schalke 04, bekamen alle Clubs das gleiche Fernsehgeld. Eine Million Mark! Heute geht die Schere immer weiter auseinander, nicht nur national, sondern auch bei den internationalen TV-Geldern. Traditionsvereine wie der HSV, die Eintracht, Hannover, Bremen, Köln, Stuttgart oder Hertha werden sich daran gewöhnen müssen, sich immer ‚below the line‘ zu bewegen, um die Plätze fünf bis 18 zu spielen.“

Stichwort „wachsenden Konkurrenzkampf von Traditionsclubs wie HSV und Eintracht“: „Das ist so was wie mein Vermächtnis, was aber nur Ärger mit sich bringt. Beim Erstellen des Markenbildes wird es ganz wichtig sein, die Zuschauer und begleitenden Journalisten im Hinblick auf die Realitäten in der Bundesliga aufzuklären.“

Stichwort „finanzielle Lage der Eintracht“: „Unser Umsatz wird am Ende dieser Saison bei 103 Millionen Euro liegen, unser Eigenkapital beträgt 8,8 Millionen Euro, bei Bankverbindlichkeiten von null Euro. Fällt unser Eigenkapital auf unter 5,5 Millionen Euro, muss ich sofort eine Aktionärsversammlung einberufen.“

Stichwort „Scouting“: „Die Realität sieht doch so aus, dass die Vorstände ein Netzwerk mit zehn, zwölf Beratern betreiben, denen sie vertrauen. Die kommen dann zu Besuch, um über einen unter Vertrag stehenden Spieler zu sprechen, und sagen dann: Ich hätte da noch den einen oder anderen Spieler im Angebot. Dann setzt das Scouting ein.“
 
Stichwort „Spielergehälter“: „Als ich beim HSV als Manager arbeitete, war Thomas von Heesen mit 30.000 Mark der Topverdiener. Heute liegt die Grenze im Millionenbereich.“
 
Stichwort „Grenze bei den Gehältern“: Soll ich mich beklagen? Das wäre pharisäerhaft. Ich habe damals beim HSV 20.000 Mark verdient als Manager und habe das als sehr viel Geld empfunden. Aber ich bin genauso mitgewachsen. Natürlich ist es ungewöhnlich. Was geht in einem 20-Jährigen vor, der plötzlich eine Million Euro verdient und womöglich aus einfachen Verhältnissen kommt? Wie ist er auf solch einen Sachverhalt vorbereitet?

Das ganze Interview des Hamburger Abendblatts mit Heribert Bruchhagen lesen Sie hier.
 
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