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Eintracht Frankfurt: Danny da Costa: "Jeder ackert für jeden"

Von Einen Großteil seiner bisherigen Fußballerlaufbahn hat der 24-Jährige bei Bayer Leverkusen verbracht, der erste Durchbruch gelang ihm in Ingolstadt. Jetzt ist er drauf und dran, bei der Eintracht durchzustarten.
Danny da Costa Foto: Huebner/Ulrich (Jan Huebner) Danny da Costa

Hallo Danny, es gab da mal ein Spiel in Frankfurt ...

... über das ich lieber nicht sprechen möchte (lacht). Ich glaube, ich weiß nämlich schon, worum es geht: um das verlorene Finale der deutschen B-Jugendmeisterschaft mit Leverkusen gegen die Eintracht, richtig?

So ist es. Ihr wart Favorit und hattet eine starke Mannschaft.

Ja, aber irgendwie wollte der Schiedsrichter uns kein Tor gönnen – er hat uns gleich zwei zurückgepfiffen. Zumindest bei dem einen weiß ich bis heute noch nicht warum. Ich denke, es wäre nicht unverdient gewesen, wenn wir gewonnen hätten.

Sie haben das Spiel also noch vor Augen?

Klar, ich habe noch einen Kumpel, Kevin Demuth, der damals bei der Eintracht mitgespielt hat – und der mich regelmäßig daran erinnert. Also wird es mir schwer fallen, das jemals zu vergessen.

Das Finale haben Sie damals zwar verloren, aber was den Sprung in den Profifußball angeht, waren die Leverkusener Spieler erfolgreicher als die Frankfurter. Wissen Sie, wo Ihre damaligen Kollegen gelandet sind?

Ja, von den meisten weiß ich das. Niklas Lomb ist dritter Torwart bei Bayer, Luca Dürholtz spielt in Kiel Zweite Liga, Leart Paquarada bei Sandhausen und Kolja Pusch in Heidenheim. In der Dritten Liga spielen Erik Zenga bei Halle und Okan Aydin bei Chemnitz. Und dann war da natürlich Samed Yesil, der zum FC Liverpool gegangen ist, dann aber zwei Kreuzbandrisse hatte. Jetzt spielt er in Griechenland.

Auch Sie mussten Leverkusen verlassen, um Ihren Platz im Profifußball zu finden. Und auch jetzt bei der Eintracht mussten Sie erst einmal etwas Geduld aufbringen.

Ich freue mich immer, wenn ich meine Leistung auf dem Platz zeigen darf.

Am Gegentor beim 0:1 in Stuttgart waren Sie ja nicht ganz unbetei-ligt ...

Stimmt. Als es los ging war ich vielleicht einen Schritt in der gegnerischen Hälfte, dann war ich etwas langsamer in der Rückwärtsbewegung, weil ich dachte, dass David (Abraham, Anm. d. Redaktion) den Ball bekommt. Erst als klar war, dass er ihn doch nicht bekommen hat, habe ich wieder angezogen. Und als der Ball dann vom Pfosten zurückgeprallt ist, war ich zu spät.

Bis auf diese Szene hat es bisher doch ziemlich gut geklappt mit Ihnen und Marius Wolf auf der rechten Seite?

Ja, in der Vorbereitung haben wir auch schon ein paar Spiele zusammen gemacht. Und wir verstehen uns auch außerhalb des Platzes gut. Außerdem macht es Marius richtig gut und es ist schon angenehm, mit jemandem zusammen zu spielen, mit dem man sich gut versteht und der oft ähnliche Ideen auf dem Platz hat wie man selbst auch. Gegen Stuttgart hat es vielleicht nicht ganz so funktioniert, aber sonst haben wir uns gut ergänzt.

Zuletzt hat Marius Wolf oft den Weg in die Mitte gesucht und es war extrem viel Raum und Platz auf der rechten Seite, den sie zu beackern hatten.

Ja, aber das ist natürlich auch ein bisschen beabsichtigt, den Gegner in Bewegung zu bringen und dafür zu sorgen, dass er nicht immer weiß, wohin er sich orientieren soll – einfach nicht so greifbar zu sein. Da ist Marius schon sehr flexibel und das hilft mir natürlich auch, weil der linke Verteidiger des Gegners oft nicht weiß, ob er nach außen geht oder mit Marius nach innen. Das gibt einem etwas Zeit und Platz.

Es geht jedenfalls ganz schön offensiv zu auf dieser Seite ...

Ein gewisses Risiko ist natürlich dabei. Wie bei dem Tor in Stuttgart, das man aber trotzdem hätte verhindern können, wenn man die zwei drei Meter weiter läuft. Wir hatten genug Möglichkeiten, das Tor zu verhindern.

Es gab ganz schön heftige Kritik für den Auftritt in Stuttgart. Überraschend heftig?

Ich habe ehrlich gesagt kaum etwas gelesen. Aber wir waren selbst total enttäuscht über die Art und Weise – wir konnten uns kaum Möglichkeiten herausspielen. Dabei hatten wir uns vorgenommen, nach dem richtig guten Spiel gegen Leipzig gleich noch ein richtig gutes Spiel nachzulegen. Wir haben uns selbst darüber aufgeregt, dass es nicht geklappt hat. Es ist ja oft so, dass alles super ist, wenn man gewonnen hat und alles in Frage gestellt wird, wenn ein Spiel verloren geht. Das ist ganz normal.

Sie haben 2011 das erste Mal in der Bundesliga gespielt ...

Richtig, und in meinem ersten Spiel gegen die Bayern ordentlich auf die Mütze bekommen. Nach 20 Minuten stand es schon 3:0. Und dann haben die Bayern zum Glück den Gang rausgenommen, sonst wäre es wahrscheinlich eher 6:0 ausgegangen.

... und dann haben Sie etwas Geduld gebraucht.

Ja, das stimmt. Ich habe im ersten Jahr noch fünf weitere Spiele für Bayer gemacht und mich dann leider wieder verletzt. Und dann bin ich 2012 nach Ingolstadt gewechselt, um regelmäßig spielen zu können.

Und wie war es in Ingolstadt?

Es war eine richtig schöne Zeit. Ich habe eigentlich nur positive Erinnerungen an die vier Jahre, bis auf eine Verletzung. Ich habe viele neue Freundschaften geschlossen und die Chance gehabt, mich im Profifußball zu etablieren. In der Zweiten Liga ist das vielleicht noch anders als in der Bundesliga, da dort viele Mannschaften über die Laufarbeit und den Kampf kommen. Das hat mir gut getan, nachdem ich mehr oder weniger gerade aus der Jugend gekommen bin.

Und Leverkusen?

Dort habe ich meine ganze Jugend gespielt. Wir sind sogar mit der Familie von Köln dorthin gezogen, damit es mit dem Training und der Schule einfacher wird.

Wie war es, dort wegzugehen?

Beim ersten Wechsel tat es fast schon weh, jedenfalls war es eine riesige Überwindung. Ich habe ja bis dahin zu Hause gewohnt, meine Mama hat sich um alles gekümmert – und alle meine Freunde haben auch dort gewohnt. Und die Entscheidung, nach Ingolstadt zu wechseln, ist ja gefühlt innerhalb weniger Tagen gefallen. Es war jedenfalls nicht so, dass ich mich da groß hätte drauf vorbereiten können. Die ersten Wochen und Monate waren hart, aber ich hatte das Glück, dass meine Familie und Freunde mich oft besucht haben. Der zweite Wechsel hatte einen anderen Hintergrund, dieses Mal ist es mir nicht mehr schwer gefallen.

Das gehört ja auch zum Leben als Profifußballer dazu. Ist denn Frankfurt so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

In Ingolstadt war alles sehr familiär und die Sportart Nummer eins war eher Eishockey. Und wenn man als Spieler von Bayer Leverkusen in Köln lebt, hat man auch ziemlich seine Ruhe. Frankfurt ist da für mich eine ganz neue Erfahrung. Diese Fankultur kannte ich von meinen anderen Vereinen noch nicht in der Art. Das war schon an dem Tag so als ich den Vertrag unterschrieben habe. Nach dem Treffen bin ich noch in der Stadt etwas essen gegangen, da kamen gleich die ersten Leute auf mich zu und haben mir zu dem Wechsel gratuliert. Und spätestens als ich in meine Wohnung eingezogen bin, ist mir klar geworden, was für eine große Nummer die Eintracht hier ist: Wirklich jeder, der etwas gebracht oder aufgebaut hat, hatte einen Pulli von der Eintracht an.

Sie und Ihre Mitspieler tun ja einiges dafür, dass die Popularität der Eintracht weiter steigt. Unter anderem mit Hilfe eines besonderen Mannschaftsgeistes, wie viele Ihrer Kollegen hier betont haben?

Man kann wirklich sagen, dass der Mannschaftsgeist etwas besonderes ist. Hier läuft und ackert jeder für jeden. Gegen Leipzig haben wir das Spiel gedreht und schon in der Hinrunde einige Spiele am Schluss noch für uns entschieden. Das würde nicht funktionieren, wenn wir nicht so ein Mannschaftsgefüge hätten und die Mentalität nicht stimmen würde.

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