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Eintracht Frankfurt: Das Comeback des „Fußball-Gotts“: Alexander Meier kommt und trifft

Von Fast ein Jahr lang hat Alexander Meier für die Eintracht kein Spiel bestreiten können. Beim 3:0 gegen den HSV setzte er den Schlusspunkt.
Präsident Peter Fischer (rechts) hat Alexander Meier im Griff und der den Spielball: So feierten die beiden das Comeback des Kapitäns. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Präsident Peter Fischer (rechts) hat Alexander Meier im Griff und der den Spielball: So feierten die beiden das Comeback des Kapitäns.
Frankfurt. 

In solchen Momenten entwickelt selbst ein Genussmensch mit Prinzipien wie Peter Fischer neue Gelüste. „Heute trinke ich mal ein Bier“, sagte der Präsident der Frankfurter Eintracht. Normalerweise ist er edlere Tropfen gewohnt. Aber was war an diesem Abend schon normal?

Fischer überragt nach den Spielen in der Mixed Zone der Frankfurter Fußball-Arena allein schon wegen seiner Körpergröße. Der Präsident fiel nach dem 3:0 (1:0) gegen den Hamburger SV aber auch wegen seiner feuchten Augen auf. Und durch die Art und Weise, wie er sein Innerstes nach außen kehrte. „Im Stadion haben heute 40 000 Menschen geweint, als Alex Meier eingewechselt wurde“, sagte Fischer und musste selbst wieder schlucken. Seine Stimme klang noch etwas rauer als sonst: „Ich bin in die Kabine und habe ihn um ein Selfie gebeten. Zum ersten Mal in 14 Jahren.“ Der Präsident als Fan.

Bilderstrecke Einzelkritik: So haben sich die Adler gegen den HSV geschlagen
Die Eintracht hat den HSV mit 3:0 besiegt. Wie haben sich die einzelnen Spieler geschlagen. Wir haben hier die Einzelkritik der Eintracht-Jungs.Alexander Meier: Schon stürmisch gefeiert, als er in der 87. Minute für Sébastien Haller aufs Feld kam. Vier Minuten später, nach seinem Tor beim zweiten Ballkontakt, war dann der Hexenkessel perfekt.

Es lohnte sich ja auch, diesen Moment festzuhalten. Einen Moment, wie ihn eigentlich nur hoch bezahlte Drehbuchautoren in Hollywood ersinnen können. Eine Story, die viel zu kitschig erscheint, um wahr sein zu können.

Da steht dieser Alexander Meier mit seinen 35 Jahren nach einer schier unendlichen Krankheits- und Verletzungsgeschichte erstmals in dieser Saison im Kader und vor seinem Comeback in der Fußball-Bundesliga. Da wird er in der 87. Minute eingewechselt, nachdem fast das ganze Stadion schon minutenlang lautstark nach seinem „Fußball-Gott“ verlangt hatte. Und dann versenkt er vier Minuten später nach einer Flanke des beim Kontern weit aufgerückten David Abraham den Ball im langen Eck des Hamburger Tors. Volley, mit der Innenseite des linken Fußes. Den mitgelaufenen Kollegen Gacinovic hatte er zuvor aus dem Gefechtsfeld geschickt.

„Ein Fußball-Märchen“

Keine einfache Sache, aber bei Meier sieht es aus wie ein Kinderspiel. „Das war ganz groß“, sagte Peter Fischer. Er war am Donnerstagabend mit dem „Langen“ zum Essen verabredet und hatte ihm diesen Verlauf vorausgesagt. „Es darf auch mal ein Fußball-Märchen geben. Bei uns ist ja sonst nichts los“, ergänzte Axel Hellmann genießerisch unter Verweis um die Kontroverse um Trainer Niko Kovac (lesen Sie dazu auch den unten stehenden Bericht). Der Marketing-Vorstand gehörte zu der Party-Gesellschaft, die sich in der Eintracht-Loge in den Armen gelegen hatte, während auch der Rest der Arena tobte: „Ich habe schon angefangen zu jubeln, als die Flanke von David ’reinkam“, sagte Hellmann.

Beim HSV geht der Blick nur nach vorne

HSV-Trainer Christian Titz hat die „ärgerliche Niederlage“ bei Eintracht Frankfurt (0:3) für abgehakt erklärt. „Wir haben die Partie mit den Spielern heute noch einmal analysiert.

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Nur Meier selbst kommentierte das Ganze gewohnt trocken. Das ist sein Naturell. „Nach dem 2:0 für uns habe ich gehofft, dass es für einen Einsatz reichen könnte“, erzählte er hinterher: „Im Spiel selbst habe ich auch immer gehofft, dass so eine Chance kommt. David hat eine super Flanke geschlagen, ich habe den Ball ganz gut getroffen – das hat gut geklappt.“ Meier lief danach mit weit ausgebreiteten Armen zum Stehplatz-Block. Es schien, als ob er jeden einzelnen Fan umarmen wollte. „Ich wollte auch Danke sagen und etwas zurückgeben“, meinte er: „In der Stadt haben mich die Menschen immer aufgebaut.“

Aber auch die Teamkollegen, die sich mit Meier freuten. Sein alter Weggefährte Marco Russ bemühte eine alte Branchen-Phrase, die in diesem Moment allerdings absolute Berechtigung hatte: „Solche Sachen gibt es nur im Fußball.“ Auch Russ hatte eine Vorahnung gehabt: „Ich hätte mein ganzes Vermögen darauf verwettet, dass er heute ein Tor macht.“ Einem lustigen Vogel wie Gelson Fernandes wurde plötzlich ganz ernst zumute: „Seit ich hier bin, haben mir alle gesagt, Alex sei brutal im Strafraum“, erzählte der Schweizer: „Jetzt habe ich es selbst gesehen.“

Fußball Europa League Gruppe F: Eintracht Frankfurt - APOEL Nikosia am 12.12.2013 in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main (Hessen). Die Frankfurter Fans halten vor dem Anpfiff ein riesiges Eintracht-Logo im Fanblock hoch. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Kommentar zur Eintracht: Meier tut gut

Der Fußball ist ein hartes, mitunter brutales Geschäft geworden. Aber er liefert auch immer wieder Geschichten voller großer Emotionen.

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Und mit einem Mal ist auch Meiers Zukunft wieder ein Thema. Bisher war die Situation so: Der Bundesliga-Torschützenkönig von 2015 ist über 30 Jahre alt, sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Es gibt einen Anschlussvertrag über eine noch nicht näher besprochene Weiterbeschäftigung. Und vor allem Trainer Niko Kovac war nie ein Anhänger seiner Spielweise. Zu langsam, zu wenig Arbeit gegen den Ball, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Meiers Abschied nach 14 Jahren bei der Eintracht schien eine beschlossene Sache zu sein. Aber nun geht Kovac. Neuer Trainer, neue Chance für Meier?

Marco Russ betonte: „Ich bin ganz klar pro Alexander Meier. Wenn Alex gesund bleibt, tut er jeder Mannschaft gut.“ Der Torjäger selbst sagt: „Ich bin schmerzfrei. Deswegen werde ich auch nächste Saison weiterspielen. Ich hoffe, dass das hier ist. Aber das werden wir alles sehen“, erklärt Meier, der selbstkritisch zugibt, dass er „noch keine Kraft für 90 Minuten“ habe.

„Realismus walten lassen“

Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic klang allerdings selbst nach diesem emotionalen Nachmittag nicht sonderlich pro Meier. Auf die Frage, ob der Stürmer sich jetzt wieder Hoffnungen auf einen neuen Vertrag machen könne, sagte Bobic kühl: „Erst mal freue ich mich für den Jungen. Dass er das Tor macht, ist super. Was will man mehr? Aber wir sollten erst einmal über das Spiel auf Schalke diskutieren und das Pokal-Finale. Und außerdem sollte man Realismus walten lassen und nicht die Fantasie und irgendwelche Herzgeschichten.“ Harte Worte an einem tränenreichen Tag.

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