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Eintracht Frankfurt: Das Glück der Tüchtigen

Von Hinten Hradecky, vorne Haller: Beim erneuten Last-Minute-Sieg verdeckt die individuelle Klasse der Eintracht die Abwehrprobleme.
Unaufhaltsam: Kevin-Prince Boateng (Mitte) setzt sich gegen die Bremer Bargfrede (links) und Eggestein durch. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Unaufhaltsam: Kevin-Prince Boateng (Mitte) setzt sich gegen die Bremer Bargfrede (links) und Eggestein durch.
Frankfurt. 

Kein großer Jubel, eher kollektive Erleichterung. Und dann schalteten sie bei Eintracht Frankfurt ziemlich schnell auf Erholungsmodus. Nach dem Sieg gegen Werder Bremen gewährte Trainer Niko Kovac freie Tage bis einschließlich Montag. Axel Hellmann verabschiedete sich vor der Länderspielpause in der Fußball-Bundesliga gar in einen zehntägigen Urlaub. Der Marketing-Vorstand sprach von einer „absolut guten Woche für Eintracht Frankfurt“. Erst die äußerst werthaltige Partnerschaft mit der Deutschen Bank, dann die drei Punkte gegen Werder Bremen: „Das sind starke Schritte nach vorne.“

Bei aller Freude fühlte sich Hellmann auch zu Dank verpflichtet – wie schon nach dem ebenso glücklichen Unentschieden gegen Borussia Dortmund, als es ihn in die Kirche zog. Vor seiner Abreise wollte er im Dom noch eine Kerze aufstellen.

Auch Niko Kovac ist ein gläubiger Mensch. Aber wenn es um Fußball geht, denkt der Frankfurter Trainer ausschließlich weltlich. „Bei einem anderen Ergebnis hätte es einen freien Tag weniger gegeben“, verriet der Coach nach dem glücklichen 2:1 (1:1) gegen Werder Bremen. „Ich werde nach diesem Spiel nicht überschwänglich feiern“, sagte Kovac: „Das hätte heute auch in die Hose gehen können. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Mit 18 Punkten in der Tabelle sei „noch nichts passiert. Wir müssen den Abstand nach unten weiter vergrößern.“ Das letzte Wort wiederholte er noch zwei Mal. Es hörte sich wie eine Beschwörung an: bloß nicht abheben, bloß keine falschen Rückschlüsse ziehen. Als jemand aus der Fragerunde Parallelen zur äußerst erfolgreichen Vorrunde der vergangenen Saison zog, schmunzelte Kovac nur. Zu tief sitzen noch die Eindrücke der schlimmen Rückrunde.

Aber es gibt die Mut machenden Parallelen nun einmal: Nach fünf Bundesliga-Spielen ohne Niederlage liegt die Eintracht nur zwei Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Sie hat wieder Spielglück, dass man im Fußball nun einmal neben Fitness und einer Spielidee ebenfalls braucht. Und was noch viel wichtiger ist: Sie hat aktuell zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Dieser Abstand – siehe oben – ist immer noch das, was Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic am meisten interessiert.

Um das 1:1 „gebettelt“

Auch Bobic bleibt realistisch: „Wenn es beim 1:1 geblieben wäre, wäre es leistungsgerecht gewesen. Die Bremer haben das in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht und uns vor große Probleme gestellt.“ Marc Stendera sprach gar von einer „katastrophalen“ ersten Halbzeit, in der man um das 1:1 förmlich „gebettelt“ habe. In dieser ersten Halbzeit habe seine Mannschaft gegen aggressiv nach vorne verteidigende Bremer „pomadig“ gespielt, kritisierte auch Kovac. Sein Dank galt Lukas Hradecky, „der uns im Spiel gehalten hat. Ohne ihn wären wir mit einem 1:3 in die Pause gegangen. Dann wäre der Drops gelutscht gewesen.“

Was insbesondere an der Abwehr gelegen hätte. Die neuformierte Viererabwehrkette um Jetro Willems, Simon Falette, David Abraham und Aushilfs-Rechtsverteidiger Carlos Salcedo erwies sich als Sicherheitsrisiko. In der zweiten Halbzeit, nachdem Kovac auf eine Dreierkette umgestellt hatte, präsentierte sich die Eintracht hinten stabiler: „Da waren wir die bessere Mannschaft, haben keine Torchancen mehr zugelassen und hatten selbst eine Vielzahl davon“, betonte der Frankfurter Coach.

Und sie hatten Sébastien Haller, der urplötzlich aus der Versenkung auftauchte, in der er sich gegen Bremen 88 Minuten lang aufgehalten hatte, und mit einem sehenswerten Volley-Schuss das 2:1 erzielte. Wieder der Franzose, wieder ein Last-Minute-Sieg: Niko Kovac wollte nicht nur von Glück reden. Für ihn ist es das Glück der Tüchtigen: „Voraussetzung ist körperliche Fitness und die hat meine Mannschaft. Und den Willen. Wir glauben immer an den Sieg.“ Deshalb habe er Haller auch bis zum Schluss auf dem Feld gelassen.

Doch auch das Glück der Tüchtigen muss ständig neu erarbeitet werden. Deswegen sollen die Spieler am freien Montag individuelles Lauftraining machen. Am Dienstag, dem Tag vor dem ersten regulären Training der Woche, steht ein Leistungstest auf dem Programm. „Die Vorbereitungszeit auf die Rückrunde ist diesmal kurz. Wir wollen den Ist-Zustand ermitteln“, sagt Kovac. Sie überlassen nichts dem Zufall. Das Glück der Tüchtigen soll nicht überstrapaziert werden.

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