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Eintracht Frankfurt: Der Aufwärtstrend ist nach dem Fehlstart deutlich bemerkbar

Die Eintracht stoppt innerhalb von vier Tagen erst Marseille und dann Leipzig. Was auch an der Plan-Änderung des Trainers liegt.
Ein starkes Team: Frankfurter Freude über das 1:0 durch Gelson Fernandes (vorne) Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Ein starkes Team: Frankfurter Freude über das 1:0 durch Gelson Fernandes (vorne)
Frankfurt. 

Knapp drei Monate leitet Adi Hütter die Profis von Eintracht Frankfurt an, aber mittlerweile trainiert er eine andere Mannschaft als zu Dienstbeginn. Es gibt eine Eintracht-Mannschaft vor dem Supercup- und dem Pokalspiel und eine andere danach. „Wenn ich die Mannschaft sehe, die gegen Bayern oder Ulm gespielt hat und sie mit heute vergleiche – das sind für mich zwei Paar Schuhe“, sagte der Fußballlehrer nach dem leistungsgerechten 1:1 (1:0) gegen RB Leipzig. Die Frankfurter Eintracht hat sich in dieser kurzen Zeit verändert, sie tritt gefestigter, kompakter auf, alles in allem auch besser – und scheint teilweise an den Kovac-Stil der vergangenen Runden anknüpfen zu wollen.

Der Kovac-Stil, der Eintracht Frankfurt zwei Jahre ausgezeichnet hatte, war jene Mischung aus Aggressivität, hoher Laufbereitschaft und einem fruchtbaren Zusammenspiel aller Mannschaftsteile gepaart mit großem Willen und dem Vermögen, auch in scheinbar aussichtslosen Lagen die Flinte nichts ins Korn zu werfen. Aktuell sieht es so aus, als nähere sich die Mannschaft diesem Ideal wieder langsam an. Die Energieleistungen in Unterzahl gegen Bremen oder bei Olympique Marseille waren beeindruckend, auch gegen Leipzig am Sonntag hatten die Frankfurter in der Schlussviertelstunde noch genügend Körner (und Torchancen), um einen möglichen Sieg einzufahren.

Läuferisch und kämpferisch agierten die Hessen auf hohem Niveau, sie liefen mehr als die Leipziger, legten 699 intensive Läufe hin (RB: 621) und gingen in 225 Sprints, und das keine 72 Stunden nach dem kräfteraubenden Auftritt in Marseille. Die Eintracht zählt zu den laufstärksten Teams in der Liga. „Damit bin ich zufrieden“, urteilte Hütter, der ursprünglich ein anderes Konzept verfolgte, eines, das deutlich offensiver, deutlich agierender ausgerichtet sein sollte. Sich davon vorerst zu verabschieden und sich stattdessen am Machbaren zu orientieren, spricht für einen klugen Trainer.

Den Eintracht-Profis kann niemand den Vorwurf machen, sie würfen nicht alles in die Waagschale; im Gegenteil: Sie investieren sehr viel, müssen jetzt schon, in der Anfangsphase der Saison, ans Limit gehen. Das kann sich, gerade vor dem Hintergrund zusätzlicher internationaler Belastungen, noch als Bumerang erweisen. Doch gerade ein Spieler wie Danny da Costa, wegen des langfristigen Ausfalls von Timothy Chandler (Knorpelschaden) auf seiner rechten Seite konkurrenzlos und zum Dauerspielen verdammt, wird seine Top-Leistungen bei Spielen im Drei-Tage-Rhythmus nur schwerlich halten können.

Keine adäquate Alternative

Und wehe, er sollte sich verletzten – die Eintracht hätte auf seiner Position praktisch keine adäquate Alternative. „Jedes Mal, wenn er am Boden liegt, hoffe ich, dass er wieder aufsteht“, sagte Adi Hütter. Man müsse behutsam mit ihm umgehen, darauf achten, gut zu regenerieren. Auch ihn, der kurz vor dem Ende ebenfalls die Möglichkeit zum Siegtreffer auf dem Fuß hatte, lobte der Trainer: „Das Tor hätte ich ihm gegönnt, er ist unheimlich lernwillig.“

Doch diesen hohen physischen Aufwand muss die Eintracht betreiben, um konkurrenzfähig zu bleiben und erfolgreich zu sein. Spielerisch ist noch eine Menge Luft nach oben, fußballerisch kann die Eintracht die Konkurrenz allenfalls in Teilen niederhalten. Gerade im zentralen Mittelfeld fehlt einer, der die Fäden zieht, der Ideen hat, Jonathan de Guzman oder Mijat Gacinovic kommen trotz aller Bemühen über Ansätze bislang nicht hinaus, am Ende versandeten viele gut gemeinte Bälle im Gestrüpp der Hintermannschaft – oder im Seitenaus.

Hütter hat aber auch festgestellt: „Phasenweise geht es spielerisch in die richtige Richtung.“ Der Treffer zum 1:0 gegen Leipzig war das Endprodukt einer feinen Kombination über David Abraham, Luka Jovic und Sébastien Haller, ehe Gelson Fernandes den Ball über die Linie drückte. Auch der 2:1-Siegtreffer in Marseille war fein herausgespielt. Das passiert aber noch zu selten.

Immerhin lerne die Mannschaft jeden Tag dazu. „Die Spieler wollen sich weiterentwickeln, sind sehr, sehr hungrig.“ Auch taktisch agierten die Hessen flexibel: Nach vier Spielen mit einer Viererabwehrkette schalteten sie nahezu mühelos auf eine Dreierkette um, womit die Leipziger nicht gerechnet hatten. „Ich wollte sie überraschen, das ist uns ganz gut gelungen“, sagte Hütter. Dazu ist es dem 48 Jahre alten Österreicher offenbar gelungen, die vielen neuen Spieler relativ schnell zu integrieren. Die Mannschaft wirkt intakt, verfügt über eine gute Mentalität, steht zusammen, die Verwerfungen, die die zeitweilige Aussortierung einzelner Spieler in die Trainingsgruppe zwei mit sich hätten bringen können, sind Vergangenheit.

Bei allem zu lobenden Einsatz ist der Ertrag – vier Punkte aus vier Spielen – nicht optimal. Den Punkt gegen RB Leipzig empfand Hütter als „gerecht, er ist mir aber zu wenig“. Platz 13 und das schwere Auswärtsspiel am Mittwoch (20.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach ist nun wahrlich kein sanftes Ruhekissen – allerdings war und ist das Auftaktprogramm mit Gegnern wie Dortmund und Leipzig nicht ohne. Die Eintracht hat sich achtbar geschlagen, das Team, das man hätte schlagen müssen, nämlich den SC Freiburg, hat man geschlagen, gegen Bremen hat die Eselei von Jetro Willems ein mögliches Erfolgserlebnis verhindert.

Manches erinnert durchaus an die vergangene Europapokal-Saison 2013/14 unter Trainer Armin Veh. Da holte sich Eintracht Frankfurt ihre Meriten auf internationalem Parkett mit Siegen gegen Girondins Bordeaux, Hapoel Tel Aviv und Apoel Nikosia, kam in der Liga, im Alltag, aber nur schwer in Tritt. Am vierten Spieltag hatten sie seinerzeit drei Zähler auf dem Konto, zur Winterpause lediglich 17, das war Rang 15, und eine latente Abstiegsgefahr war immer vorhanden.

Adi Hütter immerhin ist guter Dinge: „Wir sind von 100 Prozent ein Stück weit weg, aber der Zeitpunkt wird kommen, an dem ich zu 100 Prozent zufrieden bin.“ Die Frage ist nur, wann.

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