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Charlys Blickwinkel: Der BVB hat Raketen

Charly Körbel (61) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.
So war es 1982 gegen Dortmund: Charly Körbel nimmt es unter anderem mit Rüssmann, Zorc und Loose (von rechts) auf. Foto: imago sportfotodienst So war es 1982 gegen Dortmund: Charly Körbel nimmt es unter anderem mit Rüssmann, Zorc und Loose (von rechts) auf.

Bei aller Freude über die Eintracht war außerhalb der Region natürlich RB Leipzig das Thema Nummer eins in dieser Woche. Jeder fragt sich, ob das Märchen des Aufsteigers weitergeht oder ob es nur ein kurzer Aufenthalt an der Tabellenspitze sein wird. Wie angestochen der FC Bayern derzeit ist, zeigt eine Aussage von Kalle Rummenigge. Die Champions League sei nicht so wichtig, am Samstag werde man den wahren FCB sehen, der sich rasch den Platz an der Sonne zurückholen wird, kündigte er an. Da bin ich gespannt, denn Leipzig steht derzeit verdient ganz oben, auch wenn die Spiele gegen München und Dortmund noch ausstehen. Für Spannung ist zumindest zunächst gesorgt.

Ähnlich großartig schlägt sich bisher auch die Eintracht. Im Frühjahr, als es um den Klassenerhalt ging, hatte ich mehr Heimstärke gefordert, um die notwendigen Punkte zu holen. Jetzt haben wir zwei Stärken: Die Heim- und die Auswärtsstärke. Hatten wir in Darmstadt und Freiburg noch diverse Fehler gemacht, so haben wir uns inzwischen deutlich verbessert. Nehmen wir Bremen: Werder hat gegen uns zu Hause immer sehr offensiv gespielt. Diesmal waren die Gastgeber recht zurückhaltend. Die Mannschaft von Niko Kovac hat sich bei vielen Kontrahenten Respekt verschafft.

Ob diese Steigerung auch gegen Borussia Dortmund reichen wird, das muss man am Samstag sehen. Thomas Tuchel wird alles daran setzen, dass die Formkurve bei den Westfalen weiter nach oben zeigt. Wer die Bayern bezwingt, der will auch in Frankfurt gewinnen. Er wird – im Gegensatz zur Champions League – wieder sein A-Team aufbieten. Dass der BVB einen der besten Kader der Liga besitzt, das ist unbestritten. Und jetzt sind auch die Verletzten wieder zurück. Da stehen dann einige Raketen auf dem Platz.

Das wird schwer, aber nicht unmöglich. Schließlich haben wir die Borussia sogar im Abstiegskampf geschlagen, als der Druck viel größer war, als er derzeit ist. Und gegen die Großen haben wir in letzter Zeit immer gut ausgesehen – ob gegen München, Leverkusen oder Schalke.

Ich freue mich auf das Spiel, das einen ordentlichen Schlagabtausch verspricht. Tore, da bin ich mir sicher, werden wir zu sehen bekommen.

Obwohl unsere Abwehr ja nur sehr schwer zu überwinden ist. Über die Klasse von Lukas Hradecky müssen wir ja nicht mehr reden, aber was Makoto Hasebe seit dem Ingolstadt-Spiel zeigt, das ist sensationell. Er spielt nicht spektakulär, aber er ist ein Garant für Stabilität. Deswegen würde ich ihn trotz des Mascarell-Ausfalls in der Abwehr lassen, würde mir fürs defensive Mittelfeld irgendetwas anderes einfallen lassen.

Niko Kovac arbeitet so akribisch, er wird eine gute Lösung finden. Am Montag hatte ich meinen Augen nicht getraut, als er bereits um acht Uhr auf der Geschäftsstelle war. „Ich muss schon einiges für Dortmund vorbereiten“, grinste er am Tag nach dem Sieg in Bremen, an dem alle eigentlich frei hatten. Manchmal führt Erfolg ja zu Nachlässigkeiten, aber nicht bei Niko. Wie früher als Spieler, so ist er auch heute als Trainer: Er beißt sich in seiner Aufgabe regelrecht fest.

Er lebt vor, was er von seinen Profis erwartet. Klar, er hatte zuletzt auch das Glück, immer die fast gleiche Elf aufs Feld schicken zu können. Nur ganz vorne wurde variiert. Für Alex Meier ist das sicher nicht leicht, wenn er immer mal wieder am Anfang auf der Bank sitzt. Das ist eine neue Situation für ihn. Vielleicht ist er schon etwas beleidigt, aber er lässt sich nicht hängen. Das sah man auch in Bremen, als er kurz nach seiner Einwechselung zum 1:1 traf. Mit einem echten Meier-Tor. Wir werden seine Torgarantie sicher noch brauchen, denn es werden auch wieder nicht ganz so erfolgreiche Zeiten kommen.

Die macht unser Nachbar Darmstadt 98 derzeit durch. Die Heimniederlage gegen Ingolstadt war ein dicker Hammer. Es war ein Sechs-Punkte-Spiel, ein Sieg wäre wie ein Befreiungsschlag gewesen, jetzt stecken sie mittendrin im Sumpf. So ist auch der Glaube an die Heimstärke erschüttert, die Südhessen stehen vor einer schweren Restsaison. Man darf nicht vergessen, dass sie im Sommer einiges an Qualität verloren haben. Jetzt geht es nur über mannschaftliche Geschlossenheit.

Die Lilien haben ja noch Glück, dass der Hamburger SV so total neben der Spur ist. Beim 2:2 in Hoffenheim hat man wenigstens mal wieder Leidenschaft gesehen. Aber ob das reicht? Selbst wenn Milliardär Kühne im Winter noch mal die Schatulle öffnet und neue Spieler ermöglicht, wird das zum Ritt auf der Rasierklinge. Profis, die sofort helfen könnten, wechseln in einer solchen Situation nicht an die Elbe. Andere, das haben wir vor einem Jahr selbst erlebt, sollen sofort Leistung bringen. Doch bis sie eingespielt sind, ist die Saison bereits vorbei. Keine Ahnung, wie das ausgehen wird. Ich weiß nur: Mein Freund und HSV-Idol Uwe Seeler hat eine solche Leidenszeit nicht verdient.

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